14:58 | 13.11.2008
Angekommen in der Rezession
Wiesbaden/Berlin (ddp). Deutschland ist nach Einschätzung von
Ökonomen endgültig in der Rezession angekommen. Hintergrund ist der
erneute Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung im dritten Quartal
des laufenden Jahres. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging von Juli
bis September preis-, kalender- und saisonbereinigt um 0,5 Prozent
gegenüber dem Vorquartal zurück, wie das Statistische Bundesamt am
Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Bundesfinanzminister Peer
Steinbrück (SPD) sagte lediglich, dass die deutsche Wirtschaft 2009
möglicherweise in eine Rezession geraten könnte. Unterdessen senkte
die OECD ihre Prognosen für das Wirtschaftswachstum in ihren
Mitgliedsländern.
Der BIP-Rückgang im dritten Quartal war der zweite in Folge.
Nachdem die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal noch um 1,4 Prozent
gestiegen war, ging sie im zweiten Quartal nach revidierten Angaben
um 0,4 Prozent zurück. Damit befindet sich nach allgemeiner
Einschätzung von Ökonomen die Wirtschaft in einer «technischen
Rezession». Für das dritte Quartal hatten Analysten nur einen
Rückgang von 0,1 Prozent vorhergesagt.
Auf Jahressicht befand sich das Wirtschaftswachstum noch im Plus.
Die Statistiker wiesen ein preisbereinigtes Wirtschaftswachstum von
Januar bis September von 1,3 Prozent gegenüber dem dritten Quartal
2007 aus. Kalenderbereinigt belief sich das Wachstum durch einen
zusätzlichen Arbeitstag mehr im dritten Quartal 2008 auf 0,8 Prozent.
Steinbrück sagte auf der Jahrestagung des Gesamtverbandes der
Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin: «Wir gehen einer
Situation entgegen, wo wir erkennbar eventuell sogar von einer
Stagnation in eine Rezession hineinkommen». Wie tiefgreifend eine
solche Entwicklung ausfallen und welche Auswirkungen sie auf den
Arbeitsmarkt habe könnte, wollte Steinbrück aber auf Nachfrage nicht
sagen. Das wisse keiner, sagte der Finanzminister.
Zugleich verwies das Statistische Bundesamt darauf, dass gegenüber
dem Vorquartal aus dem Inland überwiegend positive Impulse gekommen
seien. Diese führten sie auf einen leichten Anstieg des privaten und
öffentlichen Konsums zurück. Bei stark gestiegenen Importen und sich
abschwächenden Exporten habe es allerdings eine negative Wirkung des
Außenbeitrags auf die deutsche Wirtschaftsleistung gegeben.
Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen meinte, jetzt sei endgültig
klar, dass sich die deutsche Wirtschaft in der Rezession befindet.
ING-Ökonom Carsten Brzeski sagte, eine solch schlechte Entwicklung
der deutschen Wirtschaft habe es zuletzt 2003 gegeben. Damals war das
BIP zwischen dem vierten Quartal 2002 und dem zweiten Quartal 2003
dreimal in Folge gesunken. Brzeski führte die Schwäche der Wirtschaft
auf die Finanzmarktkrise und die allgemeine weltwirtschaftliche
Abkühlung zurück.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) hat unterdessen ihre Prognosen für das
Wirtschaftswachstum in ihren Mitgliedsländern deutlich gesenkt. Für
2009 rechnet die Organisation nunmehr mit einem Schrumpfen der
Wirtschaftsleistung in den 30 Industrieländern der Gruppe um 0,3
Prozent, nach einem Wachstum von 1,4 Prozent in diesem Jahr. Laut
OECD gleiten die Volkswirtschaften im OECD-Raum damit in eine
Rezession, die voraussichtlich länger anhalten dürfte.
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der
gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland hatte erst am
Mittwoch für 2009 wegen einer stagnierenden Wirtschaftsleistung eine
Rezession vorhergesagt. Bisher hält die Bundesregierung an ihrer
Erwartung einer BIP-Zunahme von 0,2 Prozent im kommenden Jahr fest.
(ddp)
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