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13:24 | 29.07.2013
WDH/ROUNDUP: Löscher fügt sich in seinen Rauswurf bei Siemens

MÜNCHEN (dpa-AFX) – Der erzwungene Abgang von Siemens -Chef Peter
Löscher wird an den Börsen mit einigem Wohlwollen aufgenommen. Abseits des
Dramas um den Rauswurf erholte sich am Montag der Aktienkurs des Münchner
Industriegiganten ein Stück vom Schock der Gewinnwarnung, die am vergangenen
Donnerstag das vorzeitige Ende der Karriere Löschers bei Siemens eingeläutet
hatte.

Der Aufsichtsrat des Dax -Konzerns hatte sich am Wochenende nach
langen Beratungen auf die vorzeitige Ablösung des Österreichers geeinigt und die
für diesen Mittwoch geplante Abwahl in einer knappen Pflichtmitteilung
verbreitet. Aus gut informierten Kreisen wurde berichtet, dass Finanzvorstand
Joe Kaeser Löschers Nachfolge an der Siemens-Spitze übernehmen soll. Der Konzern
schweigt dazu.

MERKEL: ENDE DER TURBULENZEN

Die Schockwellen des Führungsdramas erreichten auch Berlin. Kanzlerin Angela
Merkel (CDU) wünscht sich ein Ende der Turbulenzen. Aus Sicht der Kanzlerin sei
Siemens ein Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, sagte der stellvertretende
Regierungssprecher Georg Streiter am Montag. “Deshalb ist es ihr wichtig, dass
dieses Weltunternehmen wieder in ruhiges Fahrwasser gerät.”

Löscher galt in den vergangenen Jahren als wichtiger Berater Merkels. Sie
habe den Manager, seine Arbeit und seine Fachkompetenz immer sehr geschätzt:
“Sie erinnert sich auch besonders an sein großes Engagement als Vorsitzender des
Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft”, sagte der Sprecher.

Einem Bericht der “Süddeutschen Zeitung” (Montag) zufolge wehrt sich Löscher
gegen seinen Abschied. Er werde nur dann nachgeben und seinen Posten räumen,
wenn auch Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zurücktrete. Ansonsten wolle er es
auf eine Kampfabstimmung in der Sitzung des Aufsichtsrats ankommen lassen.
Löscher mache für seinen Rauswurf vor allem Cromme verantwortlich und beklage
ein Komplott.

LÖSCHER DEMENTIERT CROMME-FORDERUNG

Doch Löscher selbst dementierte den Bericht am Montag. “Es geht mir
ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370 000 Siemensianer, die zurecht
stolz auf ihr Unternehmen sind”, sagte Löscher der “Bild”-Zeitung (Dienstag).
Ein Siemens-Sprecher erklärte, es stimme nicht, dass Löscher seinen
Vorstandsposten nur dann räumen wolle, wenn zugleich auch Cromme das
Kontrollgremium verlasse.

Spätestens seit der Pflichtmitteilung vom Wochenende ist ohnehin klar, dass
die Mehrheit für die Ablösung Löschers als sicher gelten kann. Der Aufsichtsrat,
in dem je zehn Vertreter der Anteilseigner und zehn Vertreter der
Arbeitnehmerseite sitzen, wird am Mittwoch, einen Tag vor Bekanntgabe der
Quartalszahlen, über den Rauswurf entscheiden – und einen Nachfolger bestimmen.

ANALYST: KAESER LOGISCHER NACHFOLGER

Zwar ist Finanzvorstand Kaeser bislang nicht offiziell dafür auserkoren
worden, die Aktienmärkte vergaben am Montag allerdings bereits
Vorschusslorbeeren für den mutmaßlichen neuen Boss. Für Commerzbank
-Analyst Ingo-Martin Schachel ist Kaeser der “logische Nachfolger”.
Auch andere Branchenexperten zeigten sich mit der vermutlichen Wahl des neuen
Siemens-Chefs zufrieden.

Wunder erwartet sich die Börse von Kaeser allerdings nicht, denn die
Baustellen des Konzerns blieben erhalten. Kaeser habe zwar die starke
Unterstützung der Finanzmärkte, schreibt etwa die Bank JP Morgan. Er werde es
dennoch schwer haben, die hohen Erwartungen des Marktes zu erfüllen – denn auch
Kaeser habe weiter mit den Problemen zu kämpfen, die zu der Gewinnwarnung am
Donnerstag führten. Der Kurs der Siemens-Aktie war danach zeitweise auf unter 78
Euro eingebrochen. Am Montag notierte das Papier am Mittag bei knapp unter 80
Euro.

Löscher war nach zahlreichen Misserfolgen bei Deutschlands größtem
Elektrokonzern zunehmend in Bedrängnis geraten. Höhepunkt der Pannen-Serie war
die zweite Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten am Donnerstag./sbr/DP/stk


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