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11:40 | 24.01.2012
Q-Cells steht am Abgrund

Der Q-Cells ist in extremer Not. Nach einem Gerichtsurteil zu der im Februar fälligen Wandelschuldverschreibung ist das finanzielle Gerüst für die Sanierung des seit Jahren angeschlagenen Solarkonzerns erst einmal zusammengebrochen. Zugleich hat sich die operative Lage angesichts der Krise in der Branche weiter verschärft.

Zu dem bereits dreistelligen Millionenverlust nach neun Monaten sind neue Abschreibungen hinzugekommen. Das Eigenkapital ist jetzt komplett aufgezehrt. Bei der deswegen anstehenden außerordentlichen Hauptversammlung muss Konzernchef Nedim Cen zusammen mit den Gläubigern einen Ausweg finden. Die Aktie befindet sich im freien Fall und ist heute auf den tiefsten Stand der Unternehmensgeschichte abgestürzt.

Q-Cells gibt die Hoffnung trotzdem nicht auf. „Eine Insolvenz steht im Augenblick nicht zur Diskussion“, sagte Cen in einer eilig einberufenen Telefonkonferenz. In den seit Wochen laufenden Gesprächen mit den Gläubigern habe Konsens darüber geherrscht, dass dies keine Option sei und die Liquiditätslage und der Geschäftsplan alle davon überzeugt habe zusammenzuarbeiten. „Es liegen konkrete Vorschläge auf dem Tisch“, so Cen, der aber keine Details nennen wollte. Ob Q-Cells als unabhängiges Unternehmen bestehen bleiben kann, ist ebenfalls weiter unsicher. Mit Blick auf die Zukunft des Unternehmens äußerte sich Cen „verhalten optimistisch“.

Landgericht stellt sich gegen Pläne des Unternehmens

Das Landgericht Frankfurt am Main hatte sich am Montag den Plänen des Unternehmens zur Restrukturierung entgegen gestellt. Q-Cells hatte zuletzt die Stundung einer in diesem Februar fälligen Wandelanleihe angestrebt und wollte darüber mit einem gemeinsamen Vertreter für alle Gläubiger beraten. Die Entscheidung des Gerichts gegen diesen Vertreter will Q-Cells anfechten. Trotzdem muss das Unternehmen nun mit den Gläubigern individuell verhandeln. Für sie soll es nach den neuen Plänen eine zeitlich gestaffelte Rückzahlung geben, aber die Gläubiger bekommen nicht alles zurück. Auf wie viel sie verzichten müssen, steht laut Cen noch nicht fest. Zudem will Q-Cells 2014 und 2015 fällige Anleihen mit einem Schulden- und Kapitalschnitt in Eigenkapital umwandeln.

Auf der operativen Seite hat sich die Situation von Q-Cells unterdessen weiter verschärft. Abschreibungen auf Töchter und auf Sachanlagen ziehen einen Verlust nach sich, der mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufzehrt. Nach Bilanzvorschriften des Handelsgesetzbuches (HGB) ist kein Eigenkapital mehr übrig, Ende September betrug es 425 Millionen Euro. Einen unmittelbaren Einfluss auf die Zahlungsfähigkeit habe dies nicht, betonte Cen. Dennoch muss das Unternehmen seine Aktionäre nun unverzüglich zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen.

Ein Ende der Durstrecke ist nicht in Sicht. 2012 rechnet Cen erneut mit einem Verlust und geht davon aus, dass sich die Lage nur langsam bessert. Um wieder in die Gewinnzone zurückkehren zu können, müsse die Finanzsituation geklärt werden und der drastische Preisverfall des von chinesischen Unternehmen überfluteten Marktes gestoppt werden.


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