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Stromkrise macht Südafrikas Bergbau zu schaffen
financial.de TopStory: Eine Krise, deren Ausmaße wohl erst mittelfristig deutlich werden, macht derzeit der südafrikanische Bergbau durch. Grund sind die täglichen Stromausfälle. Seit Januar 2008 ist der nationale Versorger Eskom nicht mehr in der Lage, das Land ausreichend zu versorgen. Während der Großteil der Bevölkerung nur in den ersten Wochen von regelmäßigen Stromausfällen betroffen war, werden die Minen weiterhin täglich für mehrere Stunden lahmgelegt. Roger Baxter von der Chamber of Mines in Johannesburg klagt über Produktionsausfälle von 15% bis 20%, ein Ausmaß, das etliche Minen unprofitabel macht. Wachstumsbereiche wie der Platinbergbau können eine solche Phase noch einigermaßen überbrücken. Der ohnehin kriselnde Goldbergbau hingegen kann dies nicht: Die Goldschächte im Witwatersrand bei Johannesburg gehen bereits mehrere Kilometer unter die Erde. Der dortige Betrieb ist hochgradig energieintensiv. Wenn die Belüftungsanlagen oder die Wasserpumpsysteme aufgrund von Stromausfällen nicht mehr arbeiten können, ist auch die Sicherheit der Arbeiter gefährdet, ein Risiko, das kein Bergbauunternehmen eingehen kann.Ironischerweise hat der Bergbau selbst zur Krise beigetragen. Eskom fehlen seit Wochen rd. 9.000 MW der Maximalkapazität von etwa 37.000 MW. Dazu trugen angeblich in großem Maße auch fehlende Kohlelieferungen respektive die Lieferung nasser Kohle zu den Kraftwerken von Eskom bei. Eskom war dazu übergegangen, seine Kohle zunehmend bei neugegründeten kleinen Minen mit Black Economic Empowerment Status, also Eignern aus dem Kreis der ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen, zu bestellen, statt wie vorher bei den großen Gesellschaften BHP Billiton, Kumba oder Anglo Coal. Den kleinen Minen fehlte es offensichtlich an Kenntnissen. An dieser hochpolitischen Entwicklung wird das Dilemma der südafrikanischen Wirtschaft sichtbar: Die Gründung der kleinen Minen hat zum Boom im Kohlebergbau mit beigetragen und ist von Experten im Lande begrüßt worden. Über Jahre galt der Kohlebergbau daher als ein Aushängeschild für die gelungene Integration schwarzer Unternehmen in die südafrikanische Wirtschaft. Das Problem: Es fehlt überall an Expertise. Sobald ein Bereich erfolgreich wächst, sind ihm enge Grenzen durch das Fehlen qualifizierter Arbeitskräfte gesetzt.
Die Stromausfälle haben indes noch viel weitreichendere Folgen. Über Jahre hat das Department of Minerals and Energy (DME) die Rohstoffverarbeitung als Zukunftsindustrie der Kap-Republik propagiert und auch gefördert, eine der energieintensivsten Branchen überhaupt. In einem Land mit billigem Strom und mehr als reichlichen Mineralienvorkommen erschien dieses Ziel sinnvoll. Fatalerweise hat es das selbe Ministerium über Jahre versäumt, frühzeitig neue Kraftwerke zu initiieren. Das DME ist zwar nicht direkt für deren Bau zuständig, es gibt lediglich die Energie- und Bergbaupolitik vor, aber es arbeitet eng mit dem für die öffentlichen Unternehmen, also auch Eskom, zuständigen Department for Public Enterprises (DPE) zusammen. Dieses kontrolliert Eskom und muss nun Krisenmanagement betreiben.
Bei Port Elizabeth ist nach jahrelangen Verhandlungen der Bau einer Aluminiumschmelze durch die kanadische Alcan geplant. Diese pocht nun auf die Zusicherungen der Regierung zu Energiesicherheit und -kosten. Diese seien die Voraussetzung für das riesige Investment. Für das DME sind die Probleme also nicht über Nacht gekommen, dennoch, so mutmaßen viele Beobachter in Südafrika, wurde nur wenig gemacht. Inzwischen stehen Eskom zwar etwa 200 Mrd Rand (ZAR), rund 16,3 Mrd EUR, für neue Kraftwerke zur Verfügung, die Energieengpässe werden wohl aber erst 2012 überwunden sein. Südafrika droht sich somit selbst vom weltweiten Bergbauboom auszuschließen.
Sollte die Stromkrise überwunden werden, verfügen einige der südafrikanischen Bergbausektoren über sehr gute Wachstumschancen. Dazu zählt der Kohleabbau. So möchte BHP Biliton für etwa 4,5 Mrd ZAR eine Kohlegruben Douglas und Middelburg im Witbankrevier ausbauen. Xstrata investiert etwa 2,9 Mrd ZAR in seine Goedegevonden-Mine und Exxaro baut für insgesamt 5,4 Mrd ZAR seine beiden Gruben Grootgeluk und Mafube aus. Die Binnennachfrage kommt auch vom Energieversorger Eskom. Dieser will in den kommenden Jahren neue Wärmekraftwerke bauen und wird deutlich mehr Kohle nachfragen. Auch die Nachfrage nach Kohle aus dem Ausland ist riesig, allerdings ist die Infrastruktur für den Abtransport völlig überfordert. Das soll sich ändern: Die Kapazität des Richards Bay Coal Terminal, dem Hauptverschiffungshafen für Kohle, wird durch den Ausbau von derzeit 72 Mio jato auf 92 Mio jato steigen. Auch die von den Abbaurevieren zum Hafen verlaufende Bahntrasse wird modernisiert und durch den Kauf zusätzlicher Lokomotiven leistungsfähiger gemacht.
Hervorragende Weltmarktbedingungen bestehen auch für den Platinsektor. Bereits jetzt beherrscht Südafrika den Weltmarkt: Etwa 75% der Produktion kommen aus dem Bushveld-Komplex westlich von Pretoria. Etliche Unternehmen wie Impala Platinum, Lonmin oder Anglo Platinum bauen vorhandene Minen aus und erschließen neue Vorkommen. Vieles könnte sich auch im Uranbergbau tun, nachdem die Produktion des Metalls in den 1990er Jahren völlig zum Erliegen kam. Zwei Unternehmen, First Uranium und Uranium One, bauen gerade ihre Mine aus, ein drittes, Mintails, steht kurz vor dem Markteintritt. Mittelfristig dürften weitere Investoren hinzukommen. Hinzu kommen Pläne für den Bau von Atomkraftwerken. Sogar der lokale Energieversorger Eskom spielt mit dem Gedanken, mehrere Reaktoren zu bauen. Als Devisenbringer haben Platin (38,5 Mrd ZAR) und Kohle (36 Mrd ZAR) das noch vor wenigen Jahren führende Gold (27 Mrd ZAR) längst überholt. Die Goldproduktion geht immer weiter zurück. Noch 1970 wurden etwa 1.000 jato abgebaut, 2007 dürften es wohl nur noch rd. 270 jato gewesen sein. Obwohl sich der Goldpreis binnen zwei Jahren fast verdoppelt hat, gibt es kaum Neuinvestitionen, weil inzwischen bis zu 4.000 m tief gegraben werden muss. Die neueste Technologie könnte zwar etwa 5.000 m bewältigen, sie ist indes so teuer, dass nur ein langfristig sehr hoher Goldpreis deren Anschaffung rechtfertigen würde. Das Risiko ist jedoch vielen Unternehmen zu hoch.
financial.de 14.3.2008
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