12:45 | 20.07.2008
«Diesel-Demo» rollt durch Oberfranken
Berg (ddp-bay). Lastwagenfahrer, Spediteure und Landwirte aus
mehreren Bundesländern haben am Samstag mit einer Sternfahrt ins
oberfränkische Berg gegen hohe Dieselpreise demonstriert. Nach
Polizeiangaben rollten am Vormittag etwa 300 Lastwagen über die
Autobahnen A 9, A 72 und A 93 zum Autohof Berg. Die Veranstalter
sprachen gar von 500 Trucks. Mit der «Diesel-Demo» hätten die
Teilnehmer auf die insgesamt schlechten Berufsbedingungen im
Speditionsgewerbe aufmerksam machen wollen, sagte Organisator Rudi
Stöhr auf ddp-Anfrage und betonte: «Uns reicht es, uns steht das
Wasser bis zum Hals.»
Die von der Polizei begleiteten Konvois hatten eine Länge von bis
zu zehn Kilometer. Einige Landwirte aus der näheren Umgebung kamen
mit ihren Traktoren zum Veranstaltungsgelände. «Die waren eigentlich
nicht eingeplant, sind aber spontan dazugestoßen, weil sie den
gleichen Druck wie die Spediteure haben», erläuterte Stöhr.
Auf dem Autohof versammelten sich die Demonstranten zu einer
Abschlusskundgebung. Auf vielen Lastwagen waren Transparente
angebracht, mit Aufschriften wie: «Transporteure an der Wand – Fahrer
beim Arbeitsamt», «Maut + Sprit, wir kommen nicht mehr mit» und
«Tiefensee der Schreibtischtäter wird zum Lkw-Verräter». Stöhr
betonte, viele Spediteure seien schon am Ende, andere stünden vor dem
Aus. Zahlreichen Lastwagenfahrern drohe damit die Arbeitslosigkeit.
Die Mineralölsteuer müsse deutlich gesenkt werden, um einen
Dieselpreis von etwa einem Euro zu erreichen.
Der Unmut der Spediteure und Fahrer richtet sich den Angaben
zufolge aber auch gegen eine mögliche Erhöhung der Lkw-Maut sowie die
Parkplatzsituation. Nach 18.00 Uhr bräuchten Lastwagenfahrer Park-
und Rastplätze gar nicht mehr anzusteuern, da sie schon voll seien,
beklagte Stöhr.
Von der Teilnehmerzahl zeigte er sich «überwältigt». Sie habe
«weit über den Erwartungen» gelegen. Die Demonstranten seien
überwiegend aus Sachsen und Bayern, aber auch aus Sachsen-Anhalt,
Thüringen und vereinzelt auch aus anderen Ländern gekommen. Stöhr
kündigte weitere «Diesel-Demos» an, um die Politik zum Handeln zu
drängen. Sollte sich die Bundesregierung nicht bewegen, hält er sogar
Blockadeaktionen für denkbar.
Um den Verkehr auf den Autobahnen nicht zu stark zu behindern,
hatten die Behörden zahlreiche Auflagen erlassen, die von den
Teilnehmern den Angaben zufolge eingehalten wurden. Zu Blockaden oder
größeren Behinderungen kam es laut Polizei nicht. Lediglich auf der A
72 hatte sich an der sächsisch-bayerischen Grenze zwischenzeitlich
ein etwa drei Kilometer langer Rückstau gebildet. Die Rückreise der
Lastwagenfahrer verlief ebenfalls ohne Störungen.
(ddp)
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