15:45 | 20.03.2010
Belgische Schokolade jetzt auch in Potsdam
Potsdam (ddp-lbg). Auf der Gästeliste von Goedele Matthyssen für
die Eröffnung ihrer Confiserie am Montag (22. März) in Potsdam stehen
prominente Namen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck
findet sich darauf ebenso wie Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs
und der belgische Botschafter Mark Geleyn. Matthyssen ist Belgierin,
gelernte Krankenschwester und einstige Entwicklungshelferin im
afrikanischen Nigeria.1992 war sie in die Lausitz gezogen, um in der
von Braunkohle und Arbeitslosigkeit geprägten Region wagemutig
Schokolade zu produzieren. Jetzt hat es die Brandenburger
Unternehmerin des Jahres 2005 und Chefin der Schokoladenmanufaktur
Felicitas im Lausitzdorf Hornow auch in die Landeshauptstadt gezogen.
Trotz der hochrangigen Gästeliste bleibt Matthyssen bescheiden.
«Denen muss unsere Schokolade ja erstmal schmecken», sagt sie. Und
auch die Postdamer Kundschaft will sie ohne jede Vorschusslorbeeren
mit ihren Marzipankroketten, Champagnerpralinen und Ingwerschokoladen
überzeugen. «Unser Unternehmen ist gerade 18 Jahre alt geworden, und
wir haben den Führerschein nach Potsdam bekommen. Jetzt müssen wir
hier auch fahren können», sagt Matthysen.
Die Confiserie in Potsdam ist nicht der erste Ausflug der Hornower
Unternehmerin. Bereits 2008 hat Matthysen den Sprung aus der Lausitz
gewagt und im edlen Quartier QF an der Dresdner Frauenkirche einen
Laden eröffnet. Grund für die Expansion war die immense Nachfrage
nach den rund 700 Produkten, die die 30 Mitarbeiter bei Felicitas in
der Lausitz kreieren. «Am Anfang haben wir nur einzelne Läden
beliefert. Die Kunden wollten irgendwann mehr, ohne aber dafür nach
Hornow fahren zu müssen», sagt Matthysen. Also beschloss sie, ihre
frische Schokolade direkt bei den Stammkunden anzubieten.
Im Falle von Potsdam, von wo jedes Jahr knapp 10 000 Besucher
meist per Bus in Richtung Hornow aufbrechen, mussten sich die Fans
von Matthysens Schokoladen allerdings länger als geplant gedulden.
Denn ursprünglich sollte die Filiale in der Gutenbergstraße bereits
im Frühling vergangenen Jahres eröffnet werden. Doch vor allem die
hohen Auflagen des Denkmalschutzamtes machten der Belgierin einen
Strich durch die Planung. So beäugten die Baufachleute allzu kritisch
den Umbau des 300 Jahre alten Hauses zur Schokoladenmanufaktur.«Von
den handbemalten Fließen im Flur bis zur Fensterfarbe musste alles
abgesprochen werden. Bis ins Detail sollte das perfekt sein», sagt
Matthysen.
Für die Wartezeit werden die Potsdamer ab Montag mit einem
perfekten Ambiente und zudem noch echter Bioschokolade entschädigt.
Denn im gläsernen Produktionsraum gleich neben dem Laden stammen die
Zutaten wie Kakao und Sahnebutter ausschließlich von unbehandelten
Plantagen und kontrollierten Herstellern. Zudem ist die technische
Ausstattung der Manufaktur biozertifiziert.
Dass sie sich für eine solch ungleich teurere Produktionsweise
entschieden hat, hält Matthysen zum einen für einen Dienst an die
anspruchsvolle Kundschaft. Zudem scheint damit aber auch eine
Entscheidung über die Zukunft ihrer Confiserie in der Lausitz
gefallen zu sein. «So viel Geld hätte ich nicht mehr in Hornow
gesteckt», sagt Matthysen unter Verweis auf die drohende Zukunft der
einstigen Kinderstube von Felicitas. «Ab 2035 will Vattenfall hinter
unserem Haus nach Braunkohle baggern. Unter solchen Bedingungen ist
Hornow für große Investitionen nicht mehr interessant.»
(ddp)
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