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15:41 | 27.01.2009
ROUNDUP: Wirtschaft hofft auf Konjunkturpakete – ifo-Index steigt überraschend

MÜNCHEN (dpa-AFX) – Nach Monaten des Abschwungs sehen die deutschen
Unternehmen erstmals wieder einen Silberstreif am Horizont. Der als wichtiges
Stimmungsbarometer für die Wirtschaft geltende Geschäftsklimaindex des Münchner
ifo Instituts hellte sich am Dienstag überraschend auf. Während die aktuelle
Geschäftslage nach wie vor düster aussieht, besserten sich zumindest die
Erwartungen für die kommenden Monate wieder etwas. Impulse erhofft sich die
Wirtschaft vor allem von den weltweit von vielen Staaten auf den Weg gebrachten
Konjunkturprogrammen. In Deutschland segnete das Bundeskabinett am Dienstag das
größte Konjunkturpaket seit Bestehen der Bundesrepublik mit einem Volumen von
rund 50 Milliarden Euro ab.

Kernstück des deutschen Programms sind Investitionen in Bildung, Straßen und
Schienen. Zugleich werden Bürger und Unternehmen bei Steuern und Abgaben
entlastet. Teil des Pakets ist auch die Abwrackprämie in Höhe von 2.500 Euro,
mit der der zuletzt drastisch eingebrochene Absatz der Autobauer wieder
angekurbelt werden soll. Wegen der Konjunkturhilfen und der Wirtschaftskrise
muss der Bund aber deutlich mehr neue Schulden machen, erwartet wird für dieses
Jahr ein Rekord-Niveau von bis zu 50 Milliarden Euro.

LOB FÜR STAATLICHE FINANZSPRITZEN

Vom ifo Institut kam aber Lob für die staatlichen Finanzspritzen. Trotz der
teils sehr hohen Neuverschuldung vieler Staaten seien die Konjunkturprogramme
alternativlos, da die Krise der vergangenen Monate alles bisher Dagewesene in
Schatten gestellt habe, sagte ifo- Bereichsleiter Gernot Nerb am Dienstag.
Insbesondere die Bauwirtschaft sei zuversichtlich, von den staatlichen
Konjunkturpaketen profitieren zu können. “Außerdem gibt es die Hoffnung, dass
der Konsum besser läuft. Das wird durch die Daten aus dem Einzelhandel
bestätigt.”

Aber auch in der Automobilbranche seien die Aussichten auf steigende
Verkaufszahlen nach den Absatzeinbrüchen der vergangenen Monate mit Einführung
der Abwrackprämie wieder gestiegen, sagte Nerb. “Da sind die Erwartungen auch
nicht mehr so ungünstig wie vorher. Und so sieht man das auch generell,
schließlich haben nicht nur Deutschland, sondern auch andere Länder
Konjunkturpakete aufgelegt.” Dies berge auch Chancen für das Auslandsgeschäft
der deutschen Unternehmen. “Da sollte auch für den deutschen Export etwas
abfallen.”

VORSICHTIGE ZUVERSICHT

Auch der der Bundesverband Deutscher Banken verbreitete am Dienstag
vorsichtige Zuversicht. Gesunkene Rohstoffpreise und die weltweite
Niedrigzinspolitik sorgten neben dem zweiten Konjunkturpaket “für Lichtblicke am
sonst trüben Konjunkturhimmel”, schrieb der Verband am Dienstag in seinem
aktuellen Konjunkturbericht. Die deutsche Wirtschaftskraft werde dadurch
nachhaltig gesichert, auch wenn in diesem Jahr mit einer Schrumpfung des
Bruttoinlandsprodukts um 2,25 Prozent zu rechnen sei.

Der ifo-Geschäftsklimaindex war im Januar nach sieben Monaten des Abschwungs
überraschend leicht von 82,7 Punkten im Vormonat auf 83,0 Punkte gestiegen.
Analysten hatten mit einem weiteren Rückgang auf 81,0 Punkte gerechnet. Der
Index für die Geschäftserwartungen kletterte von 76,9 auf 79,4 Punkte. Die
Beurteilung der aktuellen Lage trübte sich von 88,8 Punkten im Dezember auf 86,8
Punkte ein. Der ifo-Index wird monatlich durch die Befragung von rund 7000
Unternehmen ermittelt.

STIMMUNG UNTER DEM STRICH SCHLECHT

ifo-Präsident Hans-Werner Sinn warnte dennoch vor zu großer Euphorie. “Eine
konjunkturelle Wende kann man hieraus nicht ablesen”, hieß es in der Mitteilung
des Instituts. In der Industrie bleibe die Stimmung unter dem Strich trotz der
etwas besseren Aussichten schlecht. Vor allem im Exportgeschäft rechneten die
befragten Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit einer anhaltenden
Abwärtstendenz. Geräte und Maschinen seien erheblich weniger ausgelastet als
noch im vergangenen Herbst, viele Firmen planten den Abbau von Personal.

Solide sah es im Einzelhandel aus. Hier bewerteten die Firmen sowohl ihre
augenblickliche Lage als auch ihre Aussichten besser als noch im Vormonat. Im
Großhandel und Bauhauptgewerbe hellten sich die Erwartungen für das kommende
halbe Jahr ebenfalls auf. Auch im Dienstleistungssektor nahm der Pessimismus
trotz schlechterer Geschäftslage etwas ab. Laut ifo Institut planen die
Unternehmen hier, weniger Stellen abzubauen als noch vor einem Monat./mf/DP/jha/


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