WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

13:17 | 08.12.2008
“Der Abschwung ist beim Mittelstand angekommen”

Berlin (ddp). Die mittelständischen deutschen Unternehmen blicken
pessimistischer in die Zukunft. Bei der Herbstumfrage des
Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) habe nur noch jedes
dritte befragte Unternehmen «sehr gute oder gute» Geschäfte für die
kommenden sechs Monate erwartet, sagte Frank Wallau vom Bonner
Institut für Mittelstandsforschung (IfM) am Montag in Berlin. Die
aktuelle Geschäftslage beurteilten noch 52,0 Prozent als «sehr gut
oder gut».

Vor allem die Bauindustrie und Unternehmen mit einer hohen
Exportquote erwarten laut Wallau in den kommenden sechs Monaten
schlechtere Geschäfte. Insgesamt rechneten 39 Prozent der befragten
Unternehmen mit einer Abwärtsbewegung der Wirtschaft und begründeten
dies vor allem mit einer nachlassenden Nachfrage im Inland und
höheren Rohstoff- und Energiepreisen.

«Der Abschwung ist beim Mittelstand angekommen», betonte der
Vorsitzende des BDI-Mittelstandsausschusses, Arndt G. Kirchhoff.
Allerdings zeige die Umfrage, dass die Unternehmen gut vorbereitet
seien und in den vergangenen Jahren ihre Wettbewerbsfähigkeit
gestärkt hätten. Froh stimme ihn auch, dass es bislang noch nicht zum
Abbau von Arbeitsplätzen gekommen sei.

Der Herbstumfrage zufolge beurteilten die Befragten die
politischen Rahmenbedingungen deutlich negativer als noch im
Frühjahr. Viele erwarteten einen politischen Stillstand, sagte
Wallau. Derzeit stellten knapp 28 Prozent der Politik ein
«schlechtes/sehr schlechtes» Zeugnis aus. Die Aussichten für die
nächsten zwölf Monate bewerteten sogar fast 46 Prozent als «schlecht
oder sehr schlecht».

Kirchhoff zufolge muss der Staat eine Wachstumsoffensive starten.
Dazu gehöre ein für den Industriestandort Deutschland tragbarer
Kompromiss beim Emissionshandel sowie verstärkte Investitionen, ein
Bürokratieabbau sowie die Entlastung von Unternehmen und
Beschäftigten durch die Senkung der Lohnzusatzkosten.

Nach Angaben von Peter Englisch von der Beratungsfirma Ernst &
Young sollte über ein Rettungspaket für mittelständische Unternehmen
nachgedacht werden. Besonders gefährdete Branchen seien die
Autoindustrie und damit verbundene Bereiche.

Der Chefvolkswirt der IKB Deutsche Industriebank, Kurt Demmer,
sagte: «Die Unternehmen stehen vor etlichen schwierigen Monaten und
auch Quartalen mit rückläufigen Umsätzen und rückläufigen Erträgen.
Die Zahl der Insolvenzen wird in einigen Branchen merklich zunehmen».

(ddp)


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