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8:53 | 10.10.2008
TopStory Rohstoffe: Feuerfesthersteller der Ukraine ziehen Investitionen an

financial.de TopStory: Die Feuerfestmaterialien-Industrie der Ukraine erhält zunehmend internationales Gepräge. Die russische Gruppe “Magnesit”, weltweit Drittgrößter in der Branche, hat im August 2008 die Genehmigung des Antimonopol-Komitees der ukrainischen Regierung zum Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung am Werk für feuerfeste Erzeugnisse “Panteleymonovskiy Refractory Plant” (POZ) erhalten. Das Werk gehörte bisher zur Industrie-Union Donbass. Bereits früher im Jahr hatte die Imerys Group (Frankreich) eine Investition in der ukrainischen Branche getätigt. Mit dem Verkauf seines in der Siedlung Pantelejmonowka bei Horliwka (Region Donezk) ansässigen Feuerfestmaterialien-Werks trennt sich der Konzern Industrie-Union Donbass (ISD, Eigner: ukrainische Tycoons Witali Hajduk und Serhi Taruta) von einem außerhalb seines Kerngeschäfts Stahlerzeugung angesiedelten Betrieb. Oleksandr Pylypenko, als ISD-Vizepräsident im Konzern zuständig für das Management des Beteiligungsportfolios, erklärte zu der Transaktion auf bfai-Anfrage, dass sich das Werk in Pantelejmonowka auf feuerfeste Erzeugnisse für die Erzeugung von Martinstahl spezialisiert habe. Da im Bereich des Konzerns aber keine Martinöfen mehr betrieben würden, sei ein Halten dieser Beteiligung wirtschaftlich nicht länger sinnvoll. Möglicherweise wird bald der Verkauf des Werks für feuerfeste Erzeugnisse Chrzanow (Chrzanowskie Zaklady Materialow Ogniotrwalych S.A., Polen), des zweiten und letzten im Konzern verbliebenen Betriebs dieser Art, durch ISD folgen.

Die in Tscheljabinsk ansässige Gruppe “Magnesit” ist der größte Feuerfestmaterialien-Hersteller Russlands und der GUS. Sein Marktanteil in der euro-asiatischen Staatengemeinschaft wird auf mehr als 60% geschätzt, darunter in Russland selbst auf annähernd 70%. “Magnesit” verfügt nach eigenen Angaben als einziges GUS-Unternehmen der Branche über eine Abbau-Lizenz für Magnesit-Lagerstätten. POZ gilt als einer der größten Hersteller von hochfeuerfesten keramischen Steinen, Massen und Pulvern in der Ukraine. Er erzeugt vor allem Magnesia-Steine als Dauer- und Verschleißfutter und fügt sich damit nahtlos in das Kerngeschäft des russischen Konzerns ein. Im Jahr 2007 erreichten der Gesamtausstoß von POZ 88.000 t, die Umsatzerlöse 214,25 Mio Hrywnja (42,5 Mio USD) und der Reingewinn 30,17 Mio Hrywnja (6,0 Mio USD). Das Werk ist auch im Großhandel mit Feuerfestmaterialien sowie in der Anfertigung und Instandsetzung von Hochofenausmauerungen tätig. Über das Volumen der Transaktion bewahrten ISD und der Konzern “Magnesit” Stillschweigen. Russische und ukrainische Branchenkenner beziffern es auf 30 bis 40 Mio USD, in einer abweichenden Schätzung auf 20 Mio USD.

Die Feuerfestmaterialien-Industrie der Ukraine kam im Jahre 2007 auf eine Gesamterzeugung von circa 800.000 t, Tendenz leicht rückläufig. Vom Gesamtausstoß finden circa 85% in der Metallindustrie Absatz. In den Export gingen 115.000 t; wichtigste ausländische Märkte waren Russland, Belarus und die Republik Moldau. Eingeführt wurden 65.000 t Feuerfestmaterialien. Hauptlieferländer waren die Tschechische Republik, Österreich, die Slowakei, Deutschland und China. Im Segment Magnesia-Steine erreichte der Anteil von POZ am Gesamtausstoß der Branche 50%. Die andere Hälfte bestritt die Fabrik ZaporozhOgneUpor (Saporishshja). Diese stellt in bedeutenden Mengen auch Schamottesteine her und gilt als die größte der insgesamt elf Fabriken der Ukraine. Die Herstellung von Magnesia-Steinen in der Ukraine stützte sich früher in erster Linie auf inländische Minerallagerstätten in den Regionen Dnipropetrowsk und Poltawa, aber wegen mangelhafter Rohstoff-Qualität ist man heute weitgehend auf Mineral- beziehungsweise Magnesiapulver-Einfuhren aus China angewiesen.

In den letzten Jahren war die Branche wiederholt durch Einfuhren von Billigerzeugnissen aus China in Bedrängnis geraten. Stahlwerke wie ArcelorMittal Krywy Rih, ZaporozhStal, Alchevsky MetKombinat und MMK Illicha Mariupol führten die Preisverhandlungen mit den ukrainischen Lieferanten mit harten Bandagen und drohten, bei Schamottesteinen aus feuerfestem Ton, bei Magnesia-Steinen sowie bei Kieselerdesteinen vollständig auf Einfuhren aus Fernost umzusteigen. Der ukrainische Verband der Feuerfestmaterialien-Industrie wurde bei der Regierung in Kiew mehrmals mit Forderungen zur Einleitung von Antidumping-Verfahren gegen die chinesischen Lieferanten vorstellig, hatte damit aber keinen Erfolg. Das Ukraine-Geschäft der chinesischen Anbieter wird in jüngster Zeit zunehmend durch steigende Transportkosten, hervorgerufen durch Heraufsetzungen der Bahntarife in Russland und Kasachstan, erschwert.

financial.de 10.10.2008


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