16:53 | 02.12.2009
Belgische Schokolade in Brandenburg
Hornow (ddp-lbg). Die Idee für die Gründung einer
Schokoladenmanufaktur in Brandenburg kam Goedele Matthyssen in
Nigeria. Die Belgierin lebte mit ihrem Ehemann einige Jahre in
Afrika. Was die beiden dort am meisten vermissten, war Schokolade.
«Wir sind als Belgier schon mit Pralinen aufgewachsen, das gehört zu
unserem Alltag», sagt sie. Doch statt in der Heimat Schokolade zu
verkaufen, suchten sie einen Ort, wo die Kakaoprodukte eine
Marktlücke darstellten. Eine Bekannte erzählte ihnen, dass in der
ehemaligen DDR Aufbruchstimmung herrsche. «Vor 17 Jahren kamen wir
nach Hornow, so entstand die Confiserie Felicitas», erinnert sich die
zierliche blonde Unternehmerin.
In der Vorweihnachtszeit werden heute in der Lausitzer
Schokoladenmanufaktur täglich mehr als 400 Kilogramm Schokolade unter
anderem zu Engeln, Tannenbäumen, Nikolausstiefeln und Glocken
gegossen. Eine Spezialanfertigung ist der rund einen Meter große
Weihnachtsmann. «Die Rohmasse importieren wir aus Belgien, die
restlichen Zutaten kommen aus der Region», sagt Matthyssen, die
ursprünglich Krankenschwester war und sich in Antwerpen zum
Chocolatier ausbilden ließ. Alle Produkte werden in Hornow von Hand
gegossen, verziert und verpackt. Neben den Hornower Produktionshallen
befindet sich ein Werksverkauf, bei dem Besucher die Süßwaren kaufen
können.
«Besonders gut verkauft sich Bruchschokolade», sagt die Besitzerin
und verrät gleichzeitig noch ein Geheimnis: «Eigentlich gibt es
Bruchreste gar nicht, da wir zerbrochene Schokolade wieder
einschmelzen können.» Aber da die Kundschaft Schokostücke so schätze,
produzierten die Mitarbeiter absichtlich «zerbrochene» Schokolade.
Zusätzlich zu Pralinen, Marzipan und Schokolade bietet die Confiserie
einen Widmungsservice an. Kunden können sich Schriftzüge wünschen,
die dann mit Schokolade auf die Produkte geschrieben werden.
Über mangelnde Nachfrage kann sich Matthyssen nicht beschweren.
Mittlerweile werden in rund 500 Geschäften bundesweit Produkte der
Confiserie Felicitas vertrieben. Neben dem Standort in Hornow gibt es
noch eine Filiale in Dresden; in Potsdam soll ein Geschäft kommenden
Februar eröffnen. «Die ersten sieben Jahre hatten wir es aber sehr
schwer», erinnert sich die Mutter von drei Kindern. Die
Produktionskosten waren sehr hoch, die Bürokratie kompliziert und
Finanzspritzen schwer zu erhalten. Umso glücklicher ist die belgische
Familie nun darüber, derzeit 58 Mitarbeiter in Hornow zu haben. «Seit
ich hier arbeite, bin ich viel wählerischer geworden, was Schokolade
betrifft», sagte Evi Hänchen, die in der Verpackungsabteilung tätig
ist.
Die Confiserie Felicias wirbt mit dem Spruch «Neun von zehn Leuten
mögen Schokolade. Der Zehnte lügt». Wer die Reisebusse in Hornow und
die vollen Körbe der Besucher an der Kasse sieht, wird an diesem Satz
nicht zweifeln. In Belgien ist Schokolade aber wohl noch beliebter.
Die Chocolatier-Meisterin ist überzeugt: «In meiner Heimat mögen zehn
von zehn Menschen Schokolade.»
(ddp)
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