14:36 | 18.05.2011
ROUNDUP: Südzucker will internationaler werden – Starkes Jahr 2010/11
MANNHEIM (dpa-AFX) – Der Zuckerkonzern Südzucker nimmt nach einem
besser als erwartet ausgefallenen Geschäftsjahr 2010/2011 zunehmend die Märkte
außerhalb Europas ins Visier. Dafür kooperiert Europas größter Zuckerproduzent
mit dem weltweit zweitgrößten Zuckerhändler, dem britischen Unternehmen ED&F
Man. Wie der Südzucker-Konzern am Mittwoch passend zur Bilanzvorlage mitteilte,
erwirbt er für 255 Millionen US-Dollar eine Minderheitsbeteiligung von 25
Prozent minus eine Aktie an dem Agrarrohstoffhändler. „Der Zuckerhandel wird
weltweit zunehmen, dafür wollen wir uns eine Plattform für den Ausbau unseres
Geschäfts außerhalb Europas schaffen“, erklärte Vorstandschef Wolfgang Heer die
Investition.
ED&F handelt weltweit mit Rohstoffen wie Zucker, Kaffee oder Melasse und ist
vor allem in Ländern wie Mexiko, Chile oder Venezuela stark vernetzt. Das
Unternehmen besitzt darüber hinaus aber auch eigene Produktions- und
Raffineriekapazitäten für Zucker. Südzucker verspricht sich Synergien für die
eigene Produktion, aber auch Vorteile bei der Beschaffung von Rohrzucker. Denn
der Konzern musste sich durch die Produktionseinschränkungen der europäischen
Zuckerpolitik zunehmend auch zum Importeur von Zucker wandeln und wodurch
Vertrieb und Logistik eine immer größere Rolle spielen.
GEGEN PREISSTEIGERUNGEN BEI BIOETHANOL-HERSTELLUNG ABGESICHERT
Die Entwicklung an den Rohstoffmärkten verfolgt Südzucker aufmerksam. Die
Rohstoffpreise werden eines der Kernthemen der Zukunft sein, sagte Heer.
Südzucker profitiert zwar auf der einen Seite als Anbieter von Agrarrohstoffen
von den zum Teil rekordartigen Preissteigerungen, spürt aber in den
Endverbrauchernahen Bereichen etwa als Hersteller von Tiefkühlkost sehr wohl
auch die Belastung. Für die Herstellung von Bioethanol, das unter anderem aus
Getreide gewonnen wird, hatte sich Südzucker nach eigenen Angaben frühzeitig
gegen Preissteigerungen abgesichert.
Im Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 konnte Südzucker sein
operatives Ergebnis von 403 auf 519 Millionen Euro steigern und damit stärker
als Analysten es erwartet hatten. Der Überschuss nach Minderheiten verbesserte
sich von 200 auf 250,4 Millionen Euro und der Umsatz legte im Vergleich zum
Vorjahr um 7,7 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro zu. Die Belastungen aus der
EU-Zuckermarktreform hat der Konzern damit abgehakt. Die Aktionäre sollen wie
bereits am Vortag bekanntgegeben eine Dividende von 0,55 Euro je Aktie (Vorjahr:
0,45) erhalten. Für das laufende Geschäftsjahr 2011/12 peilt der Konzern einen
Umsatz von 6,3 Milliarden Euro an. Operativ sollen mehr als 550 Millionen Euro
in die Kassen kommen.
SCHULDEN WEITER REDUZIERT
Seine Schulden konnte Südzucker im abgelaufenen Jahr weiter reduzieren,
weshalb es auch kein Problem sein dürfte, weitere Zukäufe zu stemmen. „Wir
halten weiterhin nach geeigneten Objekten Ausschau“, sagte Heer. Die im Mdax
notierte Südzucker-Aktie legte bis zum frühen Nachmittag um 1,42 Prozent auf
21,73 Euro zu.
Zu den Umsatz- und Ergebnissteigerung im vergangenen Jahr trugen alle
Geschäftsfelder bei. Den größten Beitrag leistete die Stammsparte Zucker, die
von gesteigerten Absatzmengen profitieren konnte. Schlechte Ernten in Ländern
wie Indien und Brasilien bei gleichzeitig hoher Nachfrage und Spekulanten an den
Rohstoffmärkten trieben zudem den Zuckerpreis im Jahresverlauf auf ein neues
Allzeithoch.
INTERNATIONALISIERUNG SOLL WEITER VORANTREIBEN
Auch die Sparte Frucht legte 2010/11 weiter zu. Südzucker beliefert die
Lebensmittelindustrie mit Fruchtzubereitungen und Saftkonzentraten und konnte im
vergangenen Jahr vor allem in Osteuropa, Asien und Amerika mehr absetzen.
Aktuell arbeitet Südzucker daran, den nordafrikanischen und arabischen Raum zu
erschließen. Im Segment Spezialitäten, zu dem Tiefkühlkost, Stärke,
Portionsartikel oder Zutaten für die Lebens- und Futtermittel-Industrie zählen,
ging es beim Umsatz zweistellig nach oben. In diesem Jahr will der Konzern die
Internationalisierung weiter vorantreiben und sich mit einem eigenen Vertrieb in
den USA den weltgrößten Markt für Pizza erschließen.
Die gestiegene Auslastung der Bioethanolwerke half Südzucker bei seiner
Tochter Cropenergies auf die Sprünge. Bioethanol wird aus Rüben oder Getreide
gewonnen und ist Bestandteil des neuen Ökokraftstoffs E10. Trotz der hierzulande
hitzig geführten Debatten um E10 glaubt Südzucker dennoch weiter an den Erfolg
des Biosprits. „Am Ende wird sich die Qualität von E10 durchsetzen“, sagte Heer
und erinnerte an die Einführung von bleifreiem Benzin in den 80er Jahren. In
Ländern wie den USA werde E10 schon seit Jahrzehnten angeboten. Der Konzern
werde sich deshalb weiterhin dafür einsetzen, dass der Biosprit auch in
Deutschland Standardkraftstoff für Ottomotoren werde./she/wiz
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