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15:00 | 12.10.2008
Welt demonstriert Geschlossenheit in Finanzkrise – Euro-Gipfel

WASHINGTON (dpa-AFX) – Vor dem Euro-Gipfel zur Finanzkrise hat die
Staatengemeinschaft demonstrativ Geschlossenheit signalisiert, um der weltweiten
Turbulenzen rasch Herr zu werden. Alle 185 Mitgliedsländer des internationalen
Währungsfonds IWF stellten sich am Samstag (Ortszeit) ausdrücklich hinter den
Aktionsplan der sieben führenden Industriestaaten (G7). Auch aufstrebende
Wirtschaftsgiganten wie China, Indien und Brasilien versicherten nach einer
Sondersitzung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), dass sie
eine aktive Rolle bei der Stabilisierung der Märkte spielen wollen.

“Die erste Koordinierung zwischen Industrieländern und dem Rest der Welt ist
auf die Schiene gebracht”, sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn zum
Schulterschluss der Mitgliedsländer des Fonds. Er sei zuversichtlich, dass
bereits “in den nächsten Tagen” die Märkte positiv reagieren werden und der
derzeit zum Stillstand gekommene Kreditmarkt wieder in Schwung komme. Die
Staats-und Regierungschefs der 15 Euro-Länder wollen am Sonntagabend in Paris
mögliche Auswege aus der Krise erörtern. Auch das geplante deutsche
Rettungspaket soll in der Spitzenrunde beraten werden. Es sieht weitere
Milliarden-Finanzspritzen für den deutschen Finanzsektor vor.

IWF WILL ALLEN MITGLIEDSLÄNDERN ‘SCHNELL UND SUBSTANZIELL’ HELFEN

Der IWF zeigte zugleich Bereitschaft, allen seinen Mitgliedsländern, also
auch Deutschland, “schnell und substanziell” zu helfen, um finanzielle Engpässe
zu überwinden. “Wir stehen bereit, allen zu helfen, die Unterstützung anfragen”,
sagte Strauss-Kahn. “Wir haben eine Menge Ressourcen, die zur Verfügung stehen.”
Der Fonds wolle überdies eine führende Rolle bei der Analyse der Ursachen der
Finanzkrise übernehmen und Empfehlungen zur Wiederherstellung von Vertrauen und
Stabilität abgeben, hieß es in der IMFC-Erklärung weiter. Damit solle sofort
begonnen werden.

Die G20 erklärten nach ihrer Sitzung, an der zum ersten Mal auch
US-Präsident George W. Bush teilnahm, dass die Finanzkrise gemeinsam gelöst
werden müsse. Der amtierende G20-Vorsitzende, der brasilianische Finanzminister
Guido Mantega, kündigte zugleich an, dass die Ländergruppe künftig eine aktivere
Rolle spielen wolle. Zugleich verwies er darauf, dass wichtige, aufstrebende
Volkswirtschaften dank eines hohen Wirtschaftswachstums in der aktuellen Krise
ein stabilisierender Faktor seien. “Schwellenländer müssen nicht dieselben
Maßnahmen ergreifen wie die USA oder Großbritannien”, sagte Mantega.

IWF-CHEF SETZT AUF POSITIVE REAKTION DER MÄRKTE AUF BEKENNTNIS

“Die Unterstützung der gesamten Finanz-Weltgemeinschaft (für den G7-Plan)
ist eine entscheidende Komponente, um Vertrauen wiederherzustellen”, sagte der
Vorsitzende des Lenkungsausschusses, Youssef Boutros-Ghali. “Das ist keine
Kleinigkeit.” Strauss-Kahn unterstrich, dass es jedem Land frei stehe, auf seine
Weise und mit seinen Mitteln die Punkte des Aktionsplans umzusetzen. Der
IWF-Chef zeigte sich überzeugt, dass die Märkte positiv auf das Bekenntnis der
Weltgemeinschaft zu dem Plan reagieren. Wichtigstes Problem sei derzeit die
Finanzausstattung der Banken.

In ihrem Aktionsplan hatten sich die G7-Länder USA, Japan, Deutschland,
Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien am Freitag vor der Jahrestagung
von IWF und Weltbank unter anderem darauf verständigt, wichtige
Finanzinstitutionen vor dem Zusammenbruch zu retten. Dazu wollen die führenden
Industrienationen “alle notwendigen Schritte” unternehmen, um die
zusammengebrochenen Kreditmärkte wiederzubeleben. Auch sollen Banken aus
privater und staatlicher Quelle mit ausreichend Mitteln versorgt werden, um das
Vertrauen in das Finanzsystem wiederherzustellen./fb/sl/DP/he


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