WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

14:07 | 25.06.2008
Bauindustrie erwartet in diesem Jahr Umsatzplus

Berlin/Wiesbaden (ddp). Trotz der gesamtwirtschaftlichen Risiken
rechnet die deutsche Bauindustrie weiterhin mit einem Umsatzplus in
diesem Jahr. Nominal sei ein Zuwachs von vier Prozent möglich, sagte
der Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB),
Hans-Peter Keitel, am Mittwoch in Berlin. Allerdings werde ein
Großteil durch Steigerungen bei den Baustoffpreisen «aufgefressen».
Dadurch bleibe lediglich ein reales Umsatzplus von einem Prozent.

Zumindest in einigen Regionen habe die Baunachfrage an Schwung
verloren, sagte Keitel weiter. Dadurch habe das baukonjunkturelle
Ost-West-Gefälle zugenommen. Während die westdeutschen Bauunternehmen
ihre Auftragseingänge in den ersten vier Monaten dieses Jahres noch
einmal um 7,2 Prozent steigern konnten, blieb der Ordereingang der
ostdeutschen Baubetriebe um 3,9 Prozent hinter dem Vorjahresniveau
zurück.

Motor der Baukonjunktur sei zumindest in den westdeutschen
Bundesländern weiterhin der Wirtschaftsbau, sagte Keitel. Mit über
acht Prozent habe es die größten Zuwächse im ersten Quartal jedoch im
öffentlichen Bau gegeben. Grund sei die «kleine Investitionswende» in
einigen Kommunen, die dank steigender Gewerbesteuereinnahmen mehr für
Infrastruktur ausgegeben hätten.

Beim Wohnungsbau könnten im Laufe des Jahres voraussichtlich die
Spätfolgen der Ende 2006 ausgelaufenen Eigenheimzulage sowie der
Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 überwunden werden, sagte der
ehemalige Chef des größten deutschen Baukonzerns Hochtief weiter.
Auftragseingänge und Umsätze ließen zwar noch zu wünschen übrig. Doch
die leichten Zuwächse bei der Zahl der Baugenehmigungen deuteten
darauf hin, dass «die Talsohle erreicht» sei.

Trotz der überwiegend positiven Ergebnisse habe die Zahl der
Beschäftigten in der Baubranche in den ersten vier Monaten dieses
Jahres um 20 000 auf 693 000 abgenommen, teilte das Statistische
Bundesamt in Wiesbaden mit. Als Grund nannte Keitel den Mangel an
Fachkräften sowie die Abwanderung qualifizierter Kräfte in andere
Branchen beziehungsweise der Übergang in den Ruhestand. Gleichzeitig
habe jedes siebte Unternehmen im vergangenen Jahr keine geeigneten
Bewerber für seine Ausbildungsplätze gefunden. Kritisiert worden
seien dabei vor allem Mängel im mündlichen und schriftlichen
Ausdrucksvermögen der jugendlichen Kandidaten sowie «unzureichende
elementare Rechenfertigkeiten».

Mit Blick auf die Mindestlohndebatte sagte
HDB-Hauptgeschäftsführer Michael Knipper, Ziel sei es, ab 2009
einheitliche Mindestlöhne für die ost- und westdeutsche Baubranche zu
erreichen. Am Wochenende hatten der HDB und die Gewerkschaft IG Bau
einem Schiedsspruch des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers
Wolfgang Clement (SPD) zugestimmt, wonach die Mindestlöhne im
ostdeutschen Baugewerbe für ein weiteres Jahr unverändert bleiben,
während die Mindestlöhne im Westen leicht angehoben werden.

Auf das kommende Jahr blicke Keitel nicht nur wegen des
zunehmenden Fachkräftemangels vollere Sorgen. Auch wenn sich der
derzeitige Wirtschaftsaufschwung als robuster erweise als erwartet,
spreche viel dafür, dass die Investitionsgüterkonjunktur in diesem
Jahr ihren Zenit überschreiten werde, sagte der Verbandspräsident.
Bei den Bauumsätzen werde sich das Wachstum daher einer «realen Null»
nähern.

(ddp)


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