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15:12 | 03.12.2010
Wirtschaftsweiser: Euro-Rettung als gutes Geschäft

MANNHEIM (dpa-AFX) – Die Euro-Stützung kann sich für Deutschland als gutes
Geschäft erweisen. Die Bürgschaften und Garantien für Irland seien mit hohen
Zinsen verknüpft, sagte der Wirtschaftsweise und Präsident des Zentrums für
Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, in einem am Freitag
veröffentlichten Interview mit dem “Mannheimer Morgen”. “Wenn alles gut läuft,
verdient der deutsche Staat sogar an der Rettung.” Auch risikofreudige Sparer
erfreuten sich an den hohen Zinsen der Krisen-Länder.

Die Steuerzahler würden nur zur Kasse gebeten, wenn sich Irland nicht
erhole. Dem Land gehe es eigentlich nicht schlecht, sagte Franz. “Das
Pro-Kopf-Einkommen ist höher als das deutsche, und die dortigen
Unternehmenssteuern sind niedrig.” Seine Krise sei vor allem den Banken
zuzuschreiben.

Die europäischen Staaten müssten allerdings für künftige Krisenfälle
vorbauen. Eine Verlängerung der bestehenden Rettungsmaßnahmen über das Jahr 2013
hinaus lehnte Franz ab. Stattdessen “muss der Stabilitäts- und Wachstumspakt
wieder entscheidend gehärtet werden”. Dazu zählt der Wirtschaftsfachmann die
Einführung von Sanktionen, die bei Fehlverhalten auch wirklich verhängt werden.
Außerdem müssten die Staaten ein Krisenmanagement erarbeiten, in das private
Gläubiger einbezogen werden könnten.

Nachbesserungsbedarf sieht Franz auch bei der Bankenaufsicht. Sie seien in
der Vergangenheit zum Teil unverantwortliche Risiken eingegangen und hätten
dadurch einige Staaten erst in Schieflage gebracht. Sie müssten künftig mehr
Eigenkapital bilden. “Der Staat darf nicht länger in Geiselhaft systemrelevanter
Banken genommen werden können.”

Der ZEW-Chef sieht gute Chancen, dass sich die Krisenländer in den kommenden
Jahren erholen, “ohne dass der deutsche Steuerzahler bluten muss”. Allerdings
müsse man den Ländern Zeit dafür einräumen. “Mit zu harten Auflagen gleiten sie
erst recht in eine Rezession, und dann können sie die Kredite kaum
zurückzahlen.”/sew/DP/jsl


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