EMERGING MARKETS |
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15:42 | 06.02.2012
Aktien kaufen – bei derart hohen Risiken?
Lieber Geldanleger, mein Kollege Florian Schulz vom Emerging-Markets-Trader hat in der Vergangenheit ein tolles Gespür bei Marktprognosen bewiesen und insgesamt zwölfmal den Investitionsgrad vor crashartigen Verlusten am Gesamtmarkt rechtzeitig nach unten gefahren. Doch Schulz ist kein Crash-Prophet, sondern ein präziser Analytiker – und für 2012 sieht er sogar große Chancen, speziell in den Emerging Markets, seinem Spezialgebiet. Geldanlage-Report: Florian, die Euro-Krise schwelt weiter, die europäischen Banken wackeln und es drohen Kreditverknappungen. Sind die Risiken zum aktuellen Zeitpunkt nicht zu hoch, um sich am Aktienmarkt zu engagieren? Wenn der Iran dann im Extremfall von Israel angegriffen wird, und im Gegenzug die Straße von Hormus blockiert, dann besteht die Wahrscheinlichkeit, dass der Ölpreis auf 200 Dollar pro Barrel klettert. Länder wie Syrien und Ägypten sind ebenfalls Pulverfässer und auch die Lage in Turkmenistan und Kasachstan destabilisiert sich. Daneben wissen wir auch noch nicht, was wir von Nordkoreas neuem Diktator Kim Jong-un zu erwarten haben. Geldanlage-Report: Im Gegenzug wird aber auch in den Vereinigten Staaten gewählt, und US-Wahljahre sind ja eigentlich immer gute Börsenjahre!? Florian Schulz: Das ist für mich diesmal kein Argument. Normalerweise vermitteln die US-Präsidentschaftskandidaten im Wahlkampf Zuversicht, und kündigen Zukunftsinitiativen an. Diesmal geht es aber – insbesondere auf republikanischer Seite – fast nur um Zumutungen und radikale Sparanstrengungen, was keinen Börsianer inspirieren dürfte. Außerdem könnte in der heißen Wahlkampfphase nochmals der Streit um die Schuldenobergrenze eskalieren, dann müssten die Börsen erneut die Furcht vor einem bewusst herbeigeführten Staatsbankrott durchleben. Geldanlage-Report: Das sind ja nicht gerade rosige Aussichten. Und dennoch denkst Du, dass 2012 ein gutes Börsenjahr wird? Anschließend klettern die Kurse dann Stück für Stück an einer „Wand aus Sorgen“ empor. Hinzu kommt, dass der Markt regelrecht mit US-Dollar-Liquidität geflutet wird. Geldanlage-Report: Aber wird diese Liquidität dann auch wieder zurück in die Emerging Markets fließen, wie Du prognostizierst? Daneben hat sowohl im öffentlichen als auch im privaten Sektor dort in den vergangenen Jahren eine deutliche Entschuldung stattgefunden. Und auch der Bankensektor ist in den Emerging Markets viel gesünder als im Westen. Dementsprechend ist dort auch genug Spielraum vorhanden, um weiterhin das Binnenwachstum der Zukunft zu finanzieren. Geldanlage-Report: Wie sieht es mit den Bewertungen an den Schwellenländer-Börsen aus? Florian Schulz: Zusammen mit dem Gewinnwachstum der Unternehmen, das weiterhin überdurchschnittlich bleiben wird, sind die niedrigen Bewertungen das eigentliche Argument für eine deutliche Erholung. Nehmen wir etwa die Börsen China und Russland. Dort sind Aktien momentan 40 Prozent günstiger bewertet als im langjährigen Durchschnitt, und zwar sowohl nach KBV als auch nach KGV. (Die Graphik unten zeigt ein KGV von 10,6 für EM-Länder ggü. dem langjährigen Durchschnitt von 14,9!)
Dabei liegen die Anleihen-Renditen und Marktzinsen so tief wie selten zuvor und in Niedrigzins-Zeiten wird Aktien normalerweise ein weit überdurchschnittliches Bewertungsniveau zugestanden. Geldanlage-Report: Speziell in China befürchten viele Beobachter demnächst aber einen schweren Wirtschaftsabschwung!? Florian Schulz: Eine solche „harte Landung“ kann nicht ausgeschlossen werden; denn die Investitionsquote Chinas ist viel zu hoch und den Banken stehen aufgrund der ausgesprochen starken Kreditexpansion in den vergangenen Jahren enorme Kreditausfälle bevor. In meinem Basisszenario erwarte ich in 2012 aber kein Hard Landing. Die chinesische Schuldenkrise beschränkt sich hauptsächlich auf die Lokalregierungen, und Peking verfügt über genug Finanzmittel, um die Provinzen zu unterstützen bzw. die Banken in einem Krisenszenario neu zu kapitalisieren. Da die Fiskaleinnahmen in den ersten 10 Monaten von 2011 um satte 28,1 Prozent auf über 9 Bio. CNY (1,4 Bio. USD!) gestiegen sind, rechne ich in 2012 sogar mit konjunkturbelebenden Steuersenkungen! Geldanlage-Report: Es wird in der Wirtschaftspresse von dramatisch fallenden Immobilienpreise in China berichtet. Könnte hier nicht ein ähnliches Desaster wie in den USA oder Spanien drohen? Florian Schulz: Nein, das denke ich nicht. Wohnungskäufe in China basieren viel weniger auf Hypothekenkrediten als im Westen. Nur 10 Prozent der chinesischen Haushalte haben überhaupt einen Immobilienkredit aufgenommen, die Eigenkapitalanforderungen für Hypothekenkreditnehmer sind enorm und der Großteil der Hypothekenkredite wurde vor 2009 aufgenommen, als die Immobilienpreise noch deutlich tiefer lagen. Selbst nach einem landesweiten Preiseinbruch von über 20 Prozent wird es daher kaum Fälle geben, in denen das Volumen eines Hypothekenkredits den Wert einer Immobilie übersteigt. Den boomenden chinesischen Konsum werden fallende Immobilienpreise entsprechend kaum beinträchtigen. An die jüngst veröffentlichten Wachstumsraten von 17 Prozent dürfen sich chinesische Einzelhändler also gewöhnen. Geldanlage-Report: Also empfiehlst Du unterm Strich, die Sorgen erst mal beiseite zu lassen, und kräftig in den Emerging Markets zu investieren? Florian Schulz: Ich bin in den Emerging Markets aktuell ganz klar „Long“ ausgerichtet, denn solch attraktive Preisniveaus werden Anlegern sehr selten geboten und irgendwann im Laufe des Jahres dürfte sich das wirtschaftliche Umfeld wieder stabilisieren. Da die Börsen der Realwirtschaft in der Regel sechs Monate voraus sind würde ich Investitionen auch nicht zu lange hinauszögern. Anleger sollten aber nach dem sehr starken Start in 2012 nicht zu euphorisch werden. Die Risiken, die ich anfangs genannt habe, kann man nicht wegargumentieren. Es ist sinnvoll, noch etwas Pulver trocken zu halten, um im Fall eines Super-GAUs in Europa oder im Iran handlungsfähig zu bleiben. Geldanlage-Report: Herzlichen Dank für das interessante Interview, Florian. Florian Schulz: Ich bedanke mich. Viele Grüße und gute Trades an die Geldanlage-Report-Leser! Als kleines Dankeschön finden Sie als Geldanlage-Report-Leser unter folgendem Link den EMT-Jahresausblick 2012 kostenlos: http://www.geldanlage-report.de/EMT_Jahresausblick_2012.pdf |
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