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14:39 | 25.03.2009
ROUNDUP: Siemens-Chef verliert an Optimismus – Gewinnprognose wackelt

DÜSSELDORF (dpa-AFX) – Die Wirtschaftsflaute belastet zunehmend auch den
Mischkonzern Siemens . Hatte Vorstandschef Peter Löscher bislang trotz
aller weltwirtschaftlichen Hiobsbotschaften Optimismus verbreitet, so kommen von
ihm nun vermehrt warnende Töne. “Wir sind nicht immun, niemand kann sich der
Krise entziehen”, sagte er dem “Handelsblatt” (Mittwochausgabe). Selbst die
Ziele, die er bislang verteidigte, stellt er jetzt in Frage: “Wir werden die
Situation neu bewerten und uns bei Vorlage der Quartalszahlen am 29. April zur
Gewinnprognose äußern.”

Die Siemens-Aktie rutschte nach dieser Aussage deutlich ans DAX-Ende. Bis
zum Mittag verlor sie 7,42 Prozent auf 42,42 Euro. Dabei hatten die meisten
Analysten bereits seit Wochen darauf getippt, dass Siemens sein
Gewinnversprechen brechen werde. Zu hart hatte die Rezession zugeschlagen.
Bislang will der Konzern in seinen drei Kerngeschäften Industrie, Energie und
Medizintechnik den Gewinn im laufenden Geschäftsjahr bis Ende September auf 8,0
bis 8,5 Milliarden Euro hochschrauben.

VERSCHLECHTERUNG SEIT JAHRESBEGINN

Seit der Aufstellung der Prognose im vergangenen Jahr seien die Vorhersagen
für das Wachstum der Weltwirtschaft immer weiter nach unten korrigiert worden,
begründete Löscher seinen Stimmungsumschwung. Er hatte sich zwar bereits nach
dem ersten Geschäftsquartal im Januar vorsichtiger gezeigt, wollte damals aber
nicht an den Zielen rütteln. Seitdem, so der Siemens-Chef, habe sich das Umfeld
noch einmal erheblich verschlechtert.

“Im Industriegeschäft spüren wir die massiven Einbrüche auf der
Abnehmerseite”, sagte Löscher. Speziell in der Automatisierungs- und
Antriebstechnik sowie der Lichttochter Osram komme die Krise auch bei Siemens
“mit voller Wucht” an. Die Medizintechnik leidet nach seinen Worten weiter unter
den Sparanstrengungen im US-Gesundheitswesen. “Wir haben den Vorteil, dass das
Energiegeschäft noch sehr robust läuft.”

KEIN ENDE DER KRISE IN SICHT

Ein Ende der Krise kann der Chef des größten deutschen Industriekonzerns
noch nicht ausmachen. “Wir müssen uns sicherlich auf eine längere Talsohle
einrichten.” Selbst die Margenziele für die einzelnen Geschäftsfelder sieht er
dadurch in Gefahr: “Die Unterkante war für Zeiten gedacht, in denen wir uns im
Tal eines Konjunkturzyklus befinden. Ob diese Grenze nun auch für eine Krise
dieses Ausmaßes angemessen ist, das hängt davon ab, wie lange sie dauert”, heißt
es in der ausführlichen Online-Version des Interviews.

Stellenstreichungen über das bereits seit dem vergangenen Jahr laufende
Abbauprogramm hinaus will der Siemens-Chef trotzdem vermeiden. “Wir werden alles
tun, um auf betriebsbedingte Kündigungen 2009 zu verzichten.” Angesichts der
sinkenden Nachfrage werde die Kurzarbeit aber sicher ausgeweitet. Insgesamt, so
hofft er, wird das Geschäft bei Siemens nur halb so stark schrumpfen wie die
Weltwirtschaft. Zukäufe kommen für Löscher aber weiter in Frage: “Wir wollen uns
punktuell verstärken.” Erst gestern war Siemens in eine kleine italienische
Solarfirma eingestiegen.”Auch das Elektroauto und die dazugehörende
Infrastruktur sind attraktive Innovationsfelder.”

KONJUNKTURPROGRAMME HELFEN

Lichtblick sind für den Siemens-Chef die anlaufenden Konjunkturprogramme,
etwa in China oder den USA. “Wir spüren auch in einzelnen Märkten der Golfregion
oder in Zentralasien eine gute Nachfrage.” Auch vom Konjunkturprogramm der
Bundesregierung will Siemens als Infrastrukturanbieter profitieren. “Das wird
sich jedoch abgesehen von einigen Ausnahmen frühestens 2010, eher 2011 in
Aufträgen auswirken.” Von Staatshilfe für angeschlagene Unternehmer hält Löscher
allerdings nichts: Der Staat sei nicht der bessere Unternehmer. “Was die
Wirtschaft mehr denn je braucht, ist ein funktionierendes Finanzwesen.”

Um die eigenen Finanzen steht es laut Löscher gut. “In diesem Jahr haben wir
einen Refinanzierungsbedarf von nur 500 Millionen Euro und 2010 noch einmal
einen von 500 Millionen Euro.” Siemens hatte sich jüngst zu günstigen
Konditionen mehrere Milliarden Euro am Kapitalmarkt besorgt. “Das Vertrauen in
Siemens ist da. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass unsere besten Jahre
noch vor uns liegen.”/das/gr/wiz


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