9:42 | 27.06.2009
Aufklärung über den ICE-Achsbruch
Berlin/Köln (ddp). Am 9. Juli ist es genau ein Jahr her, dass der
Intercity-Express (ICE) 518 der Deutschen Bahn mit dem Namen
«Wolfsburg» in Schrittgeschwindigkeit aus dem Kölner Hauptbahnhof
ausfuhr und dabei entgleiste. Schuld daran war eine gebrochene
Radsatzwelle. Die 250 Fahrgäste kamen mit dem Schrecken davon. Zuvor
war der ICE der Baureihe 3 über die Hochgeschwindigkeitsstrecke aus
Frankfurt am Main gekommen, wo bis zu 330 Stundenkilometer gefahren
werden.
Möglicherweise ist die Bahn an jenem 9. Juli nur durch einen
glücklichen Zufall einer noch schwereren Katastrophe als dem
Zugunglück von Eschede entgangen. In der niedersächsischen Kleinstadt
waren 1998 101 Menschen ums Leben gekommen, als ein ICE gegen eine
Brücke geprallt war.
Warum die Radsatzwelle in Köln brechen konnte, ist noch immer
nicht geklärt. In der kommenden Woche sollen die Ermittlungen wegen
des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung und fahrlässiger
Gefährdung des Bahnverkehrs gegen die Deutsche Bahn durch die
Staatsanwaltschaft Köln abgeschlossen werden, wie Staatsanwalt
Günther Feld der Nachrichtenagentur ddp sagte. Wahrscheinlich «Mitte
der Woche» werde man darüber informieren. Einen genauen Tag könne er
noch nicht nennen. Grundlage der Ermittlungen ist ein Gutachten der
Bundesanstalt für Materialforschung (BAM).
Die Deutsche Bahn überprüft seit dem Unfall die Achsen ihrer
ICE-Züge zehnmal so häufig wie vor dem Unfall, aber das auch nur auf
Druck des Eisenbahnbundesamtes. Sie kommen schon nach 30 000
gefahrenen Kilometern ins Werk und nicht, wie von den Herstellern
empfohlen, erst nach 300 000 Kilometern. Zahlreiche Züge fielen im
zurückliegenden Jahr aus, die Bahn verkaufte weniger Fahrkarten.
Außerdem kostete der notwendige Umbau der Werkstätten mehrere
Millionen Euro.
Einem Bericht der «Süddeutschen Zeitung» zufolge sind dem Konzern
dadurch bislang Zusatzkosten von 250 Millionen Euro entstanden. Diese
Zahl nannte der neue Vorstandschef Rüdiger Grube in der
zurückliegenden Woche offenbar im Aufsichtsrat des
Staatsunternehmens. Zudem streitet sich der Konzern mit den
Herstellern Siemens, Bombardier und Alstom. Bereits Grubes Vorgänger
Hartmut Mehdorn hatte immer wieder scharfe Kritik an den Herstellern
geübt und ihnen Schadenersatzforderungen in dreistelliger
Millionenhöhe angedroht. Die Hersteller wiesen dies allerdings stets
zurück.
Um besser für die Gespräche mit den Herstellern gerüstet zu sein,
will die Bahn außerdem ein neues Vorstandsressort Technik einrichten.
«Die DB ist derzeit mit vielen technischen Herausforderungen
konfrontiert, weil die Industrie ihre Leistungsversprechen vielfach
nicht einhält», erläuterte Grube jüngst. «Diese Mängel machen es
erforderlich, die technischen Kompetenzen des Konzerns in der
DB-Spitze zu bündeln», fügte er hinzu. Wer den Posten übernehmen
soll, ist noch unklar. Er soll bis September besetzt werden.
Denn offenbar machen nicht nur die ICE-Achsen Probleme, sondern
auch die der Güterzüge. So gab es jüngst Zeitungsberichte, wonach
auch die Achsen von mehreren Tausend Güterwaggons durch Rost und
Risse bedroht sind. Die zuständigen Behörden hätten gar vor
«Großschadensereignissen» gewarnt, falls ein entgleisender
Güterwaggon in den Gegenverkehr gerate und mit einem Personenzug
kollidiere.
(ddp)
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