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Auf und Ab bei Heizölpreisen macht Branche zu schaffen

Würzburg (ddp-bay). Bei Temperaturen über 30 Grad im Schatten
denkt beim besten Willen kein Vermieter oder Hausbesitzer an Heizöl.
Das ist nicht ungewöhnlich, das Verhalten der Verbraucher bereitet
aber den Händlern Kopfzerbrechen. «Früher haben die Leute im Herbst
Heizöl geordert, jetzt tun sie es, wenn es günstig ist», beschreibt
der Vorsitzende des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH)
Rudolf Bellersheim die Probleme der Branche.

So hätten die Händler etwa bis Mitte Juni noch Bestellungen aus
dem März abgearbeitet, die Folge des niedrigen Preises von unter 50
Cent für einen Liter Premium-Heizöl bei entsprechender Abnahmemenge
waren, sagte am Rande der Jahrestagung dreier Branchenverbände am
Freitag in Würzburg.

Nun wird bis Mitte Oktober eine Flaute befürchtet, da
durchschnittlich 64 Prozent der Tanks in den Häusern gefüllt seien.
«Der Verbraucher wird sich sehr zurückhalten, weil er so gut
bevorratet ist», folgert Klaus Biermann, Vorsitzender des
Gesamtverbandes des deutschen Brennstoff- und Mineralölhandels Region
West (gdbm). Dies mache sich auch bei den mittelständischen Händlern
bemerkbar, ergänzt sein Kollege Werner Böhnlein, Vorsitzender des
bayerischen Brennstoff- und Mineralienhandels-Verbands (BBMV).

Einige Betriebe hätten bereits Antrag auf Kurzarbeit gestellt,
einstweilen wolle man die Flaute aber mit dem Abbau von Überstunden
und Urlaub überbrücken. «Das allerletzte was wir machen, ist
entlassen», verspricht Biermann. Schließlich seien etwa
Tankwagenfahrer sehr spezialisiert und nicht ohne weiteres zu finden.

Der momentane Preis von rund 55 Cent pro Liter Premium-Heizöl sei
sehr attraktiv und stelle wieder ein «realistisches Preisniveau» dar.
Dass dies auch anders war, führt Verbandsvertreter Biermann auf den
schwunghaften Handel mit Optionen zurück: «Wir haben es den
Spekulanten zu verdanken, dass es jetzt solche Preisausschläge gibt.»
Unter dem Strich sei trotzdem Öl bezogen auf die letzten 20 Jahre der
günstigste Energielieferant, wobei auch etwa im Gegensatz zum Gas
eine dauerhafte Versorgung garantiert sei.

Die Branchenvertreter warben für moderne Brennwerttechnik, die
gegenüber einer 20 Jahre alten Anlage bis zu 25 Prozent Kosten und
damit auch CO2 einsparen könne. Bei Hybrid-Systemen, also einer
Kombination aus Solaranlage, Kaminofen und klassischer Heizung könnte
sogar die Hälfte Primärenergie eingespart werden. Solche Anlagen
würden zudem noch vom Staat gefördert werden, so die
Verbandsvertreter.

Einig waren sie sich in der Empfehlung, den jetzt noch niedrigen
Preis – im Juli 2008 kostete der Liter Premium-Heizöl noch über einen
Euro – zu nutzen. «Wer Platz im Tank hat, sollte vorausschauend
handeln und die aktuellen Preise zumindest für eine Teilbevorratung
nutzen», empfiehlt Bellersheim. Langfristig sei wieder mit steigenden
Preisen zu rechnen.

Dem widerspricht Hanno Lang-Behrens, Energieberater der
Verbraucherzentrale Bayern. «Das ist aus meiner Sicht
unkalkulierbar», sagt er auf ddp-Anfrage. Zum einen seien momentan
wieder die Spekulanten in das Ölgeschäft eingestiegen, zum anderen
gebe es zahlreiche psychologische Einflüsse, die sich gar nicht
vorher sehen lassen und mit der bloßen Verfügbarkeit des Rohstoffes
gar nichts zu tun hätten. Als Beispiel nennt der Experte die
Situation im Iran oder eventuelle Hurrikans im Herbst in den USA:
«Dann können die Preise auch wieder steigen.»

Mit Blick auf die weltweite Wirtschaftsrezession und die dadurch
sinkende Nachfrage nach Rohöl rechnet Lang-Behrens unter dem Strich
aber eher mit rückläufigen Preisen. «Ich würde empfehlen, zu
bestellen, wenn der Preis unter 50 Cent sinkt», sagt er. Einige
Händler würden anbieten, sich zu melden, wenn das entsprechende Limit
unterschritten ist, ähnlich wie beim Aktienhandel.

(ddp)

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