WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

10:28 | 02.01.2012
Arbeitgeberpräsident mahnt zu Besonnenheit in Lohndebatte

Berlin (dapd). Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt mahnt in der Debatte über den Spielraum für Lohnerhöhungen zu Besonnenheit. Hundt sagte der Nachrichtenagentur dapd, nicht alle Branchen seien “in gleicher Weise von der positiven Konjunktur erfasst”. Zudem müsse die Tarifpolitik “auch Risiken berücksichtigen, die sich aus der Staatsschuldenkrise und der schwächelnden Weltkonjunktur ergeben”.

Hundt forderte deshalb dazu auf, “die differenzierte, produktivitätsorientierte und flexible Tarifpolitik der letzten Jahre fortzusetzen”. Er betonte zugleich: “Wenn es einem Unternehmen gut geht, muss es auch seinen Arbeitnehmern gut gehen.”

Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, sagte: “Glücklicherweise hat sich in den letzten Jahren bei Tarifabschlüssen in Deutschland ein beachtlicher Pragmatismus breitgemacht. Das heißt, man gibt immer mehr betrieblichen und flexiblen Lösungen mehr Gewicht.” Dieser Weg sollte “weiter beschritten werden”.

Straubhaar fügte in einem dapd-Interview hinzu: “Das würde auch erlauben, sich auf die Risiken einer Eskalation der konjunkturellen Situation vorzubereiten, um schnell reagieren zu können.” Dazu gehörten “Kurzarbeitsregelungen, Jahresarbeitszeitkonti und flexibel gehandhabte Lohnbestandteile”.

Nach Ansicht des Präsidenten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, sollte sich die Tarifpolitik “vorwiegend an mittelfristigen Tendenzen orientieren”. Der “Wirtschaftsweise” fügte in einem dapd-Interview hinzu: “Eine Leitlinie geben das trendmäßige Produktivitätswachstum, das gegenwärtig bei knapp 1,5 Prozent liegt, und die trendmäßige Inflation, die ich allerdings am Preisindex des Bruttoinlandsprodukts messen würde, da dieser – anders als die Verbraucherpreise – weniger durch die Importpreise beeinflusst sind.”

Insgesamt spreche dies für Lohnabschlüsse zwischen 2,0 und 2,5 Prozent. Davon könnten “natürlich einzelne Branchen durchaus abweichen”.

Schmidt betonte mit Blick auf die Euro-Schuldenkrise: “Die Tarifpolitik wäre wahrscheinlich überfordert, wollte sie auf aktuelle Tendenzen reagieren, da Verträge doch zumeist für ein bis zwei Jahre gelten.” Wichtig sei, “dass man die flexiblen Regeln beibehält oder gar noch ausbaut, um den Unternehmen eine Anpassung an konjunkturelle Wechsellagen zu erleichtern”.

Der RWI-Präsident fügte hinzu: “Die Arbeitszeitkonten haben – wie man heute sieht – in der Rezession viel Jobs gesichert, und bei den Löhnen ist Flexibilität keine Einbahnstraße: Viele Unternehmen haben Lohnerhöhungen vorgezogen, als sich die wirtschaftliche Lage 2010 und 2011 überraschend günstig darstellte.”

dapd


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