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15:14 | 10.11.2011
Atomausstieg macht RWE zu schaffen
Essen (dapd). Der Atomausstieg macht Deutschlands größtem Stromproduzenten RWE weiter schwer zu schaffen. In den ersten neun Monaten dieses Jahres brach das Nettoergebnis des Essener Energieriesen um mehr als 46 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro ein. Neben der Energiewende belasteten auch sinkende Strompreise und anhaltende Probleme im Gasgeschäft das Ergebnis, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Eine schnelle Wende zum Besseren ist nach Einschätzung des RWE-Chefs Jürgen Großmann nicht zu erwarten. “Auch die kommenden Jahre werden schwierig für uns”, sagte er. Dennoch sei er optimistisch, dass es RWE gelingen werde, “die vor uns liegende Talsohle zügig zu durchqueren.” Schließlich kann der Konzern im sich anbahnenden Rechtsstreit um die Energiewende auf erste Erfolge verweisen. Gleich zwei deutsche Finanzgerichte äußerten kürzlich Zweifel an der Rechtmäßigkeit der von der Bundesregierung eingeführten Kernbrennstoffsteuer. RWE seien bereits geleistete Steuerzahlungen zurückerstattet worden, teilte der Konzern mit. Doch dürfte dieses Verfahren nur der Auftakt zu weit schwerer wiegenden juristischen Scharmützeln sein. RWE-Finanzvorstand Rolf Pohlig sagte am Donnerstag, der Konzern werde wahrscheinlich auch die entschädigungslose Verkürzung der Reaktorlaufzeiten nicht widerspruchslos hinnehmen. “Es sprechen sehr viele gute Gründe für eine Verfassungsbeschwerde.” Eine endgültige Entscheidung sei allerdings noch nicht gefallen. Konkurrent E.on hatte bereits am Mittwoch angekündigt, er sei zu einer Klage entschlossen. Auch beim zweiten großen Sorgenkind des Konzerns, dem Gasgeschäft, sieht RWE inzwischen erste Hoffnungszeichen. Das Gasgeschäft beschert dem Konzern zurzeit Verluste, weil er seinen Gaslieferanten in den langfristigen Lieferverträgen an den Ölpreis gekoppelte Abnahmepreise garantiert hat, die spürbar über den aktuellen Marktpreisen liegen. RWE versucht deshalb seit Monaten, in Verhandlungen mit den Lieferanten günstigere Konditionen durchzusetzen. Nun sei es erstmals gelungen, drei große internationale Öl- und Gasunternehmen zum Verzicht auf die umstrittenen Preisklauseln zu bewegen. Die Verträge seien entweder einvernehmlich beendet oder auf eine Marktpreisbindung umgestellt worden, sagte Pohlig. Dies sei für RWE ein strategisch wichtiger Durchbruch. In einer Reihe anderer Fälle, in denen die Lieferanten nicht zu einem Verzicht auf die lukrative Ölpreisbindung bereit waren, hat RWE inzwischen Schiedsverfahren eingeleitet. Der Konzern stelle sich darauf sein, sie bis zum Ende zu führen, sagte Pohlig. Der Gewinneinbruch bei RWE ist umso bemerkenswerter, weil die Umsätze mit gut 38 Milliarden Euro fast stabil blieben. Mit Blick auf das Gesamtjahr hält RWE an seiner bisherigen Prognose fest, wonach das operative Ergebnis (Ebitda) um rund 20 Prozent, das betriebliche Ergebnis um rund 25 Prozent und das nachhaltige Nettoergebnis um rund 35 Prozent unter dem Vorjahresniveau liegen sollen. (Quartalsbericht im Internet: http://url.dapd.de/2QDRVk) dapd |
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