WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

8:54 | 28.04.2009
Bauern fordern die Hilfe der Politik

Passau/Köln (ddp). Vor dem «Runden Tisch» mit Agrarministerin Ilse
Aigner (CSU) zum Thema Milchpreise hat Bauernverbandspräsident Gerd
Sonnleitner die Politik erneut aufgefordert, den Bauern «gezielt» zu
helfen. Die Wirtschaftskrise habe die gesamte Landwirtschaft
erwischt, sagte Sonnleitner am Dienstag im ARD-«Morgenmagazin». Nicht
nur die Milchpreise, auch die Schweine- und Getreidepreise seien am
Boden. Dies habe zu Liquiditätsproblemen bei den Bauern geführt.

Von der Politik verlangte Sonnleitner fördernde Maßnahmen wie
Verbrauchshilfen sowie steuerliche Erleichterungen. Anders könnten
die Bauern angesichts der «katastrophalen Preise» nicht überleben. Im
Ergebnis könne die Versorgungssicherheit nicht mehr von deutschen
Bauern garantiert werden.

Der deutsche Einzelhandel zeigte sich vor dem «Runden Tisch»
zurückhaltend. «Es wird nicht viel dabei herauskommen. Niemand wird
die große Lösung aus dem Hut zaubern können», sagte Hubertus
Pellengahr vom Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) der
«Passsauer Neuen Presse» (Dienstagausgabe). Der Handel sei nicht
schuld an den aktuell niedrigen Preisen für Milch- und Milchprodukte.
«Die Ursache ist die Überproduktion», sagte Pellengahr. Es werde
aktuell 20 Prozent mehr Milch produziert als konsumiert: «Das ist ein
Marktmechanismus, den nicht einmal die Politik außer Kraft setzen
kann.»

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter
(BDM), Romuald Schaber, wies im Vorfeld des Treffens mit Aigner auf
die dramatische Lage vieler Milchbauern hin. Schaber sagte im
Deutschlandradio Kultur, in einigen Regionen Deutschlands würden seit
einigen Monaten Milchauszahlungspreise «um die 20 Cent» gezahlt.
Damit könnten die Bauern nicht einmal mehr die laufenden Kosten
decken. «Die Betriebe stehen mittlerweile wirklich mit dem Rücken zur
Wand», sagte der BDM-Vorsitzende.

Allein mit «Absatzprogrammen» lasse sich das Problem der
«Überversorgung mit Milch am Markt» nicht lösen, sagte Schaber. Man
müsse auch die Milchmenge auf dem Markt nicht nur in Deutschland,
sondern in ganz Europa verringern. Notwendig seien jedoch klare
Vorgaben seitens der Politik.

Der agrarpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion,
Hans-Michael Goldmann, erklärte in Berlin, die Bundesregierung lasse
die Bauern im Stich. Mit ihrer bisherigen Milchpolitik habe sie die
Landwirte «verschaukelt». Nach dem Milchgipfel des vergangenen Jahres
seien die Milchpreise heute auf einem historischen Tief. Die
Versprechen des damaligen Ministers Horst Seehofer (CSU) seien «nur
noch Schall und Rauch». Runde Tische statt Hilfen für die Landwirte
seien das ernüchternde Ergebnis der schlechten Agrarpolitik der
Bundesregierung.

(ddp)


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