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14:03 | 11.07.2019
“Ekosem-Agrar hat sich vom mittelständischen Exoten zu einem Global Player mit hervorragenden Zukunftsaussichten entwickelt”

Der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS (WKN A1W5T2) hat sich kürzlich an der Neuemission der 7,50%-Ekosem Agrar-Anleihe mit Laufzeit bis 2024 (WKN A2YNR0) beteiligt. Financial.de sprach mit Hans-Jürgen Friedrich (Foto unten), Vorstand der KFM Deutsche Mittelstand AG, die Initiator des FONDS, ist über das Engagement.

Financial.de: Herr Friedrich, was sind die Gründe dafür, dass der Deutsche Mittelstandsanleihen FONDS in die Ekosem Agrar-Anleihe investiert?

Hans-Jürgen Friedrich: Wir hatten die Ekosem-Agrar schon seit der Emission der ersten Anleihen auf dem Radar. Diese beiden Anleihen haben sich im vergangenen Jahr sehr solide entwickelt, was ein gewachsenes Vertrauen der Investoren signalisierte. Als die Gesellschaft Mitte Juni die Neuemission einer dritten Anleihe angekündigt hat, haben wir uns das Unternehmen noch einmal genauer angesehen und mit dem Management gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass sich die Gesellschaft über die letzten sieben Jahre von einem mittelständischen “Exoten” am Kapitalmarkt zum fünftgrößten Milcherzeuger der Welt entwickelt hat. Das hat uns erst mal sehr beeindruckt.

Financial.de: Aber die reine Größe eines Unternehmens ist noch kein Grund, in die Anleihen zu investieren. Was hat den Ausschlag für das Investment gegeben?

Friedrich: Natürlich ist Größe kein alleiniges Investmentkriterium. Ekosem-Agrar hat sowohl bei der Beurteilung der Bonität als auch bei der Qualität der Anleihe den strengen Prüfungsprozess des KFM Scorings durchlaufen und erfolgreich abgeschnitten. Überzeugt hat die hohe Profitabilität des Geschäfts, das integrierte Geschäftsmodell und die hervorragenden Wachstumsperspektiven nicht nur in Russland – sondern auch in den asiatischen Märkten wie z.B. China, deren “Hunger” nach Milchprodukten stetig steigt und die Russland aufgrund der geographischen Nähe als einen natürlichen Handelspartner im Nahrungsmittelbereich sehen. Hier ist Ekosem-Agrar als einer von zehn akkreditierten Exporteuren der Branche für China bestens positioniert.

FriedrichFinancial.de: Wie beurteilen Sie die hohe Verschuldung des Unternehmens?

Friedrich: Die Finanzverbindlichkeiten sind mit 808 Mio. Euro sicherlich sehr hoch, aber sie sind in Relation zum Cashflow-Potenzial aus der betrieblichen Tätigkeit zu sehen. Der hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert und wird nach unserer Einschätzung auch künftig weiter steigen. Ein weiterer bestimmender Faktor für das aktuell starke Wachstum der Ekosem-Agrar Gruppe sind die staatlichen Investitions-Subventionen. Zu berücksichtigen ist, dass nur ein kleiner Teil dieser Subventionen direkt ergebniswirksam vereinnahmt wird. Der weitaus größere Teil (rund 203 Mio. Euro) werden passivisch angesetzt. Dieser Passivposten besitzt so gesehen quasi “Eigenkapitalcharakter”, so dass sich unter Berücksichtigung dieser bereits gewährten Subventionen (verlorene Zuschüsse sowie künftige Zinssubventionen) eine Eigenkapitalquote von rund 27,8 % errechnet. Damit sehen die Bilanzrelationen schon deutlich besser aus.

Financial.de: Es gibt immer wieder Stimmen, die die Wert- und Bestandsveränderungen in der Erfolgsrechnung als reines Bewertungsthema und nicht cash-relevant kritisieren. Wie sehen Sie das?

Friedrich: Nun, ich denke, man muss sich anschauen, was dahinter steht. Für die neuen Milchviehanlagen und das Wachstum der Herde ist ein ebenso starker Ausbau der Futtervorräte notwendig. Die Kosten, die hierfür notwendig sind, werden in der Erfolgsrechnung gezeigt. Entsprechend muss auch der Wertzuwachs, der durch den Aufbau dieser Vorräte entsteht, gezeigt werden – ansonsten ergibt sich kein sinnvolles Bild mehr. Klar ist, dass dieser Aufbau von Vorratsvermögen die Gruppe Liquidität kostet – aber das ist ein wichtiger Teil des Geschäftsmodells – und im Übrigen global ein Wettbewerbsvorteil gegenüber Milchviehunternehmen, die Futter einkaufen müssen und damit den Preisvolatilitäten von Agrarrohstoffen auch an dieser Stelle ausgesetzt sind.

Financial.de: Der Kupon der neuen Anleihe liegt mit 7,5 % unter denen der bisherigen Ekosem-Agrar Anleihen (ESA I 8,75 %, ESA II 8,5 %). Halten Sie die Reduzierung für angemessen?

HJF: Das muss jeder Investor für sich beurteilen. Für den Deutschen Mittelstandsanleihen Fonds wurde eine detaillierte Analyse vorgenommen, um die Angemessenheit der Konditionen zu prüfen. Dabei sind wir zu einem positiven Ergebnis gekommen. Das Unternehmen ist heute wesentlich besser positioniert als noch vor sieben Jahren und hat mit einer Gesamtfläche von 554.000 Hektar (> 2x Saarland), davon rund 49 % im Eigentum, 24 modernen Milchviehanlagen und einer 150.000 Tiere umfassenden Rinderherde enorme Vermögenswerte aufgebaut. Auch das “Russland-Risiko” sehen wir inzwischen deutlich entspannter. Die wechselseitigen Sanktionen spielen für das Geschäft der Ekosem-Agrar keine wesentliche Rolle, da große Milch-Exporteure (Neuseeland) weiter nach Russland liefern dürfen. Namhafte Supermarktketten wie Globus oder Metro haben sich mit ihren russischen Niederlassungen zu bedeutenden Abnehmern der EkoNiva-Milchprodukte entwickelt. All das zeigt, dass die Ekosem-Gruppe auf einem guten Weg ist, der führende integrierte Hersteller von Milchprodukten in Russland und in naher Zukunft der größte Milcherzeuger der Welt zu werden.

Financial.de: Welches Volumen hat der Fonds bei der Ekosem-Neuemission gezeichnet?

Friedrich: Das Engagement wurde wie oben beschrieben mit dem KFM-Scoring bewertet und gewichtet. Der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds hat Anleihen im Volumen von 5 Mio. Euro gezeichnet. Bei einem Fondsvolumen von knapp 160 Mio. Euro und den positiven Aussichten für das Geschäftsmodell der Ekosem-Agrar ist dieser Betrag auch angemessen. Der Deutsche Mittelstandsanleihen Fonds dürfte mit diesem Investment als einer der Lead-Investoren für die Ekosem-Agrar gelten.


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