12:35 | 27.11.2008
Sozialexperten wollen Vermögen und hohe Einkommen stärker besteuern
Berlin (ddp). Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche
Institut (WSI) fordert angesichts eines neuen Höchststandes der
sogenannten Gewinnquote am Volkseinkommen eine höhere Besteuerung von
hohen Einkommen und Vermögen. Der Anteil von Einkommen aus Gewinnen
und Vermögen am gesamten deutschen Volkseinkommen erreichte 2007
einen neuen Höchststand, während der Anteil der Einkommen aus Arbeit
weiter zurückging, wie WSI-Experte Claus Schäfer am Donnerstag in
Berlin erläuterte. Diese Entwicklung werde sich fortsetzen.
Die Verteilungstrendwende sei im zurückliegenden Aufschwung
ausgeblieben, kritisierte das Institut, das der gewerkschaftsnahen
Hans Böckler Stiftung angehört. Die Steuern- und Abgabenpolitik der
Bundesregierung verstärke zudem den Trend zur Ungleichheit. «Dabei
zeigen die Krise am Finanzmarkt und in der Realwirtschaft die
wirtschaftlichen Gefahren der ungleichen Verteilung ganz besonders
deutlich», sagte Schäfer. So investierten Personen und Unternehmen
mit sehr hohen Einkommen oder Gewinnen auf der Suche nach lukrativen
Anlageformen zunehmend auch in riskante Geschäfte, während die
schwache Entwicklung bei den Masseneinkommen Konsum und
Binnennachfrage lahmen lasse.
Um diesen Trend zu durchbrechen, fordert Schäfer eine stärkere
Belastung von hohen Einkommen und Vermögen sowie eine Stärkung
niedriger Einkommen. «Von hohen Einkommen und Vermögen muss mehr
gefordert werden», sagte Schäfer und regte eine höhere Belastung von
hohen Einkommen und Vermögen. So regte er eine höhere
Erbschaftssteuer, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer sowie
höhere Spitzensteuersätze an. Zur Stärkung geringer Einkommen schlug
er die Erhöhung von Versorgungsleistungen, wie Kindergeld oder
Arbeitslosengeld II, vor. Konsumgutscheine seien allerdings lediglich
ergänzend sinnvoll.
(ddp)
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