WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

13:45 | 23.01.2010
Bahn will bis Ende Februar Bericht zum S-Bahn-Chaos vorlegen

Berlin (ddp-bln). Die Deutsche Bahn will bis Ende Februar einen
Abschlussbericht zur S-Bahn-Krise in Berlin vorlegen. Das kündigte
Bahn-Chef Rüdiger Grube im Magazin der Gewerkschaft Transnet «inform»
an. Dabei gehe es vor allem um mögliche Wartungsmängel. Einen Verkauf
des Tochterunternehmens der Deutschen Bahn lehnte Grube ab. Die
Fahrpreise im Nahverkehr bleiben infolge der anhaltenden Probleme
aller Voraussicht nach vorerst stabil.

Eine externe Anwaltskanzlei habe für den Bericht über 100
Interviews geführt, sagte Grube. Es gehe dabei vor allem um mögliche
Wartungsmängel. «Wenn bei den Bremszylindern Arbeiten nicht
durchgeführt worden sind, dann hat es hier schwere Versäumnisse
gegeben. Da lässt sich auch nichts schönreden.»

Grube zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die Deutsche Bahn AG
die Krise lösen werde. Ein Verkauf der S-Bahn komme nicht in Frage.
«Es wäre ein Armutszeugnis, wenn die Deutsche Bahn ihr Kerngeschäft
nicht mehr bewältigen könnte. Wir werden das in Ordnung bringen, und
wir werden dafür sorgen, dass die S-Bahn wieder ein Vorzeigebetrieb
wird.»

Nach Angaben des Bahn-Chefs wurden zur Behebung der Probleme acht
Maßnahmen beschlossen. Dazu gehöre neben der bereits erfolgten
Wiederöffnung der Werkstatt Friedrichsfelde auch eine
Bestandsgarantie für die Hauptwerkstatt Schöneweide bis 2017. Darüber
hinaus solle die Personalplanung überdacht werden. Unter anderem
werde geprüft, bis zu 300 derzeit befristet Beschäftigte fest
einzustellen. Auch sollten Fahrzeuge der Baureihe 485 wieder in
Betrieb genommen werden. «Das wird alles viel Geld kosten», sagte
Grube.

Kritik übte der Bahn-Chef am Hersteller der S-Bahnen, dem
Bombardier-Konzern. «Bombardier hat sich in diesem Zusammenhang stark
zurückgehalten. Wenn wir nicht die Treiber sind, ist Bombardier nicht
sichtbar.» Seit Sommer 2009 sei bekannt, dass die Räder der S-Bahnen
der Baureihe 481 «falsch ausgelegt sind». Darauf sei ein Teil der
S-Bahn-Problematik zurückzuführen. «Was mich aber ärgert, ist, dass
wir dann auch noch für selbst gemachte Probleme gesorgt haben»,
räumte Grube ein.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kommt am
Donnerstag (28. Januar) erneut mit Grube zusammen, um über die
anhaltenden Probleme zu reden. Er hatte verstärkte Anstrengungen vom
Mutterkonzern und verbindliche Angaben gefordert, wann wieder ein
komplettes Angebot bereitgehalten werden kann. Zugleich plädierte
Wowereit für eine «angemessene Entschädigung» der Kunden.

Seit Sommer 2009 bietet die S-Bahn wegen Problemen an Bremsen und
Achsen nur einen eingeschränkten Betrieb an. Experten sehen die
Ursache vor allem in Wartungsmängeln. Das Eisenbahnbundesamt
verlängerte deshalb die Betriebsgenehmigung nur um ein Jahr. Der
Senat hatte im Januar von den Zuwendungen an die S-Bahn weitere sechs
Millionen Euro einbehalten, fast ein Drittel der vereinbarten
monatlichen Abschlagszahlung.

Unterdessen steigen die Chancen, dass die Fahrpreis nicht nur
2010, sondern auch im nächsten Jahr stabil bleiben. Grund sei die
andauernde S-Bahn-Krise, sagte BVG-Chef Andreas Sturmowski. «Die
Notwendigkeit, die Tarife nach einer langen Preisstabilität zu
erhöhen, steht für uns schon im Raum. Doch uns ist klar, dass dieses
Thema angesichts der andauernden Situation bei der S-Bahn auf längere
Sicht nicht zur Debatte stehen wird», fügte er hinzu. Das gelte nicht
nur für 2010, sondern nach Lage der Dinge auch für das nächste Jahr.
Zuletzt waren die Fahrpreise im April 2008 gestiegen.

(ddp)


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