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17:21 | 17.09.2010
WOCHENAUSBLICK: Aktienmärkte weiter ohne klare Richtung

FRANKFURT (dpa-AFX) – Die deutschen Aktienanleger werden wohl auch in der
neuen Woche Geduld benötigen. Eine klare Richtungsentscheidung von Dax
& Co lässt nach Einschätzung von Experten weiter auf sich warten, da
Unternehmensnachrichten Mangelware bleiben dürften und die Signale seitens der
Konjunktur zuletzt uneinheitlich ausgefallen seien.

LBB SIEHT DAX VOR CHARTTECHNISCHER BARRIERE

Der deutsche Leitindex und sein europäisches Pendant EuroStoxx 50
“dürften es zunächst schwer haben, die charttechnischen Barrieren bei 6.387
beziehungsweise 2.850 Punkten nachhaltig zu überwinden”, heißt es in einem
Kommentar der Landesbank Berlin (LBB). “Die Bedenken hinsichtlich der
US-Wirtschaftsentwicklung sind zwar kleiner geworden, aber keinesfalls vom
Tisch.” Die jüngsten Daten aus der weltgrößten Volkswirtschaft seien nur
gemischt ausgefallen. Dazu kämen die zuletzt stagnierende Industrieproduktion in
der Eurozone und in Deutschland die unerwartet stark gesunkenen
Konjunkturerwartungen des Mannheimer Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW).

Zudem schwele im Hintergrund die europäische Solvenzkrise weiter, was sich
an den hohen Renditen auf Staatsanleihen aus den EU-Randstaaten ablesen lasse.
Vor dem Wochenende waren die Risikoaufschläge irischer Staatsanleihen angesichts
der anhaltenden Probleme im irischen Bankensektor auf den höchsten Stand seit
der Einführung des Euro geklettert. Doch immerhin hätten Italien, Spanien und
Griechenland ihre jüngsten Anleihetransaktionen ohne Probleme platzieren können,
betonte die LBB-Experten. Alles sehe nach einer Fortsetzung der Konsolidierung
in den kommenden Wochen aus. Für einen nachhaltig steigenden Aktienmarkt “werden
starke Impulse benötigt, die speziell vom Sorgenkind US-Konjunktur oder der
Schuldenkrise kommen könnten.”

WEBERBANK: RISIKOAPPETIT STÜTZT AKTIEN

Analyst Sören Wiedau von der Weberbank sieht die Börsen durch den wachsenden
Risikoappetit der Anleger gestützt. Entscheidender Stimmungsfaktor blieben
allerdings die Wirtschaftsdaten. “Obwohl wir ein nochmaliges Abgleiten in eine
Rezession für wenig wahrscheinlich halten, sind wir dennoch der Ansicht, dass
diesbezügliche Ängste den Aktienmarkt in den kommenden Monaten unter Druck
setzen werden.” Die attraktive Bewertung dürfte allerdings einen starken
Abschwung verhindern, so dass es schon bald zu einem Test der bisherigen
Jahreshochs kommen könnte. Mittelfristig sieht Wiedau den Dax aber weiter in der
Spanne zwischen 5.600 und 6.400 Punkten gefangen, aus der er seit Ende Mai
ungeachtet heftiger Ausschläge den Ausbruch nicht geschafft hat.

Die wichtigste Unternehmensnachricht in der kommenden Woche ist laut
Marktanalyst Klaus Stabel von der ICF Kursmakler AG die Kapitalerhöhung der
Deutschen Bank als “die zweitgrößte Kapitalmaßnahme in der deutschen
Nachkriegsgeschichte”. Dass auch andere Unternehmen wie Sky Deutschland
und Heidelberger Druck neues Geld einsammeln, “spricht
generell für eine zunehmende Risikobereitschaft der Finanzakteure”. Dazu passe,
dass die bereits an Hochtief beteiligte spanische Baugesellschaft ACS
die Mehrheit am deutschen Konkurrenten übernehmen will. In
der abermals angehobenen Produktionsprognose des Maschinenbauverbands VDMA werde
zudem ein aufgehelltes Konjunkturbild sichtbar, und auf der Branchenmesse IAA
Nutzfahrzeuge dürften auch die Lastwagenhersteller “einen Gang hoch schalten
können”.

AXEL SPRINGER ERSETZT BAUER IM MDAX

Einige Aktien sollten zudem mit der neuen Zusammensetzung wichtiger Indizes
in den Blickpunkt rücken, so Stabel weiter. Im MDax ersetzt Axel
Springer Bauer und im TecDax muss Medigene
seinen Platz für Adva Optical Networking räumen. Das
Dax-Unternehmen BMW muss den EuroStoxx 50 verlassen und die Titel von
RWE fallen aus dem Stoxx 50 heraus.

Auf der Konjunkturagenda stehen neben den europäischen
Einkaufsmanagerindizes (Dienstag) und dem ifo-Geschäftsklima (Freitag) vor allem
Aussagen der US-Notenbank Fed am Dienstagabend. Auch Daten zum
US-Immobilienmarkt könnten die Stimmung am Aktienmarkt beeinflussen./gl/she

— Von Gerold Löhle, dpa-AFX —


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