14:37 | 20.01.2008
Bahn plant offenbar Sparprogramm
Berlin (ddp). Die Deutsche Bahn sucht wegen der bevorstehenden
Tarifabschlüsse Möglichkeiten zur Kostensenkung. Die angekündigten
Stellenstreichungen sind aber vom Tisch. Um die Kosten der
Vereinbarungen mit den Bahngewerkschaften aufzufangen, will der
Bahnvorstand offenbar in den nächsten Wochen ein Sparprogramm
auflegen.
Wie das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» am Wochenende unter
Berufung auf Aufsichtsratskreise meldete, plant das Unternehmen unter
anderem einen Einstellungsstopp. Insgesamt würden die Lohnabschlüsse
der vergangenen Monate das Unternehmen bis zum Jahr 2012 zusätzlich
1,6 Milliarden Euro kosten, berichteten das Hamburger Magazin und die
«Süddeutsche Zeitung» (Wochenendausgabe) übereinstimmend.
Laut «Süddeutscher Zeitung» erklärte Mehdorn in einem Schreiben an
die Belegschaft, im Wettbewerb mit anderen Verkehrsunternehmen habe
die Bahn damit einen «schweren Dämpfer» erhalten und müsse jetzt
«alle Möglichkeiten der Gegensteuerung prüfen».
Beim neuen Tarifvertrag zwischen der Bahn und der
Lokführergewerkschaft GDL gebe es noch einiges zu klären, heißt es
nach Angaben der «Süddeutschen Zeitung» weiter in dem Brief Mehdorns.
Das betreffe unter anderem den Geltungsbereich des Lokführervertrages
und die Kooperation der Gewerkschaften untereinander.
Nach einem weiteren Zeitungsbericht sind Pläne für einen
Stellenabbau und die Kündigung des Jobpaktes bei der Deutschen Bahn
offenbar vom Tisch. Wie die Tageszeitung «Die Welt» (Samstagausgabe)
berichtete, hat Mehdorn nach Angaben des Vorsitzenden der
Bahngewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, seine Drohung
fallengelassen, als Folge der hohen Tarifabschlüsse Arbeitsplätze
abzubauen.
In einer Mitteilung des Bahn-Vorstands vom Freitagabend hieß es,
ein zweistelliger Tarifabschluss, so wie er jetzt in Eckpunkten
vereinbart sei, sei nicht ohne interne Konsequenzen zu verkraften,
zumal die Lohnsteigerungen damit bis zu viermal höher ausfielen als
bei den Wettbewerbern der Bahn. Deshalb müssten die Konditionen einer
Fortsetzung des Beschäftigungsbündnisses über 2010 hinaus im Lichte
der wirtschaftlichen Zwänge mit den Gewerkschaften neu verhandelt
werden.
Derweil hat Transnet den Weg für eine endgültige Beilegung des
Tarifkonflikts freigemacht. «Der Abschluss der Lokführer ist nach
dem, was ich bisher kenne, nicht höher als unserer. Damit gibt es
voraussichtlich keinen Grund, Nachverhandlungen einzufordern», sagte
Hansen der «Welt am Sonntag» kurz vor der Verhandlungsrunde am
Dienstag zwischen der Tarifgemeinschaft Transnet/GDBA und der Bahn
über ein neues Entgeltsystem. Wenn die Bahn sich von dem bislang
erzielten Ergebnis nicht wieder verabschiede, sehe er keine Konflikte
mehr. Entscheiden müssten dies aber die zuständigen Gremien.
Offenbar dringen die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA aber auf
eine Arbeitszeitverkürzung. «Im Rahmen der
Entgeltstrukturverhandlungen über die Optimierung der Arbeitszeiten
werden wir auch eine generelle Verkürzung der Wochenarbeitszeit
einfordern», sagten Sprecher der beiden Gewerkschaften der
Wirtschaftszeitung «Euro am Sonntag». Die GDL hatte für die 20 000
Lokführer eine Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde auf 40
Stunden pro Woche durchgesetzt.
(ddp)
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