WIRTSCHAFTSNACHRICHTEN

13:52 | 22.04.2010
Deutsche Bahn will Arriva übernehmen

Berlin (ddp). Trotz der Probleme auf dem Heimatmarkt will sich die
Deutsche Bahn mit einer milliardenschweren Übernahme in
Großbritannien Wachstumschancen für die Zukunft eröffnen. Für rund
1,8 Milliarden Euro will der Konzern das britische
Verkehrsunternehmen Arriva kaufen und macht den Aktionären eine
entsprechende Offerte, wie der Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube am
Donnerstag in Berlin erläuterte. Mit dem Kauf würde die Deutsche Bahn
auch 1,1 Milliarden Euro an Schulden übernehmen. Arriva akzeptierte
das Angebot. Die Zustimmung der Aktionäre gilt daher als sicher.

Grube erwartet von der Übernahme eine deutliche Verbesserung der
eigenen Marktposition. Die Anteile der Deutschen Bahn im deutschen
Nahverkehr würden in den nächsten Jahren rückläufig sein.
Gleichzeitig würden die Nahverkehrsmärkte in Europa weiter
aufgeteilt. «Wir haben jetzt die Chance, uns an der Markterschließung
in Europa zu beteiligen oder aber wir leiten unseren eigenen
Schrumpfungsprozess ein», warnte er. «So eine tolle Braut kommt nur
einmal im Leben vorbei». Und da wolle man nicht gegenüber
ausländischen Konkurrenten das Nachsehen haben. Zuletzt war in den
Medien verstärkt über ein Angebot der französischen Staatsbahn SNCF
spekuliert worden. Derzeit liegt dem Vernehmen nach offenbar
allerdings keine Offerte aus Frankreich vor.

Arriva bietet in zwölf europäischen Ländern Bahn -und Busverkehr
an. In Deutschland betreiben die Briten unter anderem in
Ostniedersachsen den Regionalzug Metronom. Mit den
Tochtergesellschaften Prignitzer Eisenbahn und Vogtlandbahn ist
Arriva vor allem in Ostdeutschland stark. Im vergangenen Jahr gelang
dem Unternehmen ein Coup im Großraum Berlin. Das Joint Venture ODEG
gewann ein großes Los des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg und
nahm der Deutschen Bahn im Regionalverkehr ab 2011 sieben Millionen
jährliche Bahnkilometer ab.

Für die deutschen Kunden soll es durch die Übernahme keine
Verschlechterungen geben, machte Grube deutlich. Auch sollen die
Investitionen hierzulande nicht verringert werden. Der Wettbewerb
soll ebenfalls nicht eingeschränkt werden. Nach ersten Gesprächen mit
den Kartellbehörden gehe die Bahn davon aus, «dass wir in Deutschland
die Eisenbahnaktivitäten von Arriva veräußern werden müssen», sagte
Grube. Notfalls werde man sich auch vom Busgeschäft von Arriva
trennen.

Der Kaufpreis von 1,8 Milliarden Euro soll voraussichtlich über
die Ausgabe einer Anleihe finanziert werden. «Diese werden wir im
Laufe des Sommers aller Voraussicht nach an die Märkte bringen»,
sagte der neue Bahn-Finanzvorstand Richard Lutz. Im Moment zumindest
sei die Bahn, deren Schulden sich auf 15 Milliarden Euro belaufen, in
der Lage, dies aus bestehenden Mitteln beziehungsweise Kreditlinien
zu finanzieren. «Wir wollen das aber natürlich lieber über unser
normales Anleihe-Programm in eine lange Finanzierung drehen», sagte
der Finanzvorstand.

Nach Angaben Grubes soll die Firmenzentrale von Arriva im
englischen Sunderland bleiben. Die Deutsche Bahn setze auf eine enge
Zusammenarbeit mit dem bisherigen Arriva-Management unter dem
Vorstandschef David Martin. Darüber hinaus solle die Marke Arriva
außerhalb Deutschlands erhalten bleiben. Erst am Mittwoch hatte der
Aufsichtsrat der Deutschen Bahn die Übernahmepläne abgesegnet.

(ddp)


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