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16:50 | 04.02.2012
ROUNDUP: Wirtschaft warnt vor Arbeitsplatzverlust durch Energiewende

BERLIN (dpa-AFX) – Die Wirtschaft warnt vor einem massiven Verlust von
Arbeitsplätzen durch die geplante Energiewende. Der Präsident des Bundesverbands
der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, nannte im “Focus” zur
Begründung die hohen Stromkosten, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit
mindern. Trotz staatlicher Ausnahmeregeln beim Strompreis zahle die deutsche
Industrie mit die höchsten Strompreise in Europa. Diese enormen
Kostenunterschiede führten dazu, dass in Deutschland Arbeitsplätze verschwinden.
“Deshalb ist es fahrlässig zu behaupten, dass die Energiewende allenfalls ein
paar alten Industrien die Existenz kosten werde.”

Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel warf der schwarz-gelben Bundesregierung
erneut Versagen in der Energiepolitik vor. “Die Energiewende fährt gerade mit
Hochgeschwindigkeit vor die Wand”, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger”
(Samstag). Deutschland habe keine Planung für Stromspeicher, der Netzausbau gehe
nicht voran, für die Energieeffizienz werde nichts getan. “Energiepolitisch ist
die Merkel-Regierung eine Tu-Nix-Koalition”, sagte Gabriel. “Nichts von dem, was
Deutschland braucht, um den Atomausstieg hinzubekommen, wird umgesetzt.”

Der SPD-Chef warf Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und
Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) vor, sich täglich gegenseitig lahm zu
legen. “Deutschland braucht ein Energie- Ministerium.”

Im Gegensatz zu Gabriel sieht Röttgen die Energiewende auf dem richtigen
Weg. “Gerade in diesen extrem kalten Tagen zeigt sich, dass die erneuerbaren
Energien Versorgungssicherheit und Stabilität schaffen. Der Ausbau von Wind und
Solar zahlt sich aus”, sagte der Umweltminister dem “Tagesspiegel am Sonntag”.
Die Einschätzung der Netzbetreiber, wonach es trotz der Kälte genug Strom gebe,
zeige, “dass Horrorszenarien, nach denen die Stromversorgung zusammenbricht und
die Preise explodieren, unseriös sind”.

Dagegen rechnete BDI-Präsident Keitel vor, dass zum Beispiel Edelstahl aus
Deutschland “bei den Energiepreisen auch mittelfristig nicht mehr
konkurrenzfähig ist”. So koste dem Konzern ThyssenKrupp die
Megawattstunde Strom am Standort Krefeld rund 80 Euro, in Italien nur 60 Euro
und in den USA nur 40 Euro.

“Wir sehen in der Industrie in der Energiewende große Chancen und wollen sie
mit aller Entschlossenheit ergreifen”, versicherte Keitel. Jedoch gehöre dazu
auch die Diskussion über die Kosten-Gefahren. “Und ich wäre dankbar, wenn die
Bundesregierung unsere Sorgen ernst nehmen würde.” Gefährlich sei zudem, dass
die Politik dem Irrglauben anhänge, man könne eine Energiewende politisch
bewirken. “Die Umsetzung muss in der Wirtschaft passieren, bei den Unternehmen,
die investieren.”/sk/DP/zb


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