WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

14:33 | 07.08.2009
Anzeichen für wirtschaftliche Erholung nehmen zu

Berlin (ddp). Die Anzeichen für den Beginn einer Erholung der
deutschen Wirtschaft mehren sich zunehmend. Die deutschen Ausfuhren
stiegen im Juni überraschend deutlich an, wie das Statistische
Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Auch der von der
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) berechnete Frühindikator für die Industrieländer zeigt für
Juni einen deutlichen Anstieg. Einziger Wermutstropfen ist die
Produktion im Produzierenden Sektor Deutschlands, die im Juni
entgegen den Erwartungen von Experten nicht weiter gestiegen, sondern
sogar leicht gesunken ist.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, nahmen die deutschen
Exporte im Juni gegenüber Mai kalender- und saisonbereinigt um 7,0
Prozent zu. Das war das stärkste Plus seit September 2006. Die
Einfuhren erhöhten sich um 6,8 Prozent. Gegenüber dem Juni des
Vorjahres waren Aus- und Einfuhren allerdings noch immer deutlich
schwächer. So sank der Wert der ausgeführten Waren im Vergleich zum
Juni 2008 um 22,3 Prozent und der der Importe um 17,2 Prozent.

Die wieder anziehende Ausfuhrentwicklung hatte sich zuletzt schon
in den Auftragseingängen aus dem Ausland angedeutet. Diese waren in
den vergangenen Monaten stark gestiegen und dürften auch in der
kommenden Zeit dafür sorgen, dass sich die deutsche Ausfuhrwirtschaft
wieder belebt. Zudem passen die neuen Außenhandelsdaten in das Bild,
dass die Rezession in Deutschland – wie auch vielen Teilen der
übrigen Welt – weitgehend beendet sein dürfte. So ist es Volkswirten
zufolge gut möglich, dass die deutsche Wirtschaft bereits im zweiten
Quartal nicht mehr geschrumpft ist und in der zweiten Jahreshälfte
wieder wachsen dürfte.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA)
begrüßte die Entwicklung. «Der deutsche Export zeigt klare Zeichen
einer Erholung. Der Anstieg der Ausfuhren um sieben Prozent gegenüber
dem Vormonat ist ein Rekordhoch seit September 2006», sagte
BGA-Präsident Anton Börner. «Insbesondere der Anstieg der
Auslandsaufträge bestärkt uns in unserer positiven Zukunftsaussicht»,
fügte er hinzu. Das Ende der Talsohle dürfe damit erreicht sein. Zu
Euphorie bestehe jedoch noch kein Anlass.

Der OECD-Frühindikator für Juni weise auf stärkere
Erholungsanzeichen für den Wirtschaftsausblick der OECD-Länder hin,
erklärte die Organisation. Dynamischere Impulse seien aus Italien und
Frankreich gekommen, und auch für Deutschland, Kanada, Großbritannien
und die USA gebe es klare Signale. Viele Experten verweisen
inzwischen darauf, dass Deutschland aufgrund seiner
Exportorientierung von der anziehenden Weltkonjunktur
überproportional profitieren sollte.

Die Produktion im Produzierenden Sektor Deutschlands ist im Juni
allerdings nicht weiter gestiegen. Wie das
Bundeswirtschaftsministerium auf Basis vorläufiger Daten mitteilte,
ging die Erzeugung gegenüber Mai saison- und kalenderbereinigt um 0,1
Prozent zurück. Volkswirte hatten hingegen einen Anstieg um 0,8
Prozent prognostiziert. Das Ministerium sieht dennoch eine weitere
Stabilisierung. «Angesichts des zuletzt deutlich gestiegenen
Auftragseingangs dürfte in der Industrie der konjunkturelle Tiefpunkt
überwunden sein», hieß es.

(ddp)


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