14:51 | 03.05.2010
ROUNDUP/Autobauer: Haben Elektroauto nicht verschlafen
BERLIN (dpa-AFX) – Die deutsche Auto-Industrie setzt sich gegen den Vorwurf
zur Wehr, die Entwicklung des Elektroautos verschlafen zu haben. Die Chefs der
Konzerne Daimler und BMW , Dieter Zetsche und Norbert
Reithofer, sagten am Montag im ZDF-Morgenmagazin, die Hersteller hätten die
Entwicklung alternativer Antriebe keineswegs schleifen lassen. Es sei
mittlerweile eine Art Volkssport, der Autoindustrie “Schlafmützigkeit”
vorzuwerfen, klagte Zetsche.
Auf der Elektromobilitätskonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
in Berlin verständigten sich am Montag Industrie und Regierung darauf, bisher
schon zugesagte Forschungsmittel bis 2013 gezielt in die Entwicklung des
Elektroautos stecken zu wollen. Mehr staatliche Forschungsgelder dürfte den
Vorstellungen der beiden Autobauer entgegenkommen.
Merkel will Deutschland in den nächsten Jahren zum “Leitmarkt für
Elektromobilität” machen. Elektroautos seien ein Beitrag zum Klimaschutz und
zugleich eine Chance für die deutsche Autoindustrie. Sie bekräftigte anlässlich
des Startschusses für eine “Nationale Plattform Elektromobilität” das Ziel, bis
2020 eine Million E- Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Für den Kauf eines
Elektroautos wird es in Deutschland jedoch keine staatliche Prämien geben.
Knapp 150 Fachleute begannen in sieben Arbeitsgruppen mit der Klärung
schwieriger Fragen von der Speicher- und Stromtank- Technologie bis hin zu
Fragen der späteren Markteinführung. Dabei geht die Autoindustrie nach
bisherigen Angaben der Hersteller davon aus, dass Elektromobile serienmäßig etwa
von 2013 an verstärkt auf den Markt rollen.
Bisher schon zugesagte Forschungsmittel sollen bis 2013 gezielt in die
Entwicklung des Elektroautos gesteckt werden. Erst nach einer Zwischenbilanz des
Elektromobilitätskonzepts will sie “über den konkreten Umfang von Beiträgen zur
Förderung von Forschung und Entwicklung entscheiden”. Darauf verständigten sich
Regierung, Industrie und Wissenschaft in Berlin zum Auftakt des Spitzentreffens
zu diesem Thema.
Wie es hieß, will die Automobil-Industrie in den nächsten Jahren
voraussichtlich rund 20 Milliarden Euro pro Jahr in Forschung und Entwicklung
investieren. Dabei solle “ein maßgeblicher Teil dieser Aufwendungen in
Elektromobilität, kraftstoffeffiziente Fahrzeuge sowie andere energiesparende
Maßnahmen investiert” werden. Von dem Treffen in Berlin erwartet die Autobranche
ein wichtiges Signal, auch um die unterschiedlichen Branchen von der
Energiewirtschaft bis zu den Herstellern unter einen Hut zu bringen.
Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt deutsche Unternehmen bei
Erforschung und Entwicklung von Batterietechnologien für die Elektromobilität.
Das Ministerium richtete einen neuen Förderschwerpunkt “Speicher” ein, der die
gesamte Bandbreite der unterschiedlichen mobilen und stationären
Stromspeichertechnologien abdeckt. Ressortchef Rainer Brüderle (FDP) sagte:
“Hier ist der Industrie- und Innovationsstandort Deutschland mit seinen klugen
Köpfen in kleinen, mittelständischen, aber auch großen Unternehmen gefordert.
Ich bin sicher, dass wir gemeinsam Erfolg haben werden.”
Audi-Chef Rupert Stadler sagte dem Fernsehsender n-tv: “Im Bereich der
Elektromobilität bewegen wir uns natürlich auf einem Langstreckenrennen. Wir
wollen und wir müssen Geschwindigkeit aufnehmen und deshalb finde ich es sehr
gut, dass wir jetzt einen Schulterschluss üben zwischen Politik, den
Elektro-Betreibern, der Automobilindustrie, auch den Gewerkschaften, aber auch
den Forschungsbereichen” – ungeachtet des immensen Konkurrenzdrucks in der
Autoindustrie./rm/wb/DP/wiz
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