10:57 | 21.07.2008
ROUNDUP: Roche will Genentech ganz übernehmen – Aktie fällt – Halbjahreszahlen
BASEL (dpa-AFX) – Das Schweizer Pharmaunternehmen Roche
will ihre US-Tochter Genentech für 44 Milliarden US-Dollar
(27,8 Mrd Euro) ganz übernehmen. Die Basler bieten den Aktionären des
US-Biotechunternehmens 89 Dollar je Aktie und somit eine Prämie von 8,8 Prozent
auf den Schlusskurs von Freitag, wie Roche am Montag mitteilte. Zeitgleich
veröffentlichte das Unternehmen Halbjahreszahlen. Diese fielen belastet von
Wechselkurseinflüssen und einer Umsatzschwäche mit dem Grippemittel Tamiflu
durchwachsen aus. Roche-Aktien gaben im Vormittagshandel als Schlusslicht im
Schweizer Index SMI um 3,01 Prozent auf 174,20 Schweizer Franken nach.
Roche hält seit 1990 eine Mehrheitsbeteiligung an Genentech und besitzt
derzeit 55,9 Prozent aller ausstehenden Aktien. Mit der Gesamtübernahme will das
Unternehmen seine Position in den USA verstärken und die Effizienz verbessern.
So sollen der Wissenstransfer zwischen Forschungseinheiten intensiviert und
Technologien gemeinsam genutzt werden. Roche erwartet Synergien von 750 bis 850
Millionen Dollar vor Steuern pro Jahr sowie einen positiven Gewinnbeitrag vom
ersten Jahr nach dem Abschluss an. Vor allem in den USA sieht
Roche-Verwaltungspräsident Franz Humer Potenzial zum Einsparen von Kosten, etwa
in der Verwaltung.
NIEDRIGER DOLLARKURS ALS GRUND
Der niedrige Dollarkurs sei ein Grund für das Angebot an die
Genentech-Aktionäre, sagte Roche-Finanzvorstand Erich Hunziker. Zur Finanzierung
sei keine Kapitalerhöhung nötig. Roche wolle das Geschäft aus einer Kombination
aus eigenen Mitteln und Bankdarlehen finanzieren. Das Finanzierungskonzept sei
noch nicht vollständig, sagte Hunziker. Er gehe aber davon aus, dass die
Roche-Banken mit weiteren Finanzhäusern ein Konsortium für die Übernahme
bildeten. Das laufende Geschäft ermögliche eine schnelle Rückzahlung der
Schulden.
Laut Humer war Genentech-Chef Arthur Levinson von dem Angebot überrascht.
Humer zeigt sich aber überzeugt, dass die Transaktion über die Bühne gehen
werde. Die Gespräche mit Genentech seien konstruktiv, sagte er. Ungeachtet der
nun angestrebten Übernahme ziehe Roche aber weiter “keine Megamergers und
Großakquisitionen” in Betracht, sagte Humer.
MARKTTEILNEHMER POSITIV GESTIMMT
Entgegen der negativen Reaktion am Markt beurteilten Ananlysten die
Transaktion in ersten Kommentaren mehrheitlich positiv. So sprach die Bank
Wegelin angesichts des tiefen Dollarkurses von einem gut gewählten Zeitpunkt.
Die Übernahme sei ein Vertrauensbeweis für die bedeutende Forschung und
Entwicklung von Genentech, hieß es zudem von der Bank Vontobel. Gefahren sehen
Analysten für die Firmenkultur und die Innovationskraft von Genentech. In der
Vergangenheit sei diese Stärke der Amerikaner der Unabhängigkeit vom Mutterhaus
zugeschrieben worden.
Überraschend legte Roche die erst für Donnerstag (24.7.) erwarteten Zahlen
für das erste Halbjahr vor. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres
erzielte das Unternehmen bei den Erlösen ein Minus von 4 Prozent auf 22,004
Milliarden Schweizer Franken. Diesem Rückgang in Franken stand in
Landeswährungen ein Anstieg von 4 Prozent gegenüber. Der Reingewinn sank um 2
Prozent auf 5,732 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn vor Sonderposten gab
von 7,477 auf 7,041 Milliarden Franken nach, die Marge verschlechterte sich
leicht. Die Analysten hatten – abgesehen vom Betriebsgewinn – etwas mehr
erwartet.
AUSBLICK STEHT
Ungeachtet der Übernahmepläne beließ das Roche-Management den Ausblick für
2008 und die Dividendenpolitik unverändert. Weiterhin will Roche beim Kerngewinn
je Aktie zu konstanten Wechselkursen mindestens das Vorjahresergebnis erreichen.
Der Umsatz soll im hohen einstelligen Bereich zulegen, die Umsätze für Tamiflu
und sowie die Milliardenübernahme von Ventana Medical Systems sind nicht
einbezogen. Die Ausschüttungsquote soll weiterhin über die kommenden drei Jahre
hinweg erhöht werden./sc/stw/wiz
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