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Deutscher Schiffbau vor dem endgültigen Aus
Hamburg (dapd-nrd). Der Containerschiffbau in Deutschland ist endgültig tot. Darin sind sich alle Schifffahrtsexperten einig, die sich derzeit zur Internationalen Messe für Schiffbau, Maschinen und Maritime Technologie (SMM) in Hamburg versammeln. Die Hoffnungen der Branche ruhen daher auf dem Spezialschiffbau und der Offshore-Technologie. Doch auch hier droht die Konkurrenz aus Fernost die Bundesrepublik bereits zu überholen – nicht zuletzt, weil die Regierung die Branche schon abgeschrieben zu haben scheint.
“Durch die Wirtschafts- und Finanzkrise ist klar geworden, dass deutsche Werften nicht mit asiatischen Wettbewerbern mithalten können”, sagte der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft, Hans-Joachim Otto (FDP), bei der Eröffnung der Messe. Dort hätten die Asiaten eindeutig Kostenvorteile. Die deutsche Industrie solle sich daher vor allem auf Spezialschiffbau und Offshore-Technologie konzentrieren. Hier gebe es für die Bundesrepublik noch das Potenzial, “Systemführerschaften” zu erringen, also Marktführerschaft in Forschung und Technik.
Doch genau in diesen Bereichen schwinden derzeit die Marktanteile der deutschen Wirtschaft. “Die Konkurrenz aus Asien schläft nicht”, sagte Bernhard Meyer, Geschäftsführer der Meyer Werft und Chairman der Community of European Shipyards Associations (CESA). China sei dabei, die Schiffbaunationen Korea und Japan bei der Produktion der Massengutfrachter und Containerschiffe als Marktführer zu verdrängen.
“Korea und Japan sind zunehmend dazu gezwungen, sich auch in anderen Bereichen umzusehen, die zuvor von europäischen Unternehmen besetzt waren”, sagte Meyer. Dadurch würden sie zu ernst zu nehmenden Konkurrenten für die hiesige Industrie. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis auch China in diese Bereiche dringe.
“Im Moment steuert die Bundesregierung der fatalen Entwicklung kein bisschen entgegen”, sagte Rudolf Hicken, Forschungsleiter des Instituts Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen. So sei etwa der rund 600 Millionen schwere Großauftrag für drei Errichterschiffe für Offshore-Windparks der Bremer Beluga-Reederei vergangenen Monat nicht etwa an die Nordic-Werften in Wismar und Warnemünde gegangen, die dafür prädestiniert seien, sondern an ein Konsortium aus China.
“Das hängt ziemlich sicher damit zusammen, dass es auf der chinesischen Seite staatliche Unterstützung gegeben hat, die es hier nicht gab”, sagte Hicken. Und wenn die Chinesen sich erst einmal mit der Technik vertraut gemacht hätten, könnten die deutschen Werften gleich einpacken. Dabei seien Errichterschiffe für Offshore-Windparks genau die Art von Schiffen, auf die die Bundesregierung und die Industrieverbände ihre Hoffnungen setzten.
Die Bundesregierung wolle keinesfalls in einen Subventionswettlauf eintreten, sagte Otto. Allerdings sei “die maritime Wirtschaft für eine Exportnation wie Deutschland eine strategisch wichtige und unverzichtbare Branche”. Deshalb wolle man zukünftig noch mehr in die Entwicklung neuer Technologien investieren. Zukunftschancen sehe die Bundesregierung etwa bei “neuartigen, umweltfreundlichen und sicheren Spitzentechnologien”.
Über eine Spitzentechnologie, die Otto dabei vielleicht im Sinn hat, verfügt Deutschland indes schon: Die Brennstoffzellentechnik für U-Boote hierzulande ist weltweit einzigartig. Doch ebendiese Technologie droht gerade abzuwandern. Durch die erwartete Übernahme von Anteilen der Kieler Werft HDW durch Abu Dhabi Marine Systems und die Übernahme einer HDW-Tochtergesellschaft aus Griechenland, die auch U-Boote baut, könnte auch das Patent für die Brennstoffzellentechnik in den Nahen Osten getragen werden.
“Und genau hier liegt das Dilemma des deutschen Schiffsbaus”, sagte Hicken. Es werde mit hohen Subventionen eine neue Technologie in der Bundesrepublik erforscht, die dann früher oder später von der asiatischen Konkurrenz staatlich subventioniert in Massenproduktion gehe.
ddp
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