11:56 | 12.09.2008
Bahn verzichtet auf sogenannten Bedienzuschlag
Berlin (). Die Deutsche Bahn wird auf ihren umstrittenen
sogenannten Bedienzuschlag verzichten. Dies habe der Konzern am
Freitag entschieden, gab das Unternehmen in Berlin in einer
Ein-Satz-Mitteilung bekannt. Zu einer Stellungnahme zu den
Hintergründen war der Konzern auf Nachfrage nicht bereit. In einem
Brief der Bahn an ihre Mitarbeiter hieß es, “aufgrund der in der
Öffentlichkeit und von unseren Kunden geführten Diskussion um den
Bedienzuschlag für den personenbedienten Verkauf von Fahrscheinen in
den Reisezentren der Bahn haben wir die Maßnahme noch einmal
überprüft”.
Ursprünglich wollte die Bahn mit der Preiserhöhung um
durchschnittlich 3,9 Prozent zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember für
den Fahrkartenkauf am Schalter eine Gebühr von 2,50 Euro pro Strecke
erheben. Mit dem Vorhaben war der Konzern bei allen Parteien sowie
bei Verbraucherverbänden auf scharfe Kritik gestoßen.
Zwar hatte die Bahn erst am Mittwoch Zugeständnisse gemacht, indem
sie ankündigte, ältere Bahncard-Inhaber von der Gebühr ausnehmen zu
wollen. Allerdings spitzte sich die Situation zu, nachdem
bekanntgeworden war, dass die Extra-Gebühr nicht nur pro Kaufvorgang,
sondern pro Wegstrecke berechnet werden sollte. Bundeskanzlerin
Angela Merkel (CDU) soll einem Zeitungsbericht zufolge in einem
Telefonat mit dem Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn ihr Unbehagen
ausgedrückt haben. Zuvor hatte bereits Bundesverkehrsminister
Wolfgang Tiefensee (SPD) die Führung des Staatskonzerns zur Aufgabe
der Pläne aufgefordert.
Tiefensee begrüßte nun die Kehrtwende des Konzerns. “Der Vorstand
der Deutsche Bahn AG ist zur Vernunft gekommen und hat heute eine
gute und klare Entscheidung für alle Bahnkunden getroffen”, sagte er.
“Ich freue mich, dass meine intensiven Gespräche in den letzten zwei
Wochen mit dem Vorstandsvorsitzenden der DB AG dazu geführt haben,
dass der Bedienzuschlag nun endgültig vom Tisch ist”, fügte er hinzu.
Die Gewerkschaft Transnet begrüßte die Entscheidung, sorgt sich
aber nun um die Arbeitsplätze in den rund 400 Reisezentren. “Wir
verlangen dennoch eine Standortgarantie für die Reisezentren, deren
Schalter, Öffnungszeiten und Personal, wie von DB-Chef Mehdorn
zugesagt”, sagte Transnet-Vorstand Karl-Heinz Zimmermann. Mehdorn
hatte die Einführung der Sondergebühr damit begründet, damit den
Erhalt der rund 400 Reisezentren garantieren zu können.
(ddp)
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