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16:02 | 24.06.2019
Angebot für die Metro: Geht da noch mehr?

Der Markt feiert am Montag eine Übernahmeofferte für den Handelskonzern Metro. Einige Anleger setzen wohl sogar darauf, dass Großaktionär EP Global Commerce sein Angebot an die übrigen Anteilseigner noch aufstocken wird. Denn die Metro-Führung sprach von einer erheblichen Unterbewertung und riet ihnen, zunächst von einem Verkauf ihrer Papiere abzusehen. Ob die Hoffnung auf einen höheren Preis gerechtfertigt ist, darüber gehen die Analysteneinschätzungen allerdings auseinander.

Die Metro-Stammaktie, die im MDax notiert ist, legte zu Handelsbeginn bis auf 16,35 Euro zu und war damit so viel wert wie zuletzt im Februar 2018. Am Mittag stand noch ein Plus von über 3 Prozent auf 16,035 Euro zu Buche. Die in keinem wichtigen Index gelisteten Vorzugsaktie behaupteten nach einem Anstieg bis auf 14,50 Euro einen Wertzuwachs von fast zehneinhalb Prozent auf 14,35 Euro. Damit notierten die beiden Papiere knapp beziehungsweise deutlich über dem Angebot von EP.

Dagegen büßten die Ceconomy-Papiere rund zwei Prozent ein. Der Elektrohändler steigt wegen der angestrebten Metro-Übernahme weitgehend bei dem Handelskonzern aus.

Die Holdinggesellschaft des tschechischen Geschäftsmanns Daniel Kretinsky und seines slowakischen Kompagnon Patrik Tkac will Metro komplett übernehmen. Sie hatte am Freitag nach Börsenschluss eine entsprechende Offerte vorgelegt. EP hält bereits knapp elf Prozent und hat sich über Aktienkäufe und Kaufoptionen den Zugriff auf mehr als 30 Prozent der Metro-Anteile gesichert. EP hat nach eigenen Angaben die “volle Unterstützung des Hauptaktionärs Haniel”, der 15,2 Prozent hält. Großaktionäre sind außerdem die Meridian Stiftung (14,19 Prozent) und die Beisheim Holding (6,56 Prozent). Im Streubesitz befinden sich nach Metro-Angaben 46,76 Prozent.

„Offerte reflektiert Wertschöpfungsplan nicht“

EP bietet je Stammaktie 16 Euro und je Vorzugsaktie 13,80 Euro. Das entspreche einem Eigenkapitalwert von 5,8 Milliarden Euro. Die Metro-Führung verwies darauf, dass der Preis je Stammaktie eine knapp dreiprozentige Prämie auf den Schlusskurs vom Freitag beinhaltet. Der Vorstand sei überzeugt, dass die Offerte “das Unternehmen erheblich unterbewertet und dessen Wertschöpfungsplan nicht reflektiert”. Vorstand und Aufsichtsrat würden das Angebot sorgfältig bewerten und nach Vorlage der Unterlagen zu der Offerte ausführlich Stellung nehmen.

Dieser Einschätzung schlossen sich mehrere Experten an. Ein Börsenhändler konstatierte eine nur mickrige Prämie für die Minderheitsaktionäre. Er hält eine Aufstockung der Offerte für möglich. Die langsamen Fortschritte im Russlandgeschäft und der stockende Verkauf der Supermarkttochter Real hätten eine günstige Situation für den Einstieg aktivistischer Aktionäre geschaffen, so Cedric Decasble von Mainfirst. Der geringe Bewertungsaufschlag sei indes der beste Verbündete des Managements. Die Anleger sollten ihre Papiere erst einmal halten und auf einen höheren Preis setzen.

Auch James Grzinic vom Analysehaus Jefferies rät den Anlegern zur Geduld. Allerdings müsse die Unternehmensführung nun für mehr Klarheit hinsichtlich langfristiger Werttreiber sorgen, so seine Forderung. Er verweist auf den geplanten Verkauf von Real sowie des China-Geschäfts.

Meinungen der Analysten gehen auseinander

Andere Analysten halten eine höhere Übernahmeprämie allerdings für unrealistisch und raten den Minderheitsaktionären, das aktuelle Angebot anzunehmen. Es falle ihm schwer, angesichts sich verschlechternder Fundamentaldaten die derzeitige Bewertung an der Börse nachzuvollziehen, schrieb etwa Borja Olcese von der US-Bank JPMorgan. Die Aktie habe sich um 50 Prozent von den Tiefständen des vergangenen Jahres erholt. Sie preise schon das bestmögliche Szenario ein, in dem EP eine Prämie auf den aktuellen Kurs zahle und für Real sowie das China-Geschäft gute Preise erzielt würden. An beidem habe er Zweifel, und die aktuelle Offerte beinhalte bereits eine gut zehnprozentige Prämie auf die Branchenbewertung.

Volker Bosse von der Baader Bank glaubt ebenfalls eher nicht, dass Metro für Real einen profitablen Preis erzielen wird. Auch angesichts strategischer Herausforderungen in Russland und auf dem heimischen Markt rät er den Minderheitsaktionären, die EP-Offerte zu akzeptieren. Diese sei mit Blick auf die Lage in Russland und des möglicherweise zunehmenden Margendrucks attraktiv, assistierte Maxime Mallet von der Deutschen Bank.

Der Familienkonzern Haniel hatte im Frühjahr 2018 die Weichen für den Ausstieg aus dem Metro-Engagement eingeleitet. Dieses hatte Haniel in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste beschert. Haniel war in den 60er Jahren bei Metro eingestiegen und hatte seitdem die Geschicke des Konzerns wesentlich mitbestimmt. Im letzten Quartal hatten Abschreibungen auf Real Metro tief ins Minus gedrückt. Metro will diese zwar loswerden und spricht exklusiv mit einem Konsortium um den Hamburger Immobilienkonzern Redos. Aber bis jetzt gibt es noch keinen Verkaufsvertrag. (dpa-AFX / Eig: Ber.)

Foto © Metro


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