15:58 | 11.03.2010
Messe zeigt Produkte aus Behindertenwerkstätten
Nürnberg (ddp-bay). Von Schachfiguren im schicken Design über
elegante Gartenliegen bis hin zu Textildruck für Tischdecken reicht
die Palette der Produkte, die seit Donnerstag auf der
Werkstätten-Messe in Nürnberg ausgestellt werden. Vier Tage lang
präsentieren rund 250 Aussteller Waren aus den bundesweit mehr als
2000 Behindertenwerkstätten. Damit sei es in diesem Bereich die
größte Messe in Europa, sagt Günter Mosen, Vorsitzender der
Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen.
Insgesamt stellen aber nach seinen Worten nur rund 15 Prozent der
Werkstätten Waren wie hochwertiges Kinderspielzeug oder
zertifiziertes Biogemüse her. «85 Prozent der Werkstätten arbeiten
als Dienstleister für die Industrie» sagt Mosen. Es sei aber noch ein
langer Weg, bis «Arbeitsplätze von Behinderten aus den Werkstätten in
die Betriebe» verlagert würden.
Herbert Beilschmidt von den «Gemeinnützigen Werkstätten und
Wohnstätten» (GWW) aus Gärtingen bei Sindelfingen hat gute
Erfahrungen in der Kooperation mit der Industrie gesammelt. Seit 25
Jahren arbeite er mit einem großen IT-Unternehmen zusammen.
Mittlerweile seien sieben Leute aus seiner Werkstatt in die Fertigung
des Großkonzerns übernommen worden.
«Es ist wenig, aber ein Anfang», sagt Beilschmidt. Insgesamt
arbeiteten nur rund fünf Prozent der von der GWW betreuten Menschen
mit Behinderung bei umliegenden Firmen, beispielsweise in der
Produktion von Bildschirmen oder in der Möbelmontage eines
Einrichtungshauses. Allerdings ziehe zur Zeit trotz Wirtschaftskrise
die Nachfrage der Unternehmen an.
Den Weg der kleinen Schritte kennt auch Mosen. In Bremen
beauftragte ein Flugzeugbauer behinderte Arbeitskräfte zunächst
damit, Dienstfahrräder zu putzen. Erst, nachdem die Leute sich
bewährt hatten, wurden sie auch in die Fertigung geholt. «Wenn man
sich nicht kennt, ist es schwer, die Barriere zwischen Unternehmen
und Werkstätten zu überwinden», sagt Mosen.
Diese Erfahrung hat auch die «Eisinger Werkstätte» gemacht, die
auf der Messe Auftraggeber aus der Wirtschaft sucht. Am Messestand
wirbt man für Arbeiten in der hauseigenen Buchbinderei, dem Bestücken
und Löten von Computerplatinen oder dem Verpacken verschiedener
Produkte.
Für «integrative Übernachtungen» wirbt das «Hotel FIT –
Freizeit-Integration-Tagung» aus Much bei Siegburg. Es bietet für
Menschen mit und ohne Behinderung unter anderem einen Hochseilgarten
in acht Meter Höhe, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet sein soll.
Am Messestand kann man sich mit einem Rollstuhl testweise in diese
Höhe ziehen lassen.
Behindertenwerkstätten seien «kein Sonderbiotop, sondern gehören
zur Gesellschaft dazu», betont Markus Sackmann, Staatssekretär im
bayerischen Arbeitsministerium. Er kündigt noch für den März 2010 die
Initiative «Werkstätten inklusiv» an. «Jeder neue Außenarbeitsplatz
für einen Behinderten in einem normalen Unternehmen wird mit 3000
Euro bezuschusst.»
Die Werkstättenmesse, die zum fünften Mal in Nürnberg stattfindet,
war 2006 bei der Erstauflage mit 165 Ausstellern und 6500 Besuchern
gestartet. In diesem Jahr werden wie im Vorjahr rund 15 000
Fachbesucher und Verbraucher erwartet. «Die Messe hat sich einen
festen Platz im Kalender erarbeitet», freut sich Mosen.
(ddp)
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