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11:57 | 07.04.2016
ROUNDUP: Verdi protestiert mit Streiks gegen Arbeitsbedingungen bei Amazon

KOBLENZ/MÜNCHEN (dpa-AFX) – Mit Streiks an bundesweit sechs Standorten des Online-Händlers Amazon hat die Gewerkschaft Verdi am Donnerstag gegen die Arbeitsbedingungen in den Versandzentren des Unternehmens protestiert. Ein Verdi-Sprecher in Koblenz sagte, die Arbeit dort führe bei einigen Beschäftigten zu psychischen Erkrankungen. Mit mehr als 15 Prozent sei der Krankenstand ständig höher als in anderen Unternehmen der Branche. Amazon wies die Vorwürfe zurück und erklärte, an allen Standorten gebe es “ein professionelles Gesundheitsmanagement”. Beide Seiten machten unterschiedliche Angaben zur Beteiligung an den Arbeitsniederlegungen.

Der Koblenzer Gewerkschaftssekretär Marko Bärschneider sprach von einer “Super-Beteiligung” mit rund 200 Beschäftigten seit Beginn der Nachtschicht. Am Standort Koblenz sind insgesamt rund 1500 Mitarbeiter beschäftigt. Eine Amazon-Sprecherin sagte, die Beteiligung an den Aktionen sei “sehr gering” gewesen. An den sechs Standorten seien weniger als 850 Mitarbeiter dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt. Die Arbeitsniederlegung habe keine Auswirkungen auf die Einhaltung des Lieferversprechens für die Kunden.

Die Gewerkschaft habe den Weltgesundheitstag am Donnerstag zum Anlass genommen, um auf problematische Arbeitsbedingungen bei Amazon aufmerksam zu machen, sagte Bärschneider. Er sprach von Schikanen durch Vorgesetzte und Strafversetzungen in andere Abteilungen. Die “Picker” – das sind die Arbeiter, die bestellte Produkte aus dem Warenlager holen und in die Versandabteilung bringen – müssten schwere Lasten aus Hochregalen heben und teilweise 20 Kilometer am Tag zurücklegen. In den Arbeitsgruppen werde wechselseitiger Druck aufgebaut, indem Beschäftigten bei einem bestimmten Krankenstand ein monatlicher Bonus gestrichen werde.

Bärschneider kündigte an, dass die Verdi-Tarifkommission Forderungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz aufstellen werde. “Wir gehen davon aus, dass Gespräche darüber aufgenommen werden, weil Amazon ein ureigenes Interesse haben muss, den Krankenstand zu senken.”

Die Geschäftsleitung stehe mit Betriebsräten, Arbeitsmedizinern und Krankenversicherungen im ständigen Austausch, um die Gesundheitsprävention zu stärken, sagte eine Unternehmenssprecherin in München. “Für Amazon ist es sehr wichtig, dass es in den Teams respektvoll zugeht, alle anpacken und sich gegenseitig fair behandeln.” Die bereits umgesetzten Maßnahmen reichten von Gesundheitstagen für die Mitarbeiter über ein gesundheitsbewusstes Ernährungsangebot in den Kantinen und Angebote zur Rückenschulung bis zu Vorgaben für das Gewicht in einzelnen Arbeitsabläufen.

Streikaktionen gab es am Donnerstag an den Amazon-Standorten Koblenz, Bad Hersfeld, Leipzig, Rheinberg und Werne (jeweils Nordhrein-Westfalen) sowie in Graben bei Augsburg. Amazon unterhält insgesamt neun Versandzentren in Deutschland. Verdi verlangt von Amazon seit drei Jahren die Anerkennung der Tarifverträge im Einzel- und Versandhandel, was das Unternehmen ablehnt. Amazon sieht sich als Logistikkonzern und erklärt, dass seine Löhne am oberen Ende der in dieser Branche üblichen Bandbreite lägen. In dem Tarifkonflikt hatte Verdi zuletzt in den Ostertagen zu Streiks aufgerufen./pz/DP/jha


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