14:07 | 24.05.2011
ROUNDUP: Solarworld-Chef Asbeck preist die Solarenergie an
BONN (dpa-AFX) – Der Chef des Photovoltaik-Unternehmens Solarworld
, Frank Asbeck, hat die Solarenergie als eine günstigere Alternative
zum Atomstrom angepriesen. Unter Einbeziehung aller Kosten, also auch der mit
Atomunglücken verbundenen Ausgaben, koste der Strom aus Solaranlagen nur ein
Zehntel des Atomstroms, rechnete der Vorstandschef am Dienstag bei der
Hauptversammlung in Bonn den Aktionären vor. Die Erneuerbaren Energien seien
nicht mehr unbedeutend. Während derzeit nur 4 von 17 Atomkraftwerken liefen,
trügen die Erneuerbaren zu einer stabilen Energiezufuhr bei.
“Atomkraft ist definitiv keine Brücke, sie ist eine kurze Sackgasse der
Industriegeschichte”, sagte Asbeck in Anlehnung an das von den großen Versorgern
oft verwendete Bild der Atomenergie als einer Brücken-Technologie auf dem Weg in
ein neues Energiezeitalter. “In 50 Jahren ist eh alles solar, und wir werden in
diese Richtung arbeiten.”
Asbeck versprach den Aktionären ein weiterhin starkes Wachstum der
Solarindustrie. “Unsere Brücke hat mehr die Form einer steilen Treppe.”
Solarworld erwartet eine Steigerung der weltweiten Modulnachfrage von 20
Gigawatt (GW) im Jahr 2010 auf 100 GW bis 2020. Bis dahin werde die Branche die
Größe der Halbleiterindustrie übertroffen haben. Für Deutschland rechnet das
Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt mit 70 GW, die Systemkosten sollen bis 2020
nur noch halb so hoch sein.
Das ist auch nötig – auf der Branche lastet ein immenser Margendruck. Die
Preise für Module sind im ersten Quartal bereits um 25 Prozent zurückgegangen,
weitere Abschläge sind zu erwarten. Grund ist die starke Konkurrenz aus Asien.
Aber auch politische Eingriffe in Deutschland und auf den anderen großen
europäischen Märkten haben zuletzt die Nachfrage gebremst. Solarworld konnte
diesem Trend im ersten Quartal ein starkes Auslandswachstum entgegensetzen und
somit anders als viele Wettbewerber einen steigenden Gewinn ausweisen.
Der Konzernchef erteilte Kritik von Aktionärsschützern eine Absage, wonach
die angestrebte Dividende von 0,19 Euro mit einer Ausschüttungsquote gemessen am
Gewinn von 23 Prozent zu niedrig sei. Er bezeichnete die Dividende als
angemessen. Dies sei seine Meinung als Vorstandschef, als Großaktionär – Asbeck
hält 27,8 Prozent – hätte er auch gerne mehr gehabt.
Solarworld sieht sich trotz etwa zehn Prozent höherer Preise im Vergleich
zur Konkurrenz aus China gerüstet für den Wettbewerb. Die Belieferung mit dem
Rohstoff Silizium sei langfristig gesichert. Zudem erwartet Asbeck, dass ein
Gutteil der Kostenvorteile der chinesischen Produzenten, etwa für Personal und
Energie, in den kommenden Jahren angesichts des schnellen Wirtschaftswachstums
in der Region hinfällig werden könnten.
Eine Plakat-Aktion, mit der das Solar-Unternehmen den Werbeslogan des
zweitgrößten deutschen Energieversorgers RWE verulkt und dafür eine
Einstweilige Verfügung kassiert hatte, bezeichnete Asbeck als “Kinderstreich”,
dessen Konsequenzen er einkalkuliert habe. Die Kosten dafür hätten bei unter
5.000 Euro gelegen. Dem stehe aber eine Werbewirkung im Wert von 50 Millionen
Euro gegenüber. So habe etwa das Museum “Haus der Geschichte der Bundesrepublik
Deutschland” das Plakat als historisches Dokument für sein Archiv
angefordert./nmu/jb/tw
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