WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

12:36 | 19.01.2008
Bahn plant offenbar Sparprogramm

Berlin (ddp). Um die Kosten der Tarifabschlüsse mit den
Bahngewerkschaften aufzufangen, will der Vorstand der Deutschen Bahn
einem Magazinbericht zufolge in den nächsten Wochen ein Sparprogramm
auflegen. Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Samstag vorab
unter Berufung auf Aufsichtsratskreise meldete, plant das Unternehmen
unter anderem einen Einstellungsstopp. Insgesamt würden die
Lohnabschlüsse der vergangenen Monate das Unternehmen bis zum Jahr
2012 zusätzlich 1,6 Milliarden Euro kosten, berichteten das Hamburger
Magazin und die «Süddeutsche Zeitung» (Wochenendausgabe)
übereinstimmend.

Laut der «Süddeutschen Zeitung» erklärte Mehdorn in einem
Schreiben an die Belegschaft, im Wettbewerb mit anderen
Verkehrsunternehmen habe die Bahn damit einen «schweren Dämpfer»
erhalten und müsse jetzt «alle Möglichkeiten der Gegensteuerung
prüfen».

Beim neuen Tarifvertrag zwischen der Bahn und der
Lokführergewerkschaft GDL gebe es noch einiges zu klären, heißt es
nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» weiter in dem Brief Mehdorns.
Das betreffe unter anderem den Geltungsbereich des Lokführervertrages
und die Kooperation der Gewerkschaften untereinander.

Nach einem weiteren Zeitungsbericht sind Pläne für einen
Stellenabbau und die Kündigung des Jobpaktes bei der Deutschen Bahn
offenbar vom Tisch. Wie die Tageszeitung «Die Welt» (Samstagausgabe)
berichtete, hat Mehdorn nach Angaben des Transnet-Vorsitzenden
Norbert Hansen seine Drohung fallengelassen, als Folge der hohen
Tarifabschlüsse Arbeitsplätze abzubauen.

In einer Mitteilung des Bahn-Vorstands vom Freitagabend hieß es,
ein zweistelliger Tarifabschluss, so wie er jetzt in Eckpunkten
vereinbart sei, sei nicht ohne interne Konsequenzen zu verkraften,
zumal die Lohnsteigerungen damit bis zu viermal höher ausfielen als
bei den Wettbewerbern der Bahn. Deshalb müssten die Konditionen einer
Fortsetzung des Beschäftigungsbündnisses über 2010 hinaus im Lichte
der wirtschaftlichen Zwänge mit den Gewerkschaften neu verhandelt
werden.

Nach der Einigung zwischen der Deutschen Bahn und der
Lokführergewerkschaft GDL dringen auch die beiden anderen
Bahngewerkschaften Transnet und GDBA auf eine Arbeitszeitverkürzung.
«Im Rahmen der Entgeltstrukturverhandlungen über die Optimierung der
Arbeitszeiten werden wir auch eine generelle Verkürzung der
Wochenarbeitszeit einfordern», sagten Sprecher von Transnet und GDBA
der Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag» laut Vorabbericht. Schon in
den nächsten vier Wochen rechne man bei der GDBA mit einer Einigung.
Am 22. Januar soll die nächste Verhandlungsrunde mit der Bahn
starten.

Die GDL hatte für die 20 000 Lokführer eine Verkürzung der
Arbeitszeit um eine Stunde auf 40 Stunden pro Woche durchgesetzt. Für
die von Transnet und GDBA vertretenen über 100 000 Bahn-Mitarbeiter
soll es nach den bisherigen Planungen bei einer wöchentlichen
Arbeitszeit von 41 Stunden bleiben.

(ddp)


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