14:45 | 08.07.2008
DGAP-News: Deutsches Aktieninstitut e.V.:
Deutsches Aktieninstitut e.V. / Hauptversammlung/Sonstiges
08.07.2008
Veröffentlichung einer Corporate News, übermittelt durch die DGAP – ein Unternehmen der EquityStory AG.
Für den Inhalt der Mitteilung ist der Emittent / Herausgeber verantwortlich.
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Matthias Zachert, Finanzvorstand, Lanxess AG
‘Der Wandel der deutschen Aktionärsstruktur verändert das
Anforderungsprofil an Investor Relations und Unternehmenskommunikation’
Hans Hutter, Chefredakteur, Finanzplatz
Die Internationalisierung der Aktionärsstruktur großer deutscher
börsennotierter Unternehmen verändert auch das Anforderungsprofil an
Investors Relations- und Unternehmenskommunikationsabteilungen. Das macht
Matthias Zachert, Finanzvorstand der Lanxess AG, Leverkusen, im
Exklusivinterview mit Finanzplatz-Chefredakteur Hans Hutter deutlich. Das
Unternehmen kann nach seinem Spin-off auf Erfahrungen mit ausländischen
Hedgefonds ebenso wie traditionellen Investoren zurückgreifen. Zachert
äußert sich in dem Interview zu den Gründen der schwach ausgeprägten
Aktienakzeptanz in Deutschland, seinen Erfahrungen mit angelsächsischen
Investoren und der sich wandelnden IR-Arbeit.
Interview
Die deutschen börsennotierten Unternehmen haben sich in der Globalisierung
erfolgreich geschlagen und ihre Aktien sind weltweit gefragt, aber warum
hinkt die Aktienkultur in Deutschland immer noch vergleichsweise hinterher?
Die Aktienkultur in Deutschland ist aus meiner Sicht nicht so tief
verwurzelt wie in England und den USA. Die Gründe hierfür sind
unterschiedlicher Natur. So trägt die Art und Weise, wie die
Altersabsicherung in den Ländern aufgebaut ist, sicherlich zur Entwicklung
der Aktienkultur bei. In den USA z.B. war stets die Einzelperson stärker
gefordert, sich um die eigene Altersabsicherung zu kümmern, was daher bei
vielen Teilen der Bevölkerung dazu geführt hat, dass man frühzeitig
gespartes Kapital in Aktien oder Fremdkapitalpapiere investiert hat. In
Deutschland war hingegen die Einzelperson stärker über den Staat und/oder
den Arbeitgeber abgesichert. Hinzu kommt, dass das Instrument der
Lebensversicherung (auch steuerlich begünstigt) für eine Vielzahl der
Bürger vorteilhafter schien. Ein weiterer Faktor liegt allerdings
sicherlich auch in der höheren Risikoaversion des deutschen Anlegers
begründet, was natürlich auch durch Ereignisse in der Vergangenheit
begründet wird. Beispiele sind hier der Neue Markt, wo viele
Privataktionäre Geld verloren haben, oder auch die schlechten Erfahrungen
mit den sogenannten ‘Volksaktien’.
Ob wir in den kommenden Jahren die Aktienkultur wieder beleben werden,
hängt allerdings neben den individuellen Erfahrungen mit der Aktienanlage
auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Hier hat die neue
Gesetzgebung sicherlich nicht zur Förderung der direkten Aktienanlage
beigetragen.
Welche Erfahrungen hat die Lanxess AG seit dem Spin-off 2005 mit der
Aktionärsstruktur im Allgemeinen und den institutionellen, angelsächsischen
Investoren im Vergleich zu den traditionellen Investoren gemacht?
