10:10 | 16.04.2008
Bundesnetzagentur warnt vor Stromlücke
Berlin (ddp). Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth,
warnt vor einem Abschalten der Atomkraftwerke, ohne neue
Kohlekraftwerke zu bauen. «Wind- und Gaskraftwerke allein reichen
nicht: Wir brauchen auch neue, moderne Kohlekraftwerke, um den
Strombedarf in Deutschland mittelfristig zu decken», sagte Kurth der
«Bild»-Zeitung (Mittwochausgabe). Nur so könne verhindert werden,
dass die Strompreise durch Verknappung des Angebots noch weiter
steigen.
Derweil wies Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) Warnungen
vor einer Stromlücke als «Schreckensszenario» zurück. Die von Teilen
der Wirtschaft und der Union aufgestellte Behauptung einer Stromlücke
habe auch das Ziel, die Atomenergie wieder hoffähig zu machen, weil
dies vermeintlich im Sinne des Klimaschutzes sei, sagte Gabriel der
»Neuen Osnabrücker Zeitung« (Mittwochausgabe).
Den Grünen warf Gabriel vor, sich in Hamburg mit der CDU auf ein
gefährliches Bündnis einzulassen. Sie führten einen populistischen
Wahlkampf gegen Kohlekraftwerke, verschwiegen dabei aber, dass wegen
der europäischen absoluten Obergrenze für CO2-Emissionen der
Kohlendioxid-Ausstoß durch neue Kraftwerke nicht steigen könne. «Das
kurzfristige Interesse, Investitionen in neue effizientere
Kohlekraftwerke zu verhindern, führt dazu, dass alte Dreckschleudern
weiter am Netz bleiben und der Druck für eine Verlängerung der
Restlaufzeiten von Atommeilern stärker wird«, kritisierte Gabriel.
Die Grünen betrieben so ungewollt das Geschäft der Atomlobby.
Der Energieexperte Georg Erdmann von der Technischen Universitität
Berlin erwartet in Deutschland eine weniger zuverlässige
Stromversorgung und höhere Preise. Grund sei, sagte Erdmann am
Mittwoch im Deutschlandradio Kultur, dass seit 10 bis 15 Jahren nicht
mehr ausreichend in Kraftwerke und Netze investiert wurde.
Deutschland brauche neue Kraftwerke, für die aber die Akzeptanz in
der Bevölkerung fehle. Der Experte warnte davor, es könne ein
Situation entstehen, »in der sich einer vielleicht den Strom nicht
mehr wird leisten können.” Der Ökonomieprofessor leitet die Abteilung
Energiesysteme an der TU Berlin.
(ddp)
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