WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

16:39 | 13.11.2008
Angekommen in der Rezession

Wiesbaden/Berlin (ddp). Deutschland ist nach Einschätzung von
Ökonomen endgültig in der Rezession angekommen. Hintergrund ist der
erneute Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal
des laufenden Jahres. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging von Juli
bis September preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,5 Prozent
gegenüber dem Vorquartal zurück, wie das Statistische Bundesamt am
Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) sagte lediglich, dass die deutsche Wirtschaft 2009
möglicherweise in eine Rezession geraten könnte. Unterdessen senkte
die OECD ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in ihren
Mitgliedsländern.

Der BIP-Rückgang im dritten Quartal war der zweite in Folge.
Nachdem die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal noch um 1,4 Prozent
gestiegen war, ging sie im zweiten Quartal nach revidierten Angaben
um 0,4 Prozent zurück. Damit befindet sich nach allgemeiner
Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft in einer «technischen
Rezession». Für das dritte Quartal hatten Analysten nur einen
Rückgang von 0,1 Prozent vorhergesagt.

Auf Jahressicht befand sich das Wirtschaftswachstum noch im Plus.
Im Vergleich zum dritten Quartal des Vorjahres nahm das BIP im
dritten Quartal 2008 preisbereinigt um 1,3 Prozent zu.
Kalenderbereinigt belief sich das Wachstum durch einen zusätzlichen
Arbeitstag mehr im dritten Quartal 2008 auf 0,8 Prozent.

Steinbrück sagte auf der Jahrestagung des Gesamtverbandes der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin: «Wir gehen einer
Situation entgegen, wo wir erkennbar eventuell sogar von einer
Stagnation in eine Rezession hineinkommen». Für
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) kam die BIP-Schrumpfung
nicht überraschend: «Nach dem Minus im zweiten Quartal war auch das
dritte Quartal erwartungsgemäß rückläufig». Die Finanzmarktkrise und
weltwirtschaftliche Abschwächung wirkten sich bremsend auf die
deutsche Wirtschaft aus.

Nach Einschätzung der Deutschen Bundesbank liegt der Rückgang der
Wirtschaftsleistung vor allem in der Abschwächung des globalen
Wirtschaftswachstums und in den rückläufigen Investitionen begründet.
«Es macht sich jetzt zunehmend die breite globale Konjunkturabkühlung
bemerkbar», teilte die Bundesbank mit. Die deutsche Wirtschaft sei
wegen ihres hohen außenwirtschaftlichen Offenheitsgrades und der
starken Abhängigkeit von der Exportnachfrage besonders anfällig
gegenüber globalen Schocks.

Das Statistische Bundesamt verwies darauf, dass gegenüber dem
Vorquartal aus dem Inland überwiegend positive Impulse gekommen
seien. Diese führten sie auf einen leichten Anstieg des privaten und
öffentlichen Konsums zurück. Bei stark gestiegenen Importen und sich
abschwächenden Exporten habe es allerdings eine negative Wirkung des
Außenbeitrags auf die deutsche Wirtschaftsleistung gegeben.

Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen meinte, jetzt sei endgültig
klar, dass sich die deutsche Wirtschaft in der Rezession befindet.
ING-Ökonom Carsten Brzeski sagte, eine solch schlechte Entwicklung
der deutschen Wirtschaft habe es zuletzt 2003 gegeben. Er führte die
Schwäche der Wirtschaft auf die Finanzmarktkrise und die allgemeine
weltwirtschaftliche Abkühlung zurück.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hat unterdessen ihre Prognosen für das
Wirtschaftswachstum in ihren Mitgliedsländern deutlich gesenkt. Für
2009 rechnet die Organisation nunmehr mit einem Schrumpfen der
Wirtschaftsleistung in den 30 Industrieländern der Gruppe um 0,3
Prozent. Laut OECD gleiten die Volkswirtschaften im OECD-Raum damit
in eine Rezession, die voraussichtlich länger anhalten dürfte.

(ddp)


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