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11:10 | 07.03.2018
Deutsche Post kann nicht alle Erwartungen erfüllen

Die Deutsche Post ist weiter im Aufwind und profitiert dabei vor allem vom boomenden Online-Versand und der Sparte DHL Express. Vorstandschef Frank Appel will den operativen Gewinn (Ebit) des Dax-Konzerns im neuen Jahr auf 4,15 Milliarden Euro steigern. Zum Ende des Jahrzehnts soll er – auch dank einer veränderten Rechnungslegung – die Marke von 5 Milliarden Euro knacken, wie der Logistikkonzern am Mittwoch in Bonn mitteilte.

Weil es schon 2017 deutlich aufwärts ging, winkt den Aktionären eine um 10 Cent auf 1,15 Euro erhöhte Dividende je Aktie. Am Finanzmarkt wurden die Nachrichten jedoch mit Enttäuschung aufgenommen. Zum Handelsauftakt ging es für die Post-Aktie in einem insgesamt schwächeren Markt um 1,5 Prozent nach unten, nachdem sie bereits im bisherigen Jahresverlauf im Zuge der allgemeinen Börsenturbulenzen bereits fast 8 Prozent an Wert verloren hatten.

Zwar liege die Ebit-Prognose des Logistikkonzerns leicht über der Konsensschätzung von 4,1 Milliarden Euro, erklärt Joel Spungin von der Berenberg Bank. Sie beinhalte jedoch einen Sonderertrag von 150 Millionen Euro, der in der Konsensprognose nicht vorkomme. Ansonsten deckten sich die Ergebnisse und Prognosen weitgehend mit den Erwartungen.

Mehr als die Hälfte des Nettogewinns wird ausgeschüttet

Im abgelaufenen Jahr steigerte die Post ihren Umsatz um gut fünf Prozent auf 60,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Ebit) legte sogar um sieben Prozent auf 3,74 Milliarden Euro zu. Damit erreichte die Post-Führung knapp ihre eigenen Ziele und die Erwartungen von Analysten. Der Überschuss stieg lediglich um drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Dabei schlug sich die US-Steuerreform negativ nieder: Eine Abschreibung auf steuerliche Verlustvorträge belastete den Post-Gewinn mit 181 Millionen Euro.

Mit der erhöhten Dividende will die Post nun 52 Prozent ihres Nettogewinns an ihre Aktionäre ausschütten. Größter Nutznießer ist der deutsche Staat, der als größter Anteilseigner über die Förderbank KfW zuletzt noch eine Beteiligung von 20,7 Prozent an dem einstigen Staatskonzern hielt.

Unterdessen bescherten vor allem das Geschäft von DHL Express und der Bestellboom im Internet der Post Rekorde. “Allein in Deutschland haben wir im vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Pakete ausgeliefert”, sagte Appel. Die Zahl der zeitkritischen internationalen Sendungen (TDI) von DHL Express legte im Jahresvergleich um 10 Prozent zu – auf 888 000 Stück pro Tag.

Mehr als 5 Mrd. Euro: Ebit-Ziel für 2020 angehoben

Die PeP-Sparte, in der die Post neben dem deutschen Briefgeschäft und dem Paketgeschäft in Deutschland und Europa auch ihre Online-Bereiche wie den E-Postbrief gebündelt hat, konnte ihr Ebit um fast vier Prozent auf 1,5 Milliarden Euro steigern. Bei DHL Express legte das Ebit um zwölf Prozent auf 1,7 Milliarden Euro zu. Während die DHL-Frachtsparte dank wieder anziehender Frachtpreise ihr operatives Ergebnis um mehr als drei Prozent steigerte, warf die DHL-Lieferkettenlogistik infolge einer Abschreibung drei Prozent weniger ab als im Vorjahr.

Bei ihren Plänen für 2018 baut die Post-Spitze vor allem auf die DHL-Sparten. Während der PeP-Bereich seinen operativen Gewinn trotz der angebotenen Gehaltserhöhungen für die Mitarbeiter stabil halten soll, erwartet das Management in den drei DHL-Sparten eine Ebit-Steigerung von 2,6 auf 3 Milliarden Euro. Konzernweit soll das Ebit auf 4,15 Milliarden wachsen – wobei wie jedes Jahr der Verlust der Konzernzentrale belastet. Der starke Ebit-Anstieg im Vergleich zu 2017 liegt allerdings an der neuen Rechnungslegung nach IFRS 16. Er treibt den operativen Gewinn ab 2018 um 150 Millionen Euro nach oben.

Auch bei den Post-Zielen für 2020 wirkt sich dieser Effekt aus. Hatte der Vorstand für das Ende der Dekade bisher ein Ebit von rund 4,9 Milliarden Euro im Auge, sollen es nun mehr als 5 Milliarden Euro sein. “Das ist ein ambitioniertes, aber angesichts unserer Wachstumsdynamik ein realistisches Ziel”, sagte Appel. Analysten halten dies bislang jedoch für unrealistisch. Im Schnitt gingen sie zuletzt von 4,55 Milliarden Euro aus. Selbst mit den 150 Millionen Euro aus der neuen Rechnungslegung liegen sie damit deutlich unter der von Appel ausgegebenen Marke. (dpa-AFX / Eig. Ber.)

Foto © Deutsche Post


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