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15:59 | 10.07.2008
ROUNDUP: Tarifverhandlungen bei Lufthansa gescheitert – ver.di plant Streiks

FRANKFURT (dpa-AFX) – Fluggäste müssen sich noch während der Ferienzeit auf
massive Streiks bei der Lufthansa einstellen. Die Gewerkschaft ver.di erklärte
ihre Tarifverhandlungen mit dem Konzern am Donnerstag nach wochenlangen
Auseinandersetzungen für gescheitert. An diesem Montag werde sie eine zehntägige
Urabstimmung über einen Streik beginnen, teilte die Gewerkschaft mit. Damit
könnte es noch Ende Juli oder Anfang August zu Arbeitskämpfen und massiven
Flugausfällen kommen.

Der Verhandlungsführer von ver.di, Erhard Ott, bezeichnete die Entscheidung
der Tarifkommission über den Abbruch der Verhandlungen als “unumgänglich”.
Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer warnte die Gewerkschaft vor einem
Arbeitskampf. Ein Streik wäre “völlig unverhältnismäßig”, sagte Lauer. “Ich
fordere ver.di auf, sich das noch einmal gut zu überlegen.”

ANGEBOT LAG VOR

Lufthansa hatte angeboten, die Gehälter der rund 50.000 Beschäftigten am
Boden und in der Kabine in zwei Schritten um insgesamt 6,7 Prozent zu erhöhen.
Zusätzlich wäre einmalig ein Prozent eines Jahresgehalts gezahlt worden. Die
Laufzeit des Vertrages sollte 21 Monate bis Ende Februar 2010 betragen. ver.di
hatte dagegen 9,8 Prozent mehr Geld bei einem Jahr Laufzeit gefordert.

ver.di-Verhandlungsführer Ott sagte, der Produktionsfortschritt, die
Beiträge der Beschäftigten zur “Sanierung des Unternehmens in Krisenzeiten”
sowie “der wirtschaftliche Höhenflug des Konzerns” seien beim Lufthansa-Angebot
nicht berücksichtigt worden. Auf ein Jahr gerechnet hätte die Erhöhung lediglich
die Preissteigerung ausgeglichen. Er gehe von einem deutlichen Ergebnis bei der
Urabstimmung aus: “Die Entschlossenheit der Kolleginnen und Kollegen, in diesen
Kampf zu gehen, ist groß”, sagte er.

VORSTAND HAT KEIN VERSTÄNDNIS

Lufthansa-Personalvorstand Lauer betonte, ihm fehle “jegliches Verständnis”
für die Entscheidung von ver.di, die Gespräche zu beenden. Nach der Urabstimmung
stehe ver.di vor der Entscheidung, “ob sie möglicherweise mitten in der
Urlaubszeit die Urlauber treffen möchte”. Die Lufthansa habe sich während der
Verhandlungen “deutlich bewegt” und mit ihrem Angebot “keinerlei Grund gesetzt,
dass das Scheitern erklärt werden müsste.” Im Laufe der Sondierungen habe das
Unternehmen neue, “vernünftige Spielräume eingebracht”. Details dazu dazu nannte
er nicht.

Die Gespräche mit ver.di fanden unabhängig von den Verhandlungen für Piloten
der Lufthansa-Töchter statt. Diese werden von der Gewerkschaft Vereinigung
Cockpit vertreten und hatten am Montag mit einem ganztägigen Streik massive
Flugausfälle verursacht. Auch ver.di hatte bereits mit Warnstreiks den Flugplan
der Lufthansa erheblich durcheinandergewirbelt./rg/kir/DP/stw


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