Unsere Aktionärsstruktur im Jahr 2005 und 2006 war noch stark durch
angelsächsische Fonds geprägt, die oftmals einen eher kurzfristigen
Anlagehorizont hatten und zu der Kategorie Hedgefonds zählten. Die Mehrheit
dieser Hedgefonds sah in uns eine Gelegenheit, in ein stark unterbewertetes
Unternehmen mit doch sicherlich einer Vielzahl von Risiken investiert zu
sein. In den Gesprächen, die wir mit den Hedgefonds im Anschluss an das
Listing geführt haben, waren wir mehrheitlich über die Kenntnis des
Unternehmens, Flexibilität und Bereitschaft, sich in unser Unternehmen
hineinzudenken, positiv überrascht.
Im Jahr 2007 vollzog sich dann ein stetiger Wandel unserer
Aktionärsstruktur hin zu traditionellen und wertorientierten Investoren. Zu
diesem Zeitpunkt hatten wir die wesentlichen Risiken (wie Überschuldung,
Restrukturierung und Portfoliobereinigung) bereits gemeistert und boten
daher für eine andere Investorenklasse Wertsteigerungsmöglichkeiten bei
einem deutlich reduzierten Risikoprofil. Wir zählen nun mehrheitlich
namhafte amerikanische und britische Investmenthäuser zu unseren
Aktionären.
Hedgefonds und Staatsfonds stehen in der öffentlichen Kritik. Wie bewerten
Sie diese Diskussion, und was soll der Gesetzgeber tun oder nicht tun?
Wir sind grundsätzlich für alle Investoren offen, die an einer
langfristigen Entwicklung von Lanxess interessiert sind und sich an die
Spielregeln der Unternehmensführung halten. Oftmals wird die
Investorenkategorie der Hedgefonds allerdings sehr negativ beurteilt. Dies
kann ich in dieser Allgemeinheit nicht bestätigen. Gerade bei unserem
Konzern wurde sehr deutlich, dass diese Investorenkategorie in unserer
Anfangszeit eine sinnvolle Lücke im Kapitalmarkt geschlossen hat. Dass es
bei dieser Investorenkategorie auch ’schwarze Schafe’ gibt, möchte ich
nicht bestreiten, aber man sollte hier nicht aus Einzelfällen negative
Schlussfolgerungen für eine gesamte Investorenkategorie ziehen.
Wie hat sich das Anforderungsprofil für Investor Relations in den letzten
Jahren verändert?
Diese Veränderungen sind zum einen bedingt durch die deutlich höheren
Transparenzstandards, die vom Gesetzgeber eingefordert werden – etwa im
Bereich der Rechnungslegung, bei Stimmrechtsmitteilungen von Investoren
oder bei den sogenannten Directors’ Dealings vom Management des
Unternehmens. Der IR-Bereich muss sich daher heute viel intensiver mit
juristischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen bzw. Umsetzung im
Kontext mit dem Kapitalmarkt auseinandersetzen.
Neben der Veränderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, was hat die
IR-Arbeit in den vergangenen Jahren beeinflusst?
Mit der Diversifizierung und Internationalisierung der Anlegergruppen, die
heute im deutschen Aktienmarkt aktiv sind, hat sich das Anforderungsprofil
an die Investor Relations-Abteilungen deutlich verändert. Zusätzlich ist
aufgrund der ‘neuen’ Aktionärsgruppen eine sehr viel intensivere
Auseinandersetzung mit den einzelnen Investoren erforderlich. Denn jeder
einzelne Investor hat ein individuelles Anforderungsprofil, das es zu
erkennen und zu bedienen gilt.
Wie reagieren Sie auf diese unterschiedlichen Anforderungsprofile?
Für die Ansprache von Investoren setzen wir unterschiedliche IR-Instrumente
ein. Die Palette reicht von Vier-Augen-Gesprächen, Roadshows,
Telefonkonferenzen bis zu großen Veranstaltungen wie unserer jährlichen
Kapitalmarktkonferenz. Ergänzend kommen die Ansprache durch den
Geschäftsbericht, unser Konzern-Fact-Book, Präsentationen, das Internet und
individuelle Zusammenfassungen wesentlicher Konzernereignisse für
bestehende und potenzielle Investoren hinzu. Wesentlich bei allen Maßnahmen
ist, dass diese konsequent, zeitnah und sehr regelmäßig ein- und umgesetzt
werden. Nur dann kann ein nachhaltiger und vor allem zielgerichteter Dialog
mit den unterschiedlichen Investoren erfolgen. Hierbei sind der Investor
Relations-Bereich und das Management gefordert. Ich persönlich stehe
ebenfalls in sehr regem Kontakt mit unseren Investoren und bin häufig ‘on
the road’, um Investoren vor Ort zu treffen und mich mit ihnen
auszutauschen bzw. mich ihren Fragen und Anforderungen zu stellen.
