WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

15:55 | 08.12.2009
Bundesregierung setzt auf die IT-Branche

Stuttgart (ddp-bwb). Die Bundesregierung sieht in der
Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) große Chancen für
den Wirtschaftsstandort Deutschland. Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) sagte am Dienstag in Stuttgart auf dem vierten Nationalen
IT-Gipfel der Bundesregierung, die Branche sei ein «unabdingbarer
Faktor» für die Stärkung der Wirtschaft. Bundeswirtschaftsminister
Rainer Brüderle (FDP) fügte hinzu, er sehe großes Wachstumspotenzial
auf dem Arbeitsmarkt. Die Bundesregierung will bis Sommer 2010 eine
umfassende Strategie zur digitalen Zukunft Deutschlands vorlegen.

Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wollen laut der «Stuttgarter
Erklärung» unter anderem den Ausbau der Breitbandversorgung weiter
voranbringen und eine «Zukunftsinitiative Intelligente Netze»
starten. Deutschland solle dadurch eine «internationale
Vorreiterrolle» etwa bei Gesundheitsversorgung und E-Learning
einnehmen.

Merkel sagte, der Gipfel habe in diesem Jahr der Wirtschaftskrise
«eine symbolische Bedeutung». Sie sehe in der Branche einen
«Wachstumsbereich». Besonders beim Ausbau der Breitbandversorgung
habe sich die Bundesregierung «sehr ambitionierte Ziele gesetzt». Vom
Zugang zu einer schnellen Internetverbindung hänge künftig
«existenziell» die Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen ab.

Die Kanzlerin lobte überdies die Wirtschaft dafür, die
Möglichkeiten der Informationstechnologie zum Umweltschutz
aufgegriffen zu haben. Laut einer am Dienstag von mehreren
Unternehmen vorgelegten Studie kann bis zum Jahr 2020 ein Viertel der
CO2-Emissionen oder anderer Schadstoffe in Deutschland alleine mit
Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologie eingespart
werden. Zwar ist die Branche der Studie zufolge selbst nur wenig an
dem Ausstoß der Schadstoffe verantwortlich. Sie kann aber helfen, in
anderen Industriezweigen CO2 einzusparen. Als Beispiele wurden die
Verkehrs- und Logistikbranche, die Gebäude- sowie die Stromwirtschaft
genannt.

Brüderle sagte, der Ausbau der Breitbandversorgung berge große
Chancen für den Arbeitsmarkt. Einer OECD-Studie zufolge könnten in
den kommenden zehn Jahren europaweit eine Million neuer Jobs in der
Branche entstehen, davon ein Drittel in Deutschland. Die Branche
könne ein «Turbo» für die wirtschaftliche Entwicklung sein.

Nach Angaben des Präsidenten des Branchenverbands BITKOM,
August-Wilhelm Scheer, sind alleine in den Segmenten Software und
Consulting in den vergangenen fünf Jahren bundesweit 100 000
Arbeitsplätze entstanden. Laut Prognosen seien in den kommenden fünf
Jahren ebenso viele zu erwarten. Die Branche habe zudem noch 20 000
offene Stellen. Die Krise habe das Problem des Fachkräftemangels nur
gemildert, nicht beseitigt.

Im kommenden Jahr soll der Gipfel laut Merkel in Dresden
stattfinden.

(ddp)


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