15:21 | 11.03.2010
Volkswagen legt zu Jahresbeginn deutlich zu
Wolfsburg (ddp). Trotz anziehender Autoverkäufe rechnet Volkswagen
noch lange nicht mit einem Ende der Krise. «Wer jetzt schon den
großen Aufschwung ausruft, geht an der Realität vorbei», sagte
Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn am Donnerstag bei Vorlage der
Bilanz in Wolfsburg. Er fügte hinzu: «Unsere Branche hat eine
längere, steinige Wegstrecke vor sich. Das Absatzniveau vor der Krise
werden wir frühestens 2012 wieder erreichen.»
Im laufenden Jahr will die weltweite Nummer drei hinter Toyota und
General Motors dank zahlreicher neuer Modelle erneut zulegen. In den
ersten beiden Monaten dieses Jahres verkaufte der DAX-Konzern mit
seinen neun Marken deutlich mehr Autos als im Vorjahreszeitraum. Die
Zahl der Auslieferungen an Kunden stieg konzernweit um 26,7 Prozent
auf 1,02 Millionen, wie Volkswagen mitteilte. Allerdings waren die
Verkäufe Anfang 2009 wegen der Wirtschaftskrise dramatisch
eingebrochen. Dennoch verzeichnete Volkswagen im vergangenen Jahr
wegen der Abwrackprämie einen neuen Verkaufsrekord. Mit knapp 6,3
Millionen Neuwagen übertrafen die Wolfsburger den Vorjahreswert um
1,1 Prozent. Gleichzeitig brach der Gewinn um 80,6 Prozent auf 911
Millionen Euro ein.
Im Ergebnis mussten die Volkswagen-Vorstände im vergangenen Jahr
drastische Einkommenseinbußen hinnehmen. Insgesamt zahlte Europas
größter Automobilbauer seinen fünf obersten Managern 18,7 Millionen
Euro, nicht einmal halb so viel wie im Vorjahr (45,4 Millionen Euro),
wie aus dem Geschäftsbericht hervorgeht. Winterkorn erhielt mit 6,6
Millionen Euro nur noch etwas mehr als die Hälfte seines
Vorjahresgehaltes von 12,7 Millionen Euro.
Mittelfristig will der Konzern jährlich rund acht Millionen
Neuwagen und Nutzfahrzeuge seiner neun Marken von Audi bis zum
Lkw-Hersteller Scania verkaufen. Das wären 27 Prozent mehr als im
vergangenen Jahr. Bis zum Jahr 2018 sollen mehr als zehn Millionen
Autos an die Kunden ausgeliefert werden. Bis dahin wollen die
Deutschen den japanischen Rivalen Toyota an der Weltspitze ablösen,
der derzeit massiv unter Qualitätsproblemen leidet.
Dabei haben die Wolfsburger alle Hände voll zu tun: Volkswagen hat
den Stuttgarter Sportwagenbauer Porsche übernommen und ist beim
japanischen Kleinwagenbauer Suzuki eingestiegen. Um die Zukäufe zu
finanzieren, ohne die Konzernkasse zu strapazieren, plant VW eine
milliardenschwere Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr.
Diese könnte nun jedoch etwas kleiner ausfallen als geplant. Es
sei vorstellbar, rund vier Milliarden Euro am Kapitalmarkt
einzusammeln, sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. Das sei der
Betrag, der für die Übernahme von Porsche bis 2011 vorgesehen sei.
Die Wolfsburger würden in diesem Rahmen auch die Ausgabe von Options-
und Wandelschuldverschreibungen für bis zu 40 Millionen Vorzugsaktien
erwägen, sagte er.
Die VW-Aktie legte bis zum Nachmittag im einem verhaltenen
Börsenumfeld um 5,1 Prozent auf 67,00 Euro zu und war damit mit
Abstand stärkster Wert im DAX.
(ddp)
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