Was sind Ihre hauptsächlichen Ziele ‘on the road’, und nach welchen
Kriterien legen Sie diese fest?
Insgesamt haben wir unabhängig von unserem Finanzkalender eine konstant
hohe Roadshow-Frequenz. Neben den weltweiten Finanzzentren Frankfurt,
London und New York stehen dabei auch Ziele auf der Agenda, die etwas
abseits der normalen ‘Routen’ liegen, in denen wir aber auch genauso
interessierte Anleger treffen. Um diese Anleger auszumachen, betreibt
Investor Relations zur Vorbereitung der Termine eine kontinuierliche
Analyse von bestehenden und potenziellen Aktionären, bündelt das Feedback
aus den bisherigen Gesprächen und wertet diese aus. Natürlich ist ein
ständiger Dialog mit Analysten und Brokern vor und nach den Roadshows
ebenfalls unabdingbar.
Hauptversammlungen sind heute immer stärker international ausgerichtet.
Versuchen Sie, gezielt durch zusätzliche Maßnahmen Ihre ausländischen
Investoren anzusprechen?
Die Lanxess-Hauptversammlung ist aufgrund unserer Aktionärsstruktur eine
sehr internationale Veranstaltung. Rund 70% unserer Aktionäre haben ihren
Sitz im Ausland und erhalten somit im Rahmen der rechtlich gegebenen
Prozesse nicht automatisch unsere Einladung zur Hauptversammlung. Wir haben
deshalb bei Lanxess die Maßnahmen zur Ansprache angepasst und erweitert.
Unsere Investoren werden weltweit von uns persönlich auf unsere
Hauptversammlung angesprochen, beim Anmeldeprozess bei Bedarf unterstützt
und über die Stimmabgabe informiert. Das beinhaltet neben der Zustellung
der Tagesordnung auch Informationen zur aktuellen HV-Rechtssprechung und
die Unterstützung der Stimmabgabe durch Vollmacht und Weisung, wenn dem
Aktionär eine persönliche Präsenz nicht möglich ist. Ziel ist es immer,
unsere Top 100-Investoren zu erreichen. Diese werden von uns – mit
Unterstützung eines Dienstleisters – vom Tag der Veröffentlichung der
HV-Einladung bis zum Anmeldeschluss aktiv angesprochen und unterstützt.
Darüber hinaus informieren wir unsere Investoren natürlich via Internet
über die HV.
Wen kontaktieren Sie neben den Top 100-Investoren noch?
Neben der direkten umfassenden Ansprache unserer Investoren ist auch der
intensive Austausch mit internationalen HV-Interessensvertretern wie etwa
ISS oder IVOX im Zuge der HV-Vorbereitung von großer Bedeutung. Denn diese
Gruppen sind im Rahmen der HV ebenfalls wichtige Kontaktschnittstellen zu
unseren Investoren.
Lässt sich der Erfolg von so umfassenden Bemühungen beispielsweise anhand
der Präsenz ablesen?
Wir haben bei Lanxess von Anfang an diese Maßnahmen zur direkten Ansprache
durchgeführt und konnten bisher davon deutlich profitieren. Denn wir haben
seit der ersten Hauptversammlung eine deutliche Präsenzsteigerung erzielen
können. Bei unserer jüngsten HV Ende Mai 2008 lag diese bei rund 58%, und
auch unsere Abstimmungsergebnisse sind durchaus stets erfreulich gewesen.
08.07.2008 Finanznachrichten übermittelt durch die DGAP
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