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11:52 | 24.08.2010
WDH/ROUNDUP: Deutsche Wirtschaft boomt dank Export

WIESBADEN (dpa-AFX) – Die deutsche Wirtschaft boomt dank starker Nachfrage
aus dem Ausland. Vor allem ein kräftiges Plus bei den Exporten ließ die
Konjunktur im zweiten Vierteljahr 2010 im Rekordtempo anziehen, wie das
Statistische Bundesamt am Dienstag erklärte. Im Vergleich zum Vorquartal legte
das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von April bis Ende Juni real um 2,2 Prozent zu
und damit so stark wie nie seit der Wiedervereinigung. Damit bestätigte die
Wiesbadener Behörde ihre erste Berechnung von Mitte August.

Volkswirte halten den Aufschwung nach dem tiefen Absturz im Krisenjahr 2009
für stabiler als erwartet. Denn nicht nur der Export stützt, sondern auch
Investitionen und Konsum erholen sich zunehmend. Reihenweise erhöhen Ökonomen
ihre Wachstumsprognosen für das Gesamtjahr. Das Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW) rechnet nun mit mehr als 3 (bisher 1,9) Prozent
Wachstum. Die Bundesbank hatte ihre Prognose kürzlich von knapp 2 Prozent auf
rund 3 Prozent angehoben, die Deutsche Bank erwartet gar 3,5 Prozent.

“Die Erholung hat die deutschen Wirtschaft in ihrer vollen Breite erfasst.
Sowohl die Industrie als auch der Dienstleistungssektor befinden sich wieder im
Aufwind”, kommentierte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die
jüngsten Daten. Das Vertrauen von Konsumenten und Investoren sei zurückgekehrt.

Doch die nächsten Dämpfer sind nach Ansicht von Experten absehbar: In den
USA stottert der Konjunkturmotor bereits wieder, in China droht eine Überhitzung
des Immobilienmarktes. Im Euro-Raum haben viele Staaten mit Schuldenbergen zu
kämpfen, die in der Krise noch gigantischer wurden. In der Summe erwarten
Ökonomen dadurch Rückschläge für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

DIW-Präsident Klaus Zimmermann sagte “Handelsblatt Online”, er rechne für
die zweite Jahreshälfte mit “einer deutlichen Abschwächung” des
Wirtschaftswachstums. Wolfgang Franz, Vorsitzender des Sachverständigenrates,
zeigte sich im “Handelsblatt” (Dienstag) überzeugt: “Die jetzige Dynamik wird
die deutsche Wirtschaft nicht für längere Zeit beibehalten können.” Es werde
nicht gelingen, sich auf Dauer etwa von der US-Konjunktur abzukoppeln.

Im zweiten Quartal profitierte Deutschland noch deutlich vom Anziehen der
weltweiten Nachfrage nach Waren “Made in Germany”. Treiber für das Wachstum
waren neben dem Außenhandel (Exporte plus 8,2 Prozent) auch die Investitionen.
Sowohl in Ausrüstungen (plus 4,4 Prozent) als auch in Bauten (plus 5,2 Prozent)
flossen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes deutlich mehr Mittel als im
Vorquartal. Die privaten Konsumausgaben waren um 0,6 Prozent höher als in den
ersten drei Monaten dieses Jahres.

Die Investitionen von Staat und Unternehmen in Maschinen, Anlagen und
Fahrzeuge – die sogenannten Ausrüstungsinvestitionen – bewegen sich noch auf
relativ niedrigem Niveau. Der Anstieg der Bauinvestitionen erklärt sich zum Teil
damit, dass viele Projekte wegen des strengen Winters verschoben worden waren.

Dennoch: Nach der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte mit einem
Minus von 4,7 Prozent wuchs die deutsche Wirtschaftsleistung im zweiten
Vierteljahr 2010 im fünften Quartal in Folge. Auf Jahressicht stieg das BIP
preisbereinigt um 4,1 Prozent./ben/hqs/DP/jkr


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