16:00 | 16.03.2008
ROUNDUP: TUI-Aufsichtsrat tagt am Montag – Spekulationen um Aufspaltung
HANNOVER (dpa-AFX) – Kurz vor der Sitzung des TUI-Aufsichtsrates
an diesem Montag haben Spekulationen um eine mögliche Abspaltung der
Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd für Unruhe gesorgt. Ein Sprecher des
Reisekonzerns sagte, der Aufsichtsrat werde sich am Montag mit den verschiedenen
strategischen Optionen für die Zukunft des Konzerns befassen. Berichte über eine
Aufspaltung in die Sparten Tourismus und Schifffahrt wollte er jedoch nicht
kommentieren. Beim Reisegeschäft hält die Konzernzentrale nur noch eine
51-Prozent-Beteiligung an TUI Travel in London.
Nach einem Bericht der Tageszeitung “Die Welt” soll Konzernchef Michael
Frenzel seinen Widerstand gegen eine Zerschlagung aufgegeben haben. Er werde dem
Aufsichtsrat vorschlagen, den Konzern in das Touristikgeschäft und die Reederei
Hapag-Lloyd aufzuspalten, schrieb das Blatt unter Berufung auf
Unternehmenskreise. Frenzel reagiere damit auf massiven Druck von Aktionären,
die einen solchen Schritt mit Blick auf die Entwicklung bei Hapag-Lloyd verlangt
hatten.
ARBEITNEHMERVERTRETER STELLEN BEDINGUNGEN
Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der TUI AG wollen einer möglichen
Aufspaltung des Unternehmens nicht tatenlos zusehen. “Bei den bevorstehenden
Diskussionen über die Zukunft der TUI werden wir einer Lösung nur zustimmen,
wenn der Touristik-Standort Hannover und der Hapag-Lloyd-Standort Hamburg nicht
gefährdet sind”, sagte der stellvertretende Aufsichtsratschef der TUI, Jan
Kahmann, der Wirtschaftszeitung “Euro am Sonntag”. “Wir legen außerdem Wert
darauf, dass die Arbeitsplätze an beiden Standorten erhalten bleiben.” In
Hannover sind nach TUI-Angaben rund 4.000 Mitarbeiter beschäftigt, in Hamburg
bei Hapag Lloyd rund 1.900.
Der Zeitung “Die Welt” sagte Kahmann, die Gewerkschaft ver.di habe sich im
Rahmen des Maritimen Bündnisses bemüht, möglichst gute Bedingungen für die
deutsche Schifffahrt zu schaffen. “Dabei haben wir als Gewerkschaft in der
Vergangenheit Zugeständnisse bei den Besatzungen gemacht”, sagte der frühere
ver.di-Bundesvorstand. Diese Kooperationsbereitschaft habe bewirkt, dass wieder
mehr Schiffe unter deutscher Flagge führen. “Es kann nicht sein, dass jetzt die
Früchte unserer Anstrengungen im Ausland geerntet werden.” Eine Reederei wie
Hapag-Lloyd sei für den Standort Deutschland wichtig, “weil dort auch hoch
qualifizierte Spezialisten ausgebildet werden”.
NORWEGISCHER GROSSAKTIONÄR FORDERT ZERSCHLAGUNG
Irritiert zeigten sich die Arbeitnehmervertreter über TUI-Chef Frenzel, der
sich bis zuletzt vehement gegen eine Teilung gewehrt hatte. Er sei von den
Aussagen Frenzels überrascht worden, sagte Kahmann. “Ich möchte mir auf der
Aufsichtsratssitzung erst einmal ein Bild davon machen, was Frenzel zu sagen
hat.”
Insbesondere der norwegische Großaktionär John Fredriksen hatte eine
Zerlegung des Unternehmens gefordert, um die Schifffahrtstochter voranzubringen.
Der 63 Jahre alten Schiffsreeder und Multimilliardär hält mindestens fünf
Prozent der Aktien und hat angeblich auch andere Aktionäre für seine Forderung
gewinnen können. Frenzel hatte im Januar dagegen eine Verschmelzung der
Konzernzentrale mit der Reedereitochter vorgeschlagen, um Hapag-Lloyd, die als
Ertragsperle gilt, besser vor einer Übernahme zu schützen./mk/DP/she
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