10:50 | 20.04.2008
Bienen in Not
Schwerin (ddp-nrd). Wenn die Imker in Mecklenburg-Vorpommern Ende
April ihre Bienenvölker aus der Winterruhe holen, wird der Blick auf
die Waben für viele ein trauriger Moment sein. In den vergangenen
Monaten wurden nach Ansicht des Landesvorsitzenden des
Imkerverbandes, Wolf-Dieter Feldkamp, die Bestände stark dezimiert.
Einige Imker hätten sicher mehr als die Hälfte ihrer Bienenvölker
verloren, sagt er. «Die Verluste waren noch nie so hoch wie in diesem
Jahr.» Erneut habe vor allem die Varroa-Milbe den Beständen
geschadet. Doch auch unter der zunehmend einseitigen Bewirtschaftung
der Wiesen und Felder des Landes sowie unter der Witterung leiden die
Bienen.
Ende 2007 unterhielten nach Angaben des Deutschen Imkerbundes die
knapp 1500 Bienenfreunde im Nordosten etwa 15 600 Völker. Während die
Zahl der Imker in den vergangenen Jahren stabil war, sank dem
Agrarbericht des Landes zufolge jedoch die Zahl der Völker seit 2005
um jährlich bis zu zehn Prozent. Die Stressfaktoren für die Bienen
hätten zugenommen, sagt Feldkamp.
Bienenzucht ist seinen Worten zufolge vor allem ein Hobby älterer
Menschen. Wenn sie große Bestandsverluste zu beklagen haben, geben
viele die Arbeit mit den Tieren endgültig auf. «Die Zucht ist
anspruchsvoller geworden», erläutert Feldkamp. Dennoch will er von
Nachwuchssorgen bei den Imkern nichts wissen. Erst kürzlich sei ihm
eine Ausgabe der Fachzeitschrift «Uns Imm» von 1915 in die Hände
gekommen. «Und schon damals wurde das Ausbleiben der Jungen beklagt.»
Vielmehr Sorge bereiten dem Verband die immer milderen Winter. Die
Witterung begünstige die Ausbreitung der vor 30 Jahren aus Asien
eingeschleppten Varroa-Milbe. Mittlerweile gebe es keine Völker mehr,
die von dem Parasiten nicht befallen seien, sagt Feldkamp. Aus den
Bienenlarven würden dann nur noch verkrüppelte Jungtiere schlüpfen.
Zudem beginne durch die milde Witterung die Brut der Bienen immer
früher. Zu diesem Zeitpunkt fehle den Tieren jedoch oft ausreichend
Nahrung, um den Nachwuchs genügend zu ernähren.
Ach die geänderte Bewirtschaftung der Felder sowie einige
Umweltverordnungen erschweren die Bienenzucht. Während im Frühjahr
ein Überangebot an Blüten besteht, herrscht im Herbst stellenweise
ein Mangel. Zwar habe die Rapsanbaufläche im Nordosten um ein Viertel
zugenommen, doch Lupinen und Ackersenf fänden die Tiere immer
seltener, sagt Feldkamp.
Aus dem Agrarbericht geht hervor, dass allein zwischen 2005 und
2006 die Anbaufläche sogenannter Energiepflanzen, die meist blütenlos
sind, um ein Drittel auf 63 000 Hektar angewachsen ist. Vor allem zum
Saisonende fehle den Tieren die Möglichkeit, sich genügend Nahrung
für den Winter anzulegen, sagt Feldkamp. Bleiben die Bienen aus, kann
dem Experten zufolge schnell das ganze Ökosystem kippen. Durch die
zügige Entfernung abgestorbener und hohler Bäume in den Wäldern sei
die Wildbiene bereits nahezu verschwunden.
Derzeit gibt es im Land dem Verband zufolge 26 Berufsimker. Die
meisten arbeiten mit bis zu 100 Völkern, lediglich zwei von ihnen
betreuen über 250 Völker. Für weitere 120 Bienenfreunde ist die Zucht
ein Nebenerwerb.
Werden die bis zu 50 000 Tiere eines Volkes regelmäßig an neue
Standorte gebracht, sammeln die Immen, die weiblichen Bienen, im Jahr
bis zu 60 Kilogramm Honig. Steht der Bienenwagen hingegen ganzjährig
im selben Garten, erwirtschaftet Feldkampf zufolge ein Volk nur knapp
ein Drittel der Honigmenge. Allerdings würden viele Landwirte und
Förster mittlerweile Standgebühren verlangen, wenn ein Volk auf ihren
Wiesen oder an den Waldrändern aufgestellt werde.
Feldkamp selbst betreibt die Imkerei nur noch als Hobby. Er
besitzt derzeit noch acht Völker. Wenn der Landesverbandsvorsitzende
am Monatsende in die Saison startet, rechnet auch er damit, Verluste
verkraften zu müssen. Die Zucht aufgeben, will er aber nicht. «Dafür
bin ich schon zu lange dabei.»
(ddp)
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