12:32 | 02.12.2009
ROUNDUP/Creditreform: Krise treibt Firmenpleiten auf Rekordniveau
FRANKFURT (dpa-AFX) – Die Wirtschaftskrise könnte die Firmenpleiten in
Deutschland 2010 auf ein Rekordniveau treiben. Aus Zahlungsnot werden im
nächsten Jahr voraussichtlich bis zu 40.000 Unternehmen Insolvenz anmelden – das
wären so viele wie nie zuvor, prognostizierte die Wirtschaftsauskunftei
Creditreform am Mittwoch in Frankfurt. “Die Wirtschaftskrise fordert ihren
Tribut”, sagte Vorstandsmitglied Helmut Rödl. Bei vielen Firmen sei das
Eigenkapital bedenklich geschrumpft, sie kämen schwieriger an Kredite und litten
unter Zahlungsausfällen von Lieferanten. Beim letzten Höchststand im Krisenjahr
2003 hatten 39.470 Firmen pleite gemacht.
Im laufenden Jahr stieg die Zahl der Firmeninsolvenzen bereits kräftig um 16
Prozent auf 34.300 Fälle. Wegen der vielen Pleiten von Großunternehmen wie
Arcandor oder Woolworth kletterten die Schäden aus Insolvenzen um zwei
Drittel auf 48,6 Milliarden Euro. Mehr als eine halbe Million Arbeitnehmer
verloren ihren Job – auch wenn eine Insolvenz nicht immer den Verlust des
Arbeitsplatzes bedeutet, sondern eine Sanierung häufig Stellen retten kann.
2009 JAHR DER GROSSINSOLVENZEN
“2009 ist das Jahr der Großinsolvenzen”, sagte Rödl. Aber auch
Traditionsfirmen wie der Spielzeughersteller Märklin und der Klavierbauer
Schimmel standen vor dem Aus. Das Gros der Firmenpleiten entfalle aber weiter
auf Kleinstunternehmen.
Unter den Wirtschaftszweigen ist die Industrie am stärksten betroffen. “Die
Rezession zog vielen Industriebetrieben den Boden unter den Füßen weg”, sagte
Rödl. Dort nahm die Insolvenzzahl um 40 Prozent auf 3.500 Firmen zu. Vor allem
exportorientierte Betriebe und Autozulieferer (Karmann, Edscha) gaben auf.
Entscheidend wird laut Creditreform 2010 die Entwicklung des Exports sein. Im
Baugewerbe hätten dagegen die staatlichen Konjunkturhilfen viele Betriebe
gerettet, so dass die Pleiten nur leicht (plus 2,6 Prozent) stiegen.
WESTEN STÄRKER GETROFFEN ALS OST
Die Krise habe die Firmen im Westen stärker getroffen als in Ostdeutschland.
Im Westen stiegen die Firmenpleiten um 16,5 Prozent, im Osten nur um 13,8
Prozent. Grund dafür sei die größere Bedeutung und Exportorientierung des
verarbeitenden Gewerbes in den alten Bundesländern, das besonders gelitten
hatte.
Als Folge der steigenden Arbeitslosigkeit werden laut Creditreform 2010 auch
wieder mehr Verbraucher ihre Privatinsolvenz erklären. Bis zu 138.000
Privatleute werden laut Experten zum Insolvenzgericht gehen, um sich ihrer
Schulden zu entledigen. Das wären deutlich mehr als 2009 mit 98.800
Verbraucherpleiten, als die Zahl stagnierte. Mehr als sechs Millionen Deutsche
sind laut Creditreform überschuldet. Die Verbraucherinsolvenzen entwickeln sich
erfahrungsgemäß parallel zu den Arbeitslosenzahlen./mt/DP/jha
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