20:47 | 02.09.2010
‘SZ’: Umweltministerium rügt Atomgutachten
BERLIN (dpa-AFX) – Das Bundesumweltministerium sieht nach Informationen der
“Süddeutschen Zeitung” haarsträubende Fehler in dem Atomenergiegutachten, auf
das die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre Forderung nach längeren Laufzeiten
der Kernkraftwerke stützt. Eine interne Einschätzung des Ministeriums werfe den
Autoren sogar Manipulation vor, schreibt die Zeitung (Freitag).
So sollen die Kosten des Klimaschutzes für die privaten Haushalte mit fast
2000 Euro pro Jahr durch höhere Mieten und Verkehrskosten viel zu hoch angesetzt
sein. Dem Umweltministerium zufolge seien Extremfälle “offensichtlich bewusst
ausgewählt worden”, um “Klimaschutz und Umstrukturierung der Energieversorgung
zu diskreditieren”. Zudem hätten die Gutachter trotz anderslautenden Auftrags
nur die Kosten und nicht die Nutzen einer ambitionierten Klimapolitik
betrachtet. Wegen fragwürdiger Annahmen zur Strompreisbildung schnitten
Szenarien mit langen Laufzeiten der Kernkraftwerke besser ab.
Die Konzerne Eon , RWE , EnBW und Vattenfall
müssen dem Bericht zufolge mit einer neuen Kernbrennstoffsteuer von 220 Euro je
Gramm Uran oder Plutonium rechnen. Damit sollen pro Jahr 2,3 Milliarden Euro in
die Staatskasse fließen. Allerdings solle die Erhebung der Steuer befristet
werden. Die Koalitionsspitzen wollen nach dpa- Informationen am Sonntag den
Streit um längere Laufzeiten der Kernkraftwerke beilegen. Im Gespräch ist ein
Zeitraum von 10 bis 15 Jahren. Dabei soll auch geklärt werden, wie viel die
Stromkonzerne für längere Laufzeiten bezahlen müssen./hn/DP/tw